Forschten zum Theateralltag, von links Charlotte Meyer zu Bexten, Projektleiterin Gesa Ingendahl, Ann-Sophie Knittel und Nora Plemper. Fotos: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Kulturwissenschaft: Zwölf Tübinger Studierende präsentieren in einer Wanderausstellung ihren Blick auf das Theater Lindenhof

"Es ist ein sehr, sehr schönes Jubiläumsgeschenk", sagt der Lindenhof-Mitbegründer, Schauspieler und Intendant Stefan Hallmayer über eine Ausstellung, die künftig die Auftritte des Melchinger Theaters begleiten wird.

Burladingen-Melchingen/Tübingen. Sowohl Beschenkter als auch Schenkende feiern ein Jubiläum. Das Theater wurde vor 40 Jahren auf der Oberen Alb aus der Taufe gehoben und das Ludwig-Uhland-Institut für Empirischen Kulturwissenschaften in Tübingen gibt es gar seit einem halben Jahrhundert.

Und von dort aus machten sich zwölf angehende junge Wissenschaftler und Studierende auf und fühlten unter Anleitung ihrer Projektleiterin Gesa Ingendahl drei Jahre lang dem Theater Lindenhof, seinen Zuschauern und der Kulturfinanzierung durch Kommunen und dem Land auf den Zahn.

Herausgekommen ist weit mehr als ein chronologischer Rückblick auf vier Jahrzehnte Regionaltheater Lindenhof. Was die Studierenden jetzt vorgelegt haben ist nicht nur ein mehr als 300 Seiten dicker, mit vielen Bildern bunt gestalteter Schmöker unter dem Titel "Was für ein Theater! Zwölf Einblicke in das Theater Lindenhof". Es ist auch eine Ausstellung, die in den kommenden Monaten und vielleicht auch Jahren mit dem Theater Lindenhof gewissermaßen auf die Tour durchs Ländle gehen soll. Überall dahin, wo das Theater seine Auftritte hat, wo Städte, Stadthallen und Bürgerinitiativen mit den Theatermachern kooperieren.

Beides, Ausstellung und Buch, gewähren nicht nur tiefe Einblicke in die Motivation und Situation der Theatermacher, untersuchen mit zahlreichen Interviews und einfühlsamen Beschreibungen den Alltag vor und hinter den Kulissen. Etwa wenn sie Bernhard Hurm erzählen lassen, wie es für ihn und seine Frau war, trotz Rollenverpflichtungen kleine Kinder zu haben. "Da hat sie hinter der Bühne kurz das Kind gestillt und dann ging es wieder raus vor den Vorhang", wird er an einer Stelle zitieret.

Die jungen Forscher spüren auch den kreativen Prozessen hinterher und zeichnen ein Stimmungsbild der Stammgäste und Zuschauer. Sie untersuchen zudem die Finanzierung und die Sonderrolle, die das Lindenhof Theater aus Melchingen als einziges deutsches Regionaltheater samt Stiftung spielt.

Hand anlegen und selber so richtig kreativ werden

Und die Alltags-Kulturforscher wurden beim Erstellen der Ausstellung mindestens so kreativ wie diese Menschen und das Theater, das sie erforschten. "Wir haben die Module und die Rahmen selber gezimmert, zusammenschraubt und angestrichen", sagt Projektleiterin Gesa Ingendahl bei einem Pressetermin über die letzten Aktionen vor der Ausstellungseröffnung. Zusammen mit den drei Studentinnen Ann-Sophie Knittel, Nora Plemper und Charlotte Meyer zu Bexten und der professionellen Ausstellungsgestalterin und Designerin Thuy-Van Nguyen-Khanh präsentierte sie den regionalen Pressevertretern das beeindruckende Werk von drei Jahren Forschung in Sachen Alltagskultur.

Erschwert wurde die Forschungsarbeit, daran ließen Studentinnen und Projektleiterin keinen Zweifel, durch die Pandemie, erleichtert durch die Sponsoren. Im Zollernalbkreis die Sparkassenstiftung und das Burladinger Unternehmen Barth-Logistik. Texte, Tonbeispiele, Fotos und Artefakte nach Themen und Farben geordnet werden künftig den Theaterbesuchern vor der Vorstellung oder in der Pause das Theater noch näher bringen.

Die offizielle Ausstellungseröffnung wird virtuell über die Bühne gehen. Digital wird am Donnerstag, 18. Februar, ab 19 Uhr, die Wanderausstellung des Lindenhofs eröffnet. Die Teilnahme ist via YouTube möglich unter https://youtu.be/KAuTS2KikwU. Sprechen werden Gesa Ingendahl, die Projektleiterin am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen, Simone Haug, die Projektkoordinatorin am Theater Lindenhof, Stefan Hallmayer, der Intendant des Theaters und die Studierenden selbst, die dem virtuellen Publikum Einblicke in ihre Forschung, die daraus entstandene Publikation und die Ausstellung geben werden. Im Anschluss an die virtuelle Vernissage besteht via Zoom die Möglichkeit, zu angeregtem Austausch und Diskussion. Zur Online-Vernissage sind alle Interessierten eingeladen. Die Teilnahme ist frei.

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