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Burladingen Hölderlin kifft vor dem Lokschuppen

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Die Züricher Schauspielstudenten spielen im Raum und springen durch die Zeit. Foto: Oehler Foto: Schwarzwälder-Bote

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Burladingen-Melchingen/Tübingen. "Eng, enger, Württemberg": Eingezwängt in die Ausbildungsanstalt Tübinger Stift rebellieren die drei Eliteschüler Hölderlin, Hegel und Schelling im neuesten Stück des Theaters Lindenhof ekstatisch feiernd und philosophierend gegen den Protestantismus. Sie sitzen kiffend und saufend am Lagerfeuer und träumen von einer Welt, in der alle Menschen gleich und frei sind.

Alle drei Jahre inszenieren die Melchinger ein Stück im Rahmen der Reihe Tübinger Sommertheater. 20 Vorführungen werden in Tübingen bis Mitte August gespielt.

"In weiter Ferne, der Mensch. Hegel Hölderlin Schelling Tübingen" ist aber mehr als eine bloße Nacherzählung der Ereignisse geworden. Umbruch, Aufruhr, Nähe und Ferne – die Lindenhöfler, unterstützt von Züricher Schauspielstudenten, spielen im und mit dem Raum und springen durch die Zeit.

Der Aufführungsort, der ehemalige Tübinger Güterbahnhof bietet die Kulisse. Schon zu Beginn betreten die Zuschauer das Gebäude über die Hintertür, den Bahnsteig, und stehen in einem schwarzen Gang. Eine Bühne oder einen Zuschauerraum sucht man überrascht vergebens. Am Ende des dunklen Korridors öffnet sich die Güterhalle, genutzt als Foyer. An den Wänden: Graffiti als Zeichen einer lebhaften, aber vergangenen Jugend. Smalltalk, Getränke und ein Happen zu Essen verkürzen die Zeit bis zum Beginn.

Dieser setzt unvermittelt ein. Hegel, Hölderlin, das Verlangen nach dem Ausbruch aus der Enge und die Sehnsucht nach einer besseren Welt: Mitten im Thema, mitten unter den Zuschauern beginnt das Stück.

Die zehn Schauspieler nehmen die Zuschauer mit nach nebenan. Wo gerade noch Dunkelheit herrschte, stehen nun einige Stuhlreihen. Die Bühne für die Darsteller: der ganze Raum. Videowände blenden Aufnahmen ein. Tübinger Schwarz-Weiß-Impressionen und Liveaufnahmen direkt aus der riesigen Halle sind zu sehen.

Hölderlins verzweifelter, aber allseits bekannter Kampf mit den eigenen Ansprüchen und denen der Mutter wird direkt aus seiner Stube, einem Bürokasten im letzten Eck, übertragen: "Werde doch einfach Pfarrer, Sohn".

Eng geht es zu, als den Neuankömmlingen die Stiftsordnung verlesen wird. Schwarze Vorhänge ziehen Grenzen und zwingen die Darsteller in den Zuschauerraum. Kurz darauf entfliehen die Drei aus der Begrenztheit der schwäbisch-pietistischen Ordnung. Die Tore zum Bahnsteig gehen auf. Sie verlassen, verfolgt von Kameras, den Bahnhof, um am Lagerfeuer zu kiffen und zu saufen. Alles übertragen auf die Leinwände, als Flucht in die weite Welt und doch eingesperrt in die dicken Sandsteinmauern des Stifts. Susanne Hinkelbein am Klavier untermalt die Szenerie.

Die Ideen der französischen Revolution lassen die Studenten von einer befreiten Zukunft träumen. Der Aufruhr verläuft im Sand. Ein erneuter Ausbruch auf der Suche nach Freiheit eskaliert in einem Technorave und gipfelt am Ende in der "geistigen Vereinigung der drei Genies". Sie fordern eine Rückkehr der Poesie ins Leben der Menschen und die Abschaffung des Staates. Damalige und heutige Jugendrevolte im Vergleich.

Begeistert reagierte das Publikum bei der Premiere auf die Aufführung. Besonders beeindruckte das Zusammenspiel der jungen Züricher Nachwuchsschauspieler und der "alten Hasen" des Lindenhofs. Der Güterbahnhof bildet die gelungen Kulisse, war er doch in den Neunzigerjahren selbst Ort so mancher Technoparty.

Am Ende stellt sich dann aber doch die Frage: Muss man zwangsläufig Franz Xaver Ott und Bernhard Hurm nackt gesehen haben, um den Ausbruch der Jugendlichen aus den gesellschaftlichen Zwängen zu verstehen?

Weitere Informationen: Informationen zu den Aufführungsterminen und Karten gibt es im Internet unter www.theater-lindenhof.de.

 
 

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