Vom Gemeinderat gewählt: Katja Reck leitet das Amt Zentrale Dienste, das früher das Hauptamt war, jetzt ganz offiziell. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Karriere: Bewerbung und Wahl nach zwei Jahren Interimslösung / Ausschlaggebend: der neue Bürgermeister

Nichts dauert länger als ein Provisorium. Als Interimslösung hat die 33-jährige Diplom-Verwaltungswirtin und stellvertretende Hauptamtsleiterin Katja Reck zwei Jahre den Laden geschmissen und sich erst jetzt auf die Leiterstelle beworben.

Burladingen. I m Gespräch mit unserer Zeitung erzählt die junge Frau, warum sie mit ihrer Bewerbung so lange gewartet hat. "Ich wollte erst einmal den neuen Rathauschef persönlich Kennenlernen, mir ein Bild machen und schauen, ob die Chemie stimmt. Denn auf dieser Amtsleiterstelle ist es wichtig, dass man beim Bürgermeister ein gutes Bauchgefühl hat", plaudert sie über ihre Hauptamtsleitung auch aus dem persönlichen Nähkästchen.

Dass ihr Vorgänger, Michael Schäfer, in der Ebert-Ära das Handtuch warf, sich lieber ins kleinere Kirchentellinsfurt im Landkreis Tübingen bewarb, kommentiert sie nicht mehr. Muss sie auch nicht. Die junge Frau mit dem lebhaften Lachen und dem dunklen Lockenkopf hat sich nach Meinung des Gemeinderates jedenfalls in den vergangenen zwei Jahren längst bewiesen. Die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker wählten sie nach ihrer Bewerbung in einer nichtöffentlichen Sitzung jetzt ganz offiziell ins Amt.

Abschluss in Kehl als Diplomverwaltungswirtin

Zuvor war die Stelle mehrfach ausgeschrieben gewesen und keiner der Bewerber war dem Gremium wirklich recht. Alle blitzten ab. "N.N." – noch zu benennen – prangte da zwei Jahre lang an der Tür zum Hauptamtsleiter, während Katja Reck alles wegschaffte, was ihr auf ihrem Tisch landete. Inzwischen heißt das Hauptamt übrigens "Zentrale Dienste". Und es galt und gilt – obwohl das Ordnungsamt mittlerweile ausgegliedert wurde – immer noch als eine Art "Superministerium".

Katja Reck war und ist unter anderem für sämtliche Burladinger Schulen zuständig, für die Volkshochschule, das Rathaus-Personal, das Stadtmarketing und die Jugendmusikschule.

Gerüstet ist sie gut. Die gebürtige Pfronstetterin aus dem Landkreis Reutlingen hat an der Hochschule in Kehl das klassischer Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst absolviert und dort 2010 ihren Abschluss gemacht. Als Diplomverwaltungswirtin FH. "Heute heißt das Bachelor of Arts", sagt sie und lacht. Darunter könne man sich eigentlich kaum mehr etwas vorstellen, räumt Reck ein. Tatsächlich verbinden wohl die meisten Zeitgenossen mit einem Bachelor eher den schmachtenden Rosenverteiler aus dem TV.

Bei der Stadt Münsingen war Katja Reck ebenfalls schon im Hauptamt tätig, bevor sie sich auf die Stellvertreterstelle des Hauptamtes Burladingen bewarb. Dass in Münsingen nicht Endstation sein würde, dass sie den höheren Dienst anstreben würde, für den sie studiert hatte, dass war ihr in dieser Zeit schon klar. Sie bekam die Stelle in der Fehlastadt, zog nach Gammertingen und musste erleben, dass wenige Monate später ihr direkter Vorgesetzter – Amtsleiter Michael Schäfer – kündigte.

Weder sie noch die Verwaltung fackelten lange, Katja Reck übernahm und hatte keine Ahnung, dass diese Interimslösung zwei Jahre dauern, letztlich aber auch einen Karrieresprung für sie bedeuten würde.

Denn Einarbeiten muss sich die junge Frau nun nicht mehr. In Burladingen bei den Schulen, den Eltern und vielen Bürgern ist sie längst bekannt. Beweisen muss sie sich ohnehin tagtäglich. Denn gerade im Stadtmarketing und bei der Digitalisierung der Schulen hat der neue Bürgermeister ja viel vor.

Bayern München und Zumba in der Freizeit

Bleibt da noch Freizeit? Und wenn ja, wie wird sie verbracht? "In der Pandemie ist das ja jetzt alles schwierig", verrät Katja Reck und erzählt, dass sie seit frühester Jugend Fußballfan ist und ihrem verehrten Verein Bayern München schon auf so manches internationale Spiel begleitet hat. Sogar in den USA ist sie deshalb schon gewesen. Und um sich in Form zu halten, powert sie sich beim Zumba aus, Fitnesssport zu vor allem lateinamerikanischer flotter Musik, drei- bis viermal die Woche.

Auch das geht des Lockdowns wegen gerade nicht. Aber: "Es kommen auch mal wieder andere Zeiten", sagt die Amtsleiterin optimistisch. Und das, obwohl sie weiß: Ein Provisorium kann manchmal länger dauern.

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