Die Erfolgsformation Kissin’ Dynamite wird sich ändern (von links): Hannes Braun, Andi Schnitzer, Ande Braun, Steffen Haile und Jim Müller. Foto: Schneiderwind Foto: Schwarzwälder Bote

Paukenschlag: Drummer Andi Schnitzer verlässt die Band kurz nach seinem 30. Geburtstag / Wer haut in Wacken drauf?

Die Corona-Pandemie habe einen weiteren prominenten Toten: die Rockmusik. Das sagt der Schlagzeuger Andi Schnitzer, und er hat im sozialen Netzwerk Facebook bekanntgegeben, dass er die einst in Burladingen gegründete, international erfolgreiche Band Kissin’ Dynamite verlassen hat.

Burladingen. Die Fangemeinde ist schockiert. Im Dezember erst gratulierten Bandmitglieder, Freunde und Fans dem Drummer zum 30. Geburtstag. Jetzt räumte er in einem auf Englisch verfassten Text ein, dass er die Band schon vor einigen Wochen verlassen hat.

Und das, obwohl Kissin’ Dynamite seit der Gründung vor rund zwei Jahrzehnten in dieser unveränderten Besetzung erfolgreich war. Außer Drummer Andi Schnitzer waren es Sänger Hannes Braun und sein Bruder Ande Braun an der E-Gitarre, der Gitarrist Jim Müller und der Bassist Steffen Haile, die sich aus den Probenräumen in Burladinger Kellern und vom Mitspielen in der Schulband an die Weltspitze hochmusizierten. Es gab internationale Tourneen, Preise und viele CDs. Leadsänger Hannes Braun hat nach seinem Abschluss an der Popakademie als Produzent und Autor mit Schwerpunkt Komposition für viele erfolgreiche Künstler und Schlagerstars die richtigen Töne gefunden. Auch für Hits von Kissin’ Dynamite.

Aber, so Schnitzer jetzt, er und die Band seien über die Jahre zu weit auseinandergedriftet, hätten nicht mehr dieselbe Sprache gesprochen, und man sei sich auch in essenziellen Dingen nicht mehr einig gewesen. Um mit sich und seinen "Boys" im Reinen zu bleiben, habe er sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen, begründet Schnitzer seinen Paukenschlag. Er scheidet aber wohl nicht im Unfrieden. Im Gegenteil. Er blicke zurück auf wilde und wundervolle Jahre, sagt er und betont die respektvolle Atmosphäre, die in der Band immer geherrscht habe.

Er habe auf Hunderten von Bühnen gestanden, mit Tausenden von Leuten im Publikum und dabei viele erhebende Momente genossen. Idealismus, Hingabe und Loyalität der KD-Crew seien in all den Jahren über jeden Zweifel erhaben gewesen, sagt Schnitzer.

Bei seinen Fans bedankt er sich für die vielen Momente und garantiert, dass er früher oder später wohl wieder in einer Band spielen werde.

Fans und Followern erklärt er die verzweifelte und aussichtslos scheinende Situation der Musiker und lässt keinen Zweifel daran, dass die Pandemie dieser Musikrichtung, die von schwitzenden, rockenden Menschen im Publikum geprägt ist, vom Live-Gefühl unter den Zuhörern, gerade den Todesstoß versetzt. Der Auftrittsmöglichkeiten beraubt, hat Schnitzer ein Buch geschrieben, wie er bekannt gibt. Und: Es werde definitiv ein Rock n’ Roll- Buch sein – aber nicht nur.

Tatsächlich ist der letzte Live-Auftritt der Band Monate her, und bereits dort, beim Open Air auf dem Parkplatz am Stuttgarter Flughafen, galten für die Zuschauer Corona-Regeln und Maskenpflicht. Die Band selber gab das Ausscheiden von Andi Schnitzer erst vor wenigen Tagen "schweren Herzens" und ebenfalls im sozialen Netzwerk Facebook bekannt. Traurig sei man, hieß es da, und: "Wir wünschen Andi das Allerbeste für seinen weiteren Weg und werden die gemeinsame Zeit immer in guter Erinnerung behalten."

Derzeit plant Kissin’ Dynamite einen Auftritt beim legendären Open-Air in Wacken vom 29. bis 31. Juli. Wenn das trotz Pandemie wie geplant stattfinden kann. Wer dann als Drummer dabei sein könnte, ist noch offen.

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