In diesem Jahr wird die Gedenkveranstaltung des Antikriegstages vom DGB Zollernalb am 1. September in Burladingen zelebriert. Es geht in der Hauptsache um die Erinnerung an die von den Nazis verschleppte und ermordete Burladinger Sinti-Familie Reinhardt.
Zur geplanten Veranstaltung sagt der DGB-Vorsitzende des Zollernalbkreises, Salvatore Bertolino: „Wenn wir die eigene Geschichte kennen, haben wir die Möglichkeit, das heute und morgen besser zu gestalten.“
Der DGB Zollernalb als Veranstalter, so Bertolino, freue sich, dass in Zusammenarbeit mit der Stadt Burladingen, mit Burladinger Bürgern und Institutionen ein würdevoller Rückblick und ein angemessenes Erinnern angeboten werden könne. Insbesondere die Einbeziehung der Jugend sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagt der Gewerkschafter.
Junge Leute und das Thema Antiziganismus
Für einen Workshop kamen 14 Azubis von Trigema und der Burladinger Stadtverwaltung einen ganzen Tag lang zusammen. Nach einer Vorstellungsrunde wurde darin erinnert, dass der 1. September das Datum des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges war. Es solle am Antikriegstag daran gedacht werden, dass 60 Millionen Menschen ermordet wurden. Derzeit gäbe es weltweit 23 Kriege und bewaffnete Konflikte.
Die Jugendlichen lernten, was es mit den bisherigen Gedenk-Veranstaltungen des DGB am Antikriegstag auf sich hatte, in welchen Städten und Gemeinden des Kreises sie jährlich abwechselnd stattfanden und welchen Themen sie sich widmeten. Dabei stellte so mancher der jungen Menschen fest, dass seine Geschichtskenntnisse der eigenen Heimat Zollernalb, lückenhaft sind.
Von Fliegerhorst bis Weiberschlacht
Der Fliegerhorst Bisingen, die Weiberschlacht in Geislingen, das Unternehmen „Wüste“ und die Schwelhalle Frommern, die alte Synagoge in Hechingen, die Widerstandskämpfer aus „Albstadt“, die weißen Fahnen von Meßstetten, nicht alle konnten mit all diesen historischen Begebenheiten vor der eigenen Haustüre etwas anfangen.
In diesem Jahr wird in Burladingen die Geschichte der Familie Reinhardt im Mittelpunkt stehen. Aus dieser leidvollen Geschichte einer Sinti-Familie will der DGB Signale setzen für ein Miteinander mit den unterschiedlichsten Minderheiten.
Aufgrund der Zusammenarbeit mit der Landesvertretung deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg und des Zentralrats hielt Franz-Elias Schneck, er ist Bildungsbotschafter gegen Antiziganismus, einen Vortrag zur Verfolgungsgeschichte der Sinti, Roma und zu Antiziganismus beim Workshop der Azubis.
Sinti leben seit mehreren Jahrhunderten in Württemberg, so auch die Sinti-Familie Schneck, welche wie die Burladinger Sinti-Familie Reinhardt, durch den Holocaust Angehörige verloren hat. Sie wurden ermordet. „Das Unwissen über Sinti und Roma ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ob in Betrieben oder Universitäten“, sagt Schneck. Antiziganismus sei in allen politischen Lagern omnipräsent vorhanden.
Brücken des Miteinanders schlagen
Durch den Vortrag erhoffte sich Schneck, dass über das Wissen, Vorurteile abgebaut werden und Brücken des Miteinanders geschlagen werden können. Die Einbeziehung von Azubis der Firma Trigema und der Stadt Burladingen findet er essenziell für eine Gesellschaft, die Rassismus kritisch gegenübersteht.
Mit diesem neuen Wissen wurden von den jungen Azubis für eine Interviewserie fragen formuliert. Im „Mikrokosmos“ der Firma Trigema haben sie die Interviews durchgeführt. Die Interviews wurden per Video oder Audio aufgenommen.
Danach wurden kurze Sequenzen erstellt. Nun steht Material für ein sechsminütiges Video zur Verfügung. Einer der jungen Leute wird die Segmente zusammenfügen, Texte einbauen, eine musikalische Untermalung einfügen und somit die Präsentation vollenden. Die zwei Teamer Franz-Elias Schneck und Salvatore Bertolino waren vom Feedback sehr erfreut.
Beim Antikriegstag, am 1. September in Burladingen, soll das Ergebnis des Workshops öffentlich präsentiert werden. Das Progymnasium und das Jugendbüro werden eigene Projekte zum Antikriegstag entwerfen und ebenfalls am 1. September vorstellen.