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Burladingen Marihuana-Prozess erinnert an "Breaking Bad"

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Die Kripo fand 130 Pflanzen in einer stillgelegten Textilfabrik in Burladingen, 63 davon in voller Blüte. Foto: dpa

Burladingen - Der Anfang seiner Geschichte erinnert ein wenig an die Serie "Breaking Bad". Dort fasst der eher spießige Lehrer Walter White den Entschluss, Drogen herzustellen. Er gerät in einen immer tieferen Sog und wird am Ende zum skrupellosen Drogenboss. Bei einem 56-jährigen Burladinger kommt es zum Glück nie so weit. Bevor der Biedermann mit seiner generalstabsmäßig durchgeplanten Marihuana-Plantage in Burladingen reich werden kann, wird der Geschäftsmann geschnappt. Bereits sein erster Großkunde entpuppte sich als Ermittler des Landeskriminalamtes. Sein Fall wurde am Mittwoch vor dem Hechinger Amtsgericht behandelt. Am Ende ließen Amtsrichter und Staatsanwältin bei dem Angeklagten Milde walten. Er bekam eine Bewährungsstrafe.

Amtsrichter und Staatsanwältin wurden nicht müde zu betonen, wie außergewöhnlich der Fall ist:

Die Haare korrekt frisiert, der Scheitel gerade und modische Ellenbogen-Schoner am dunklen Jackett. "Es ist wirklich kurios, wenn man sie so anschaut, wie bürgerlich sie wirken", attestierte die Staatsanwältin dem 56-jährigen Angeklagten. Seine Marihuana- Plantage in Burladingen hatte er generalstabsmäßig und mit einem regelrechten Businessplan aufgebaut. Die Pflanzen in einem Rhythmus gepflanzt, die ihm fortlaufende Ernten garantieren sollten und Berechnungen angestellt, nach denen er in ein bis zwei Jahren eine Million Euro hätte erwirtschaften können.

Sein Pech: Der erste Großkunde entpuppte sich als Ermittler des Landeskriminalamtes Mecklenburg Vorpommern, nahm den Burladinger fest und verschaffte ihm eine, wie er selber sagte, "einschneidende Erfahrung": Eine Nacht im Gefängnis.

Am gleichen Tag durchsuchten Balinger Kripobeamte die Wohnung und "Lagerräume", die der Burladinger in der stillgelegten Textilfabrik in Burladingens Ortsmitte angemietet hatte. Sie stießen auf fast 130 Pflanzen, 63 davon in volle Blüte. Die Beamten beschlagnahmten Feinwaage, Lampen, Heizlüfter, Ventilatoren und ein medizinisches Gerät für die Trocknung des Krauts, sowie eine kleine grüne Gießkanne. Denn einen Wasseranschluss gab es in der Plantage nicht.

"Alles wurde irgendwie leichter"

Vor dem Hechinger Amtsgericht berichtete der ehemalige Bundeswehrangehörige und Fachoffizier für Elektrotechnik, wie es so weit hat kommen können. Nach der Trennung von seiner zweiten Ehefrau, damals lebte er in der Nähe von Stralsund, fiel er nicht nur emotional in ein Loch. Massive Geldprobleme kamen hinzu. Damals, 2011, habe er zum ersten Mal einen Joint geraucht: "Alles wurde irgendwie leichter." Anstatt sich das Marihuana zu kaufen überlegte er, selber anzubauen, ließ sich übers Internet aus Holland ein paar Samenkapseln kommen, stellte Recherchen im Internet an und ließ in seinem Gutshaus die Cannabis-Pflänzchen sprießen. Bei einem unverhofften Besuch entdeckte seine Ex-Frau den illegalen Anbau und zeigte ihn an.

Der Angeklagte kehrte in seine Heimat auf die Schwäbische Alb zurück, fand Unterschlupf bei seinen Eltern und s einen gut bezahlten Job als Techniker für Labor- und Analysegeräte. Die 2200 Euro netto monatlich reichten ihm nicht. "Ich bin halt ein Unternehmertyp", begründete der 56-Jährige wieso er auch in Burladingen wieder mit dem Cannabis-Anbau begann. "Eine Schnapsidee", wie der Amtsrichter befand. Denn Aufzucht und Trocknung hatte der unternehmungslustige Älbler zwar genau geplant, über den Vertrieb einer solchen Menge Drogen hatte er sich allerdings wenig Gedanken gemacht.

"Ich kenne mich nicht aus im kriminellen Milieu", räumte er schulterzuckend ein. Vielmehr habe er sich über Bekannte in Berlin, von denen er wusste, dass sie gelegentlich Marihuana konsumierten, Kontakte beschafft. Einer dieser Kontakte war dann der verdeckte Ermittler. "Gott sei Dank", räumte der geständige Angeklagte vor Gericht ein.

Seine gute Sozialprognose, die Tatsache, dass er nicht einschlägig vorbestraft, inzwischen wieder verheiratet ist und sich eine eigene Firma aufbaut, fiel dann auch strafmildernd ins Gewicht. Das Urteil lautete ein Jahr und zehn Monate Gefängnis ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung und eine Geldstrafe von 5000 Euro, die er in Raten an zwei Balinger Institutionen bezahlen muss, die Drogenopfern helfen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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