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Burladingen "Man muss schon noch träumen können"

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Kuwait – für manchen wäre es momentan eine verlockende Abwechslung vom Corona-Alltag. Für Familie Waldmann aus Gauselfingen ist es ein Abschied für immer.

Burladingen-Gauselfingen. Sie sind Globetrotter und waren fast schon überall, haben Freunde und Weggefährten auf der ganzen Welt, die Gauselfinger Familie Amadeus, Monika, Tara und Rouven Waldmann. Nach fünf Jahren in Peking hatte sich der Familienvater und After-Sales-Manager bei Mercedes-Benz für seine Firma im Juli 2017 auf den Weg nach Kuwait gemacht.

Dieses Mal war Tochter Tara nicht mit dabei, wollte sie doch nach dem Abitur ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin beginnen und vielleicht irgendwann noch Medizin studieren. Also kamen nur Ehefrau Monika und Sohn Rouven Ende August 2017 mit dem Flugzeug nach. Und dieses Mal war auch von Anfang an klar, dass die Waldmanns, anders als in Peking, keine Verlängerung des Dreijahresvertrags anstreben.

Und Mutter und Sohn kehrten sogar bereits nach zwei Jahren dem Wüstenstaat den Rücken. Denn sonst hätte Rouven in Deutschland ein Schuljahr wiederholen müssen, da er in Kuwait auf einer englischen Schule war. Also hat er im englischen Schulsystem im arabischen Land den Realschulabschluss erworben und wird auf dem Technischen Gymnasium in Balingen nächstes Jahr sein Abitur machen.

3000 Schüler aus mehr als 70 Nationalitäten werden unterrichtet

" Es ist eine ganz andere Welt", betonen die drei Waldmänner in ihren Erzählungen immer wieder. Und das betrifft letztlich auch die Schule. Da es schon lange keine deutsche Schule in Kuwait mehr gibt, unter anderem weil höchstens 300 Deutsche im Land sind, werden knapp 3000 Schüler aus mehr als 70 Nationalitäten vom Kindergarten bis zur Oberstufe auf der englischen internationalen Schule unterrichtet, deren Fokus im Bereich Sport liegt. Die wenigsten Schüler sind Briten. Daneben gibt es auch noch eine amerikanische internationale Schule für die Kinder und Jugendlichen.

Und was macht man als Frau in einem arabischen Land? Tee trinken und shoppen. Na, klingt für unsereins im ersten Moment verlockend. Kann aber ganz schön langweilig sein, wie Monika Waldmann weiß. Sie hatte als Frau aus Europa nie irgendwelche Nachteile. Außerdem hat sie sich in einer Organisation engagiert und Care-Pakete für Arme gepackt, die es aber offiziell im Land gar nicht gibt.

Was für die Frauen in Kuwait die Einkaufsmeile ist, das ist für die Männer die Wüste, in der man sogar einen riesigen Schrottplatz mit ausgedienten Autowracks findet. Für Amadeus und Sohn Rouven, der Maschinenbau und Fahrzeugtechnik studieren will, ein wahres Paradies. Aber sonst gibt es eben kein Freizeitangebot. "Kuwait ist auch kein touristisches Land", erläutern Amadeus und Monika Waldmann. Auch ist der Stadtstaat mit dem Riesenland China überhaupt nicht vergleichbar, wie die drei Gauselfinger schnell feststellen mussten.

Drei Viertel der vier Millionen Einwohner sind Ausländer

Es wird in der Hauptsache Arabisch gesprochen. Englisch sprechen nur die reichen Kuwaitis, die an einer Elite-Universität studiert haben, die restliche Bevölkerung, vor allem Gastarbeiter aus aller Welt, kann kein Englisch. Von den rund vier Millionen Einwohner des Stadtstaates sind drei Viertel Ausländer.

Trotzdem hat sich die deutsche Familie hin und wieder auf dem Markt beim Essen im Restaurant mit Einheimischen unterhalten. Man begegnete ihnen sehr offen, zumal Europäer ein hohes Ansehen in Kuwait haben.

Das stark vom Islam geprägte Land hat klare Regeln. So gilt ausnahmslos für alle Alkoholverbot. Ein Glas Bier oder Wein zum Essen ist undenkbar. Während des Fastenmonats Ramadan darf in der Öffentlichkeit nicht mal Wasser getrunken werden.

Und auch sonst ist man hier sehr konservativ eingestellt. Da die Ölpreise zusehends sinken, beginnt man auch in Kuwait, die eigenen Leute in eine Beschäftigung zu bringen, so dass sie irgendwann ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren können statt vom Staat subventioniert zu werden. Die vielen Gastarbeiter müssen ohnehin für ihr Ein- und Auskommen arbeiten.

Während der Corona-Pandemie hat dann auch Amadeus Waldmann dreieinhalb Monate in Kuwait festgesessen. Bei durchschnittlich 48 Grad Celsius durfte er nur zwei Stunden am Tag die Wohnung verlassen und musste den Einkauf im Supermarkt innerhalb des Wohnblocks quasi vorher buchen. Wenn dann überhaupt noch Fleisch und Gemüse zu bekommen war.

Jetzt lockt sie ein Abschnitt auf der alten "Road of Bones"

Seit Juni vergangenen Jahres ist nun auch der Familienvater wieder zurück in Deutschland und momentan damit beschäftigt, einen Unimog für die nächste große Globetrotter-Reise aufzubauen.

Beruflich wird er wohl nicht mehr ins Ausland gehen. Wohl aber privat. "Man muss noch träumen können", lautet der Slogan des Globetrotter-Paares. Und so wollen die beiden irgendwann in einigen Jahren in Russland mit den Motorrädern einen 500 Kilometer langen Abschnitt der alten "Road of Bones" befahren.

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