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Burladingen Lindenhof schneidert am Corona-Programm

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Foto: Lindenhof Foto: Schwarzwälder Bote

"Wir haben super Ideen", sagt Stefan Hallmayer, einer der Intendanten des Theaters Lindenhof in Melchingen, über die Pläne seines Ensembles für die kommende Saison. Da sei angesichts der Einschränkungen Kreativität gefragt und etwas, was der Lindenhof sehr gut kann: das kleine Format.

Burladingen-Melchingen. Ausgerechnet den Burladinger Kulturvorzeige-Betrieb mit bundesweit bestem Ruf hat die weltweite Pandemie am Schlimmsten erwischt. Denn der Lindenhof hatte mit seinem millionenteuren Um- und Ausbau viel gewagt, auf die treue seines Publikums und in der Zukunft volle Häuser gesetzt. Die Schulden, so hatten die Macher in der Verwaltung des Stiftungstheaters kalkuliert, hätten sich dann nach und nach abtragen lassen, vor allem, da ja einige Großprojekte und Open-Air-Veranstaltungen für 2020 im Terminkalender standen.

Dann kam, rechtzeitig um die Saison komplett platzen zu lassen, die Corona-Krise und das ganze Ensemble musste in Kurzarbeit gehen. Nach reiflichem Überlegen haben sich die Kreativen und die Kaufmänner am Lindenhof dazu entschlossen, diese Saison ganz zu streichen und sind nur im Überlebensmodus. Per neuer Medien, mit der Serie im Schwarzwälder Bote und einigen Vorstellungen, die es als Film im Livestream gibt, versucht die Truppe bei ihrem Publikum präsent zu bleiben.

Trotzdem, Theater, das bleibt für Hallmayer und den Rest der Lindenhöfler eine Kunst des Augenblicks, "im Hier und Jetzt", wie Hallmayer es formuliert. Er gibt zu bedenken, dass, wenn ein Stück nach der Premiere mehrere Abende lang auf dem Spielplan steht, keine Aufführung der anderen aufs Haar gleicht und es immer kleine Unterschiede geben wird. "Die Begegnung lässt sich nicht ersetzen", sagt er mit Blick auf die Zukunft betont aber auch: "Das Internet bietet ganz große Chancen, der virtuelle Raum ist kein Gegner". Denn auch hier gäbe es in gewissen Formaten die Möglichkeit mit dem Zuschauer zu interagieren, ihn sogar ganz aktiv ins Spiel einzubeziehen.

Der Lindenhof zeichnet immer zu Zwecken des Studiums und der eigenen Kontrolle die gezeigten Stücke auf. Nur für das Archiv oder falls mal eine Rolle umbesetzt werden oder eine Produktion nach Jahren wieder aufgenommen werden muss. "Das ist aber nie für die Öffentlichkeit gedacht", betont der Intendant. Sollen solche Aufzeichnungen dann über die Bildschirme flattern, tun sich dem Theaterbetrieb ganz andere Probleme auf. "Sind da Menschen zu sehen, dürfen wir die zeigen, wären die einverstanden?", erläutert der Intendant ein paar der Hindernisse für eine Ausstrahlung. Hinzu kommen die Rechte an einem Stück.

"Entweder du kriegst die Rechte nicht, oder sie sind zu teuer", meint Hallmayer schulterzuckend. Die können unter Umständen so viel kosten, dass eine Fernseh- oder Livestream-Sendung für den Lindenhof gar nie in Frage kommt. Außerdem benötigt man auch dazu eine ausgefeilte Technik, die sich die ohnehin klammen Theatermacher erst einmal zusammen kaufen müssten. "Es war ja schon vorher immer ein Kampf", gibt der Intendant zu bedenken, spricht von "Kreativität und Selbstausbeutung" durch die der Lindenhof in den vergangenen Jahren so erfolgreich war.

Ein paar Produktionen werden digital gezeigt

Trotzdem wurden einige wenige Produktionen von den Melchinger Theatermachern in den vergangenen Wochen digital gezeigt. Das waren etwa die Stubenoper vom Ringsgwandl oder der Herzlfresser, die letzte Premiere vor den Corona-Regeln. Auch eine Jazz-Matinee wurde in den virtuellen Raum verlegt. "Wir sind doch Institution und Institut zugleich und wir wollen Geschichten erzählen, die sich um unsere Lebenswirklichkeit, vor allem hier im ländlichen Raum drehen", sagt er mit Blick auf die nächste Spielzeit, an der der Lindenhof nun feilt.

Und da wäre zum Beispiel "Poliakoffs Eventkapelle" so ein kleines Format, das beim Publikum gut ankam, aber wegen der Blasmusik-Besetzung müssten die Schauspieler und Musiker so weit auseinander auf der Bühne stehen und agieren, dass es aus dem Spielplan fliegt. Dafür wird es Neues geben. Die Erzählbar zum Beispiel wollen die Lindenhöfler verfeinern und ausbauen, derlei kann öfter stattfinden. Und dann will Stefan Hallmayer selber mit einem Soloprogramm durchstarten. Er, der in Global Player den Auswanderersohn Manne gespielt hat, wird diesem Manne einen eigenen Theaterabend widmen.

"Einwandfrei Manfred" so der Arbeitstitel in dem dieser schillernden Figur so mancher Monolog auf den Leib geschneidert wird. Kleinere Formate und da gehen trotz Coronaregeln auch Theaterspaziergänge, an denen die Zuschauer und Spaziergänger Abstände einhalten, es geht Stationen- und Landschaftstheater. "Die Arbeit beginnt von vorn", sagt Hallmayer.

"Wir können das, aber wir müssen auch finanziell in die Lage versetzt werden", betont Hallmayer. Da der Lindenhof, anders als die Staatstheater nur 40 und nicht 80 Prozent Zuschüsse zum laufenden Spielbetrieb bekam, ist er in Zeiten, in denen der Spielbetrieb eben daniederliegt ganz besonders auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen. Und die Städte und Landkreise rund um den Lindenhof haben ja schon konkret über die ersten finanziellen Schwierigkeiten hinweg geholfen und auch für die kommenden Monate sehr positive Signale ausgesandt.

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