Warme Schuhe aus dem Zollernalbkreis packen die Helfer in Griechenland aus, weitere sollen folgen. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Rössle-Aktion: Bei Bastians und Schwarz rollten vier Paletten mit 105 Kisten vom Hof / Bald ein Flohmarkt mit Infostand

Von der Musik- und Theatergaststätte Rössle in Hörschwag rollen auch weiterhin Hilfsgüter für ein griechisches Flüchtlingslager vom Hof. Die Not in dem südeuropäischen Land ist groß, die Temperaturen sind immer noch niedrig.

Burladingen-Hörschwag. Am Wochenende waren es, so teilt die Sängerin und Mitinhaberin der Kulturkneipe Rössle, Angelika Bastians, dem Schwarzwälder Bote mit, vier Paletten mit insgesamt 105 Pakete, die mit dem Fahrer Sakis nach Griechenland rollten. Es war der dritte Transport, den das Ehepaar auf den Weg gebracht hat.

Und es soll, so Angelika Bastians und Ulrich Schwarz, nicht der letzte bleiben. Für den nächsten, der in rund zwei Wochen abfahren soll, sind sie vor allem auf der Suche nach warmen Jacken und Mänteln, dicken Decken und Schlafsäcken. Auch Hosen, Jeans, Decken, Kleidung, Turnschuhe, T-Shirts und Pullover werden weiter gesammelt.

Das alles will das Künstler-Ehepaar, das seine derzeit brach liegende Kulturgaststätte zum Hilfszentrum umfunktioniert hat, beim nächsten Mal mit auf den Weg bringen.

Frauen sind auf der Flucht in Gefahr

Einiges, was hilfsbereite Menschen da vorbeigebracht oder vor ihrer Tür abgestellt haben, mag sie allerdings nicht in die Pakete packen. "Stöckelschuhe oder sexy Unterwäsche, Hot-Pants, das passt einfach nicht in ein überfülltes Flüchtlingslager", sagt die mitfühlende Künstlerin mit einem Blick auf den Teil der aussortierten Kleidungsstücke.

Bastians und viele andere wissen, dass die Frauen und Mütter, die in den Lagern leben, auf ihrer Flucht oft vielen Gefahren und sexueller Belästigung ausgesetzt waren. Manche wurden vergewaltigt. Und diese Gefahren seien in einem überfüllten Flüchtlingslager auch noch nicht vorbei.

Hilfe kommt aus dem ganzen Zollernalbkreis

Weggeschmissen wird trotzdem nichts, wie Bastians versichert. Sobald das Wetter und die Corona-Regeln es zulassen, will sie rund ums Rössle einen Open-Air-Flohmarkt stattfinden lassen. Dazu will eine engagierte Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, die schon länger Flüchtlingen und Asylbewerbern hilft, einen Infostand machen. Der Erlös des Flohmarktes soll dann wieder in die Transporte weiterer Hilfsgüter fließen.

Bastians berichtet auch, das viele Menschen aus dem gesamten Zollernalbkreis ihr mit Verpackungsmaterial oder Kartons helfen. Was sie von ihren in Griechenland engagierten Freunden erfahren hat: "Wenn die geflüchteten Menschen und Familien in Griechenland dann ein Aufenthaltsrecht bekommen, werden sie einfach irgendwo abgestellt. Das heißt, sie sind dann obdachlos." Trotzdem, so Bastians, würden viele Griechen, selber durch Krise und Pandemie gebeutelt, diesen Menschen noch helfen. Eine der Frauen aus dem Helferkreis rund um das Lager Ritsona näht zum Beispiel kleine Stofftaschen, in die sie dann Zahnbürsten, frische Unterwäsche und etwas zu essen einlegt und das werde dann bei den Menschen, die auf der Straße wohnen, verteilt. "Was wir in den Medien sehen ist nur ein Hundertstel von der Not", ist Bastians überzeugt. Und versucht doch weiter, ihre helfenden Tropfen auf die heißen Steine zu schütten.

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