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Burladingen "Es ist eine Insel der Möglichkeiten"

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Vincent Knupfer ein starker Typ macht weiche Songs. Links an der Gitarre, bei der ersten öffentlichen Jam-Session im Garten des Wir-Projektes.Fotos: Hanagria/Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

"Ich schreib immer Sachen, die mich persönlich betreffen", sagt Vincent Knupfer. Der 29-jährige lebt in einer WG im Mehrgenerationenhaus des Gauselfinger Wir-Projektes und veröffentlicht unter dem Künstlernamen Gabriel Geppert bald seine eigenen Songs.

Burladingen-Gauselfingen. G abriel Geppert oder Vinc (sprich Winz) wie ihn seine Freunde im Wir-Projekt nennen, scheint voller Widersprüche zu stecken. Wer ihn zum ersten Mal sieht, diesen großen sportlichen Mann, mit durchtrainiertem Körper und breiten, tätowierten Oberarmen würde wohl kaum darauf kommen, was er so beruflich oder in seiner Freizeit macht. Vincent Knupfer ist Heilerziehungspfleger im nahe gelegenen Mariaberg, braucht da tagtäglich viel Einfühlungsvermögen, Empathie und Sensibilität für Menschen, die vor besonderen Problemen stehen und sich von ihm Hilfe erhoffen. Und dass er gefühlvolle, bluesige Balladen komponiert und singt, in denen immer ein bisschen Sehnsucht und Romantik mitschwingt, das erfährt man erst, wenn man ein bisschen mit dem jungen Künstler plaudert.

Musik, sagt der gebürtige Sigmaringer, der im Nachbarlandkreis aufgewachsen ist, hat er schon als Kind geliebt und im Elternhaus ganz früh damit angefangen. Mutter und Vater erstaunte er, weil er sich früh als Naturtalent erwies das ohne je Unterricht gehabt zu haben oder Noten zu kennen, Lieder auf der Gitarre einfach nachspielen konnte. Die Griffe brachte er sich selber bei. Seine Eltern förderten das. Als Dreikäsehoch kam er zum Musikverein seines Ortes, spielte dort Saxofon im Blasorchester. Und immer wieder fand er zusammen mit verschiedensten Bands. "Impression" hieß die erste, "Broken Secret" die zweite und schließlich tourte er mit "Matador" an den Wochenenden bundesweit zu Konzerten.

Mannheim-Intermezzo auf der Schauspielschule

" Das war mega-cool", sagt er im Rückblick. Eine Zeit lang besuchte Vinc alias Gabriel Geppert auch die Schauspielschule in Mannheim, wandelte auf den Spuren seiner Mutter, die viele Jahre erfolgreich ein Laientheater leitete. "Ich wollte halt immer was Künstlerisches machen", sagt er über seine nebenberufliche Laufbahn. Über einen Mariaberger Kollegen fand er schließlich zum Wir-Projekt und zog dort vor drei Jahren ein. "Es ist hier wie eine Insel der Möglichkeiten", schwärmt er nun über diesen Ort in der alten Gauselfinger Textilfabrik, dieses Mehrgenerationenhaus voller Musiker, Künstler, Handwerker und Kreativschaffender. Weil die ohnehin alle unter einem Dach wohnen und alles im Haus haben, vom Selbstversorger-Hochbeet, über Proberäume, bis zum Tonstudio, sind diese Künstler während der Pandemie nicht unbedingt ausgebremst.

Im Gegenteil: Vinc Gabriel Geppert nutzt die Zeit um seine Singer-Songwriter Karriere voranzutreiben. Und auch im Tonstudio, so wie seinerzeit als Kind, bleibt er Autodidakt, bringt sich das Meiste selber bei. Textstrophen und Melodien die er zu Liedern zusammenfügen kann, hat er zuhauf, sagt er. Manchmal schreibt er sich nur Fetzen einer Strophe auf, fügt Melodie und Text später zusammen. Rund 30 Lieder hat er im eigenen Repertoire, sechs davon hat er fertig eingespielt. Sie haben Titel wie "Küss mich", "Lass dich einfach gehen", oder "Lass einfach los", dass er zusammen mit seiner Freundin, der Tänzerin Lea Krebs einspielte und das etwas experimenteller und mit mehr Elektrosound daher kommt.

Rainer Waldschütz ist der Perkussionspezialist

All diese Lieder so aufzunehmen, dass man sie irgendwann gesammelt auf Youtube stellen kann, ist die Heidenarbeit, der sich der junge Musiker da gerade im Tonstudio stellt. Gemeinsam mit Schlagzeuger Rainer Waldschütz. Die zwei verbringen viele Stunden in der schalldichten Glaskabine mit den vielen Reglern. "Megakompliziert" sagt der Singer-Songwriter sei es, die verschiedenen Spuren da nacheinander zusammenzuschneiden, vor allem, wenn man, so wie er, fast alle Instrumente selber spielt und dazu singt. Alles, bis auf die Perkussionsinstrumente. Da vertraut er voll und ganz seinem Künstlerkollegen Waldschütz. "Weil der das einfach am besten kann", sagt Vinc.

Auf der "coolen Szene", die in Sachen Musik schon da ist, wollen sie zusammen mit anderen Musikern aufbauen, mit weiteren regelmäßigen Jam-Sessions. Initialzündung war eine öffentliche mit geladenen Zuhörern im Seerosengarten des Hauses im Frühjahr dieses Jahres. "Da sind wir mal wieder abends alle draußen am Lagerfeuer gesessen, haben Bier getrunken, musiziert und gesungen und hatten die Idee dazu", erzählt Vinc Gabriel Geppert wie es dazu kam. Offene Jam-Sessions, so wollen es die Musiker des Wir-Projektes, sollen bald zur festen monatlichen Einrichtung werden. Der junge Künstler hat keinen Zweifel, dass das noch mehr Impulse nach außen gibt, weitere Kreise zieht, rund um die Insel der Möglichkeiten.

In einer mehrteiligen losen Serie will der Schwarzwälder Bote der Entwicklung der musikalischen Szene im Wir-Projekt nachspüren und sie dem Leser aufzeigen. Seit der Gründung haben sich die Aktivisten in der ehemaligen Jercoma-Fabrik die Förderung regionaler Kultur, vor allem die junger Musiker und ihrer Bands auf die Fahnen geschrieben. Im vergangenen Jahrzehnt sind rund 100 000 Euro geflossen um diese Kreativität zu unterstützen. In der heutigen Folge stellen wir den Musiker, Singer- und Songwriter Vincent Knupfer, alias Gabriel Geppert vor.

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