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Burladingen Knochenfund alarmiert die Behörden

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Die Tiefbauarbeiten im Salmendinger Ortskern an der Kornbühlstraße 49 kommen gut voran, sagte der Ortsvorsteher Erwin Straubinger in der jüngsten Ortschaftsratsitzung. Als menschliche Überreste gefunden wurden, standen die Bagger aber erst einmal still. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

So hatte sich Salmendingens Rathauschef Erwin Straubinger die Erschließung des innerörtlichen Baugebietes wohl nicht vorgestellt. Obwohl die Arbeiten vor der Corona-Pandemie vergeben und begonnen wurden, geriet ihr Abschluss kurzfristig in Gefahr.

Burladingen-Salmendingen. Ins Haushaltsloch wegen der städtischen Geldknappheit aufgrund von Einnahmeausfällen wegen Corona fiel die jahrelang geplante Erschließung der innerörtlichen Bauplätze zwar nicht. Aber sie drohte vor Kurzem in ein anderes Loch zu fallen – in historische Gräber. Denn während der Tiefbauarbeiten auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände, auf dem mehrere neue Grundstücke von einer Größe zwischen 480 und 520 Quadratmeter entstehen sollen, fanden Arbeiter zwei menschliche Skelette.

Dies rief zunächst die Polizei auf den Plan, und die dachte sich schnell, dass sie nicht zuständig sein würde. Die Burladinger Beamten informierten vielmehr die Landesdenkmalschützer und Archäologen. Mit einer Drohne seien die angerückt, erzählte ein Anlieger jetzt im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, und hätten das Gelände so von oben fotografiert.

Tatsächlich ist es inzwischen Standard, bei derlei Zufallsfunden und späteren Ausgrabungen mit solchen Aufnahmen per GPS auch Vermessungen zu machen, um mögliche andere Reste, die im Boden liegen, feststellen zu können. Das Gelände ist dann "georeferenziert", wie die Fachleute sagen.

Allzu bedeutend können die Funde in Salmendingen allerdings nicht gewesen sein, denn die Tiefbaumaßnahme läuft weiter, nachdem die Denkmalschützer die menschlichen Überreste mitgenommen haben. Man komme mit "K 49" gut voran, betonte Ortsvorsteher Erwin Straubinger in der jüngsten Ortschaftsratsitzung im Salmendinger Rathaus und lobte das Verständnis, dass die Anlieger mit all den Baustellen in Salmendingen derzeit aufbringen.

"Ur-Balinger" stoppte den Bau des AOK-Gebäudes

Da haben die Salmendinger mit der Erschließung der so dringend benötigten Baugrundstücke Glück gehabt. Andernorts werden Baumaßnahmen von historischen Forschern, Denkmalschützern oder Archäologen manchmal sogar für eine Weile gestoppt. So wie in Balingen vor einigen Jahren in Klein-Venedig. Da saß die Wohnbau als Investor und saßen potenzielle Wohnungs- und Bürokäufer in Wartestellung und mussten monatelang auf den Abschluss der Arbeiten der Archäologen und ihrer Befunde warten. Auch beim Bau des AOK-Gebäudes in Balingen gab es Verzögerungen wegen eines spektakulären Knochenfundes, der dann als "Ur-Balinger" Schlagzeilen machte.

Im Melchinger Baugebiet am Pfaffenberg waren vor genau einem Jahr ebenfalls Archäologen am Werk. Allerdings wusste man bei dieser Grabung schon im Voraus, dass es sich beim Pfaffenberg um ein sogenanntes Bodendenkmal handelt. Und so waren vor dem Beginn der Erschließung Wissenschaftler der privaten archäologischen Fachfirma ArchaeoBW im Auftrag des Landes am Graben, Sichten und Sortieren. Auch hier kam eine Drohne zum Einsatz, die mithilfe modernster Digitaltechnik die Funde als 3-D-Modelle und im Seitenschnitt sichtbar machen konnte.

Und nachdem dieses Team erst einmal festgestellt hatte, wo genau etwas Interessantes im Boden liegt, konnten die Wissenschaftler und Tiefbauer wochenlang sogar nebeneinander arbeiten. Gefunden wurden in Melchingen Vorrats-, Feuer- und Kellergruben aus dem Mittelalter sowie Keramikscherben und Tierknochen, die gewisse Rückschlüsse auf Lebensweise und Ernährung der Menschen zuließen. Über 150 Befunde zählten die Forscher.

Auch vor mehr als 40 Jahren sorgten Knochenfunde im Burladinger Stadtkern für Aufsehen. Damals sollte, kurz vor der Erhebung Burladingens zur Stadt, die Bahnhofstraße noch schnell ausgebaut und endlich geteert werden, damit sie den zur Stadterhebungsfeier eingeladenen Gästen aus der Landeshauptstadt präsentiert werden konnte. Auch dort stießen die Tiefbauer auf menschliche Überreste, die entnommen wurden. Die Arbeiten an der Bahnhofstraße in der späteren Fehlastadt wurden dann schnell fortgesetzt – und rechtzeitig fertig.

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