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Burladingen Ein Brandbrief an den Ministerpräsidenten

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Briefwechsel zur Informationspolitik: Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer appelliert an seinen Ministerpräsidenten, während der sich auf das Treffen im Kanzleramt in der kommenden Woche vorbereitet.Fotos: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Während bekannt wurde, wie sehr sich die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin über den Lockdown Light auseinandersetzten, hat Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer an seinen Ministerpräsidenten geschrieben.

Burladingen-Melchingen/Stuttgart. Gewissermaßen in einem Brandbrief bittet er den baden-württembergischen Landesvater Winfried Kretsch­mann, bei all den Überlegungen zu Abstandsgeboten und Zusammenkünften auf jeden Fall die Theater mit ins Boot zu holen.

Sie seien "Experten im Organisieren von kontrollierten Begegnungen, mit entsprechenden räumlichen, materiellen und personellen Ressourcen", heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters Lindenhof, der der Brief im Wortlaut begefügt ist. Der Intendant und Schauspieler eröffnet das Schreiben mit einer Einsicht. Er könne sich gut vorstellen, dass sich hunderte Theaterleute an den Ministerpräsidenten wenden. Und obwohl die Situation für den Lindenhof mit der erneuten Schließung nicht einfach ist, wende er sich nun nicht an die Spitze der Landesregierung, um "Ärger und Frust" zum Ausdruck zu bringen, sondern um die Politik zu unterstützen.

Er agiere in der vollen Überzeugung, dass auch sein Theater "irgendwie durch diese Krise komme", vertraue dem Ministerium und der Staatssekretärin. Aber: "Weitaus größer als die Sorge um unsere Bühne ist jedoch meine Sorge um unser Land und um unsere Demokratie. Kunst befördert kritische Diskurse, die für eine Demokratie unabdingbar sind", sagt Hallmayer und betont: "Gerade in Krisen ist es wichtig, dass der Diskurs nicht nur zu Hause und mittels Input durch Google, Facebook und Co. beeinflusst wird oder gar von Populisten auf der Straße."

Der Zuschauer ist Mitte 50, absolut diszipliniert und hinterlegt Kontakte

Hallmayer weist in Richtung USA, wo seiner Meinung nach die Situation "dramatisch" sei und demokratische Institutionen und Gerichte unter ernormem Druck stünden. "So fragil ist Demokratie", sagt Hallmayer, verweist auch auf Thüringen und attestiert, dass mancherorts "politische Akteure durchaus dazu in der Lage sind, um der Macht Willen demokratische Prinzipien zu unterlaufen". Schon deshalb brauche es eine Gesellschaft, die von demokratischer Kultur durchdrungen sei, führt der Lindenhöfler da aus und zieht seine Schlüsse.

"Die Diskussionen um das richtige Handeln in der Pandemie werden zunehmen. Theater unterstützen den konstruktiven Diskurs und den kultivierten Streit. ... Kultureinrichtungen sind Bildungseinrichtungen! Bildung für Menschen allen Alters! Es ist für unser Land und unsere Demokratie in der Krise wichtig, dass die Bildungseinrichtungen weiter machen, den Diskurs mit den Menschen weiterführen", appelliert Hallmayer.

"Versammelte Intellektualität und den gesellschaftlichen Gestaltungswillen der Kulturschaffenden aus der Diskussion nehmen", so der Intendant sei "ein großer Fehler und eine Gefahr für unserer Demokratie". Und Hallmayer verweist auf die Kompetenzen der Kulturschaffenden auf und hinter der Bühne. "Kreative Lösungen für mehr Sicherheit zu entwickeln, das haben wir gelernt, das können wir und dafür haben wir auch das Personal.

Auch die Umsetzung der pandemiebedingten Auflagen war für die Theater kein Problem", versichert er und verweist auf den Kulturherbst in Mössingen und die Aufführungen später in der Scheune in Melchingen mit nur einem Drittel besetzter Plätze. "Das Publikum, die Gäste, fühlten sich auf Grund der jeweils sorgfältig ausgetüftelten Hygienekonzepte und einer minutiös organisierten Umsetzung sicher", betont Hallmayer. Zudem seien die Zuschauer "im Schnitt Mitte 50, absolut diszipliniert und hinterlegen beim Ticketkauf ihre Kontaktdaten": "Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben, der Spuk ist bis Ostern noch nicht vorbei. Wir verspielen eine große Chance, wenn wir den Kultureinrichtungen verbieten, ein Leben mit der Pandemie mitzugestalten. Ich plädiere dafür, unkontrollierte Zusammenkünfte durch kontrollierte Zusammenkünfte zum Beispiel in Kultureinrichtungen zu ersetzen."

Das Theater Lindenhof habe die gesamte Spielzeit auf die Pandemie ausgerichtet, heißt es von Seiten der Pressestelle des Theaters. Theaterformate und Spielweisen wurden demnach auf Abstandsregeln angepasst, die Publikumsanzahl auf ein Drittel reduziert, um die Abstandsregeln einhalten zu können, Kooperationen mit dem Hörfunk wurden ins Leben gerufen, digitale Ausrüstung wurde angeschafft, um ein Teil des Wirkens ins Internet verlagern zu können. Ab März werde für Aufführungen im Freien geprobt. Das Theater sei sich sicher, dass viele Kultureinrichtungen jetzt gute Wege gefunden hätten, wie man trotz Pandemie die Häuser offen lassen und im Spiel bleiben kann.

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