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Burladingen Hoher Besuch im komplexen System

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Fotos: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

"Manchmal denke ich, es sind fast museale Bedingungen hier für die Wiesen und Insekten", so kommentierte Regierungspräsident Klaus Tappeser die Situation am Salmendinger Kornbühl, Woog und den Bühlbergen. Sein Stab präsentierte das außergewöhnliche FFH-Gebiet der Presse vor Ort.

B urladingen-Salmendingen/Tübingen. Dass beim Land die Artenvielfalt, der Schutz der Kleinstlebewesen und Insekten inzwischen von großer Bedeutung ist, das wohl sollte dieser rustikale Vor-Ort-Termin mit so exklusiver personeller Besetzung verdeutlichen. Bitter nötig, denn Studien beweisen, dass die Zahl der Insekten in manchen Bereichen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sind. Viele Arten sind schon fast weg andere vom Aussterben bedroht.

Und da ist der Kornbühl und da sind die Bühlberge auf der anderen Seite der Kreisstraße ein Beweis für das, was die Biologen des Regierungspräsidiums ganz klar verdeutlichten: "Ohne Landwirte im Boot geht es nicht." Wie und wann die ihre Wiesen mähen, wie und ob sie düngen, wann und wo da Schafe weiden und Ziegen hinzugezogen werden, das alles nämlich ist von größter Bedeutung in diesen Schutzprojekten. Und während es am Kornbühl und drumherum vor allem die Magerwiesen mit ihren ganz bestimmten Insekten sind, die Biologen dort finden, herrscht unterhalb der Bühlberge eher ein feuchtes Klima, das ganz andere Lebensbedingungen schafft, andere Arten anzieht und ihnen Raum gibt.

Aber Termine und Höhe der Mahd müssen auch hier ineinandergreifen. Denn einige der Krabbeltierchen leben in Symbiosen, andere sind auf die Hinterlassenschaften weiterer Arten oder ganz bestimmtes Totholz oder die Bodenbeschaffenheiten angewiesen, um sich zu vermehren.

Wanstschrecke hüpft, um vorwärts zu kommen

Es sind alles ganz, ganz komplexe Systeme", kommentierte Tappeser dann die Ausführungen der Kartierer und Biologen, die sich derzeit intensiv um diese Region kümmern und dort Käfer und alles andere zählen und ihre Lebensbereiche dokumentieren. Gefunden haben sie dort das, was die Naturforscher inzwischen Flaggschiff-Arten nennen. Also jene Tiere, die wenn sie wo sind, einen Hinweis darauf geben, dass auch viele andere Arten dann dort zu finden sein müssten. Ausgemacht haben die Käfer- und Bienenzähler auf diesen Wiesen unter anderem verschiedene Bläulinge, vor allem aber den Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der hat sein Überleben trickreich gesichert, indem er seine Raupen von Ameisen regelrecht Abschleppen lässt – die dann im Moment, wo die Raupe zum Falter wird, schnöde verlassen werden. Der mittlere Perlmuttfalter hingegen, hat eine Vorliebe für Nahrungspflanzen wie Veilchen. Seine Eier überwintern an den trockenen Stängeln, was auf intensiv bewirtschafteten Flächen oft nicht möglich wäre.

Die Wanstschrecke gar wurde vom Schöpfer ganz ohne Flügel erfunden. Sie kann sich also nur hüpfend fortbewegen und bleibt bei Gefahr ganz ruhig sitzen. Rotierende, scharfe Messer der Mähmaschinen haben ihr mittlerweile so den Garaus gemacht, dass sie als stark gefährdet gilt.

Ebenso die Große Harzbiene, die leicht geneigte Hänge mit sandigem bis lehmigem Substrat und offenen Bodenstellen braucht. Nur da kann sie ihre Brutkammern in den Boden graben. Sie ist bei der Pollensuche auf Schmetterlingsblütler, insbesondere den Hornklee, spezialisiert. Ihre Brutkammern kleidet sie mit Blatteilen aus, die sie mit Harz verklebt, was ihr den vielsagenden Namen einbrachte. All diese und weitere Flaggschiffarten kommen in Salmendingen vor. Behörden und Naturfreunde hoffen, dass die Investitionen und Bemühungen verschiedener Stellen und die auf diesen Wiesen im FFH-Gebiet gemachten Forschungen richtungsweisend sein können für andere Regionen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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