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Burladingen Die perfekte Trigema-Show mit Helene Fischer

Von
Foto: Frank Engelhardt

Burladingen - Zum Firmenjubiläum hat Wolfgang Grupp in Burladingen (Zollernalbkreis) die perfekte Trigema-Show inszeniert. Eineinhalbtausend Gäste sind gekommen. Der "König von Burladingen" hat gerufen – und sie alle sind da. Nicht nur die Trigema-Mitarbeiter, auch Prominenz aus Politik und Gesellschaft hat sich gerne bitten lassen.

Und wenn Grupp zum 100. Geburtstag seines Unternehmens auf die Schwäbische Alb einlädt, muss es krachen, richtig krachen. An diesem Abend mit Schlager-Megastar Helene Fischer. "Heute ist euer Trigema-Tag", ruft sie – und das Publikum jubelt los. Mit "Let me entertain you" eröffnet sie ihre Show, Feuer sprüht aus Düsen. Viele Besucher hält nichts mehr auf ihren Plätzen, sie recken die Arme mit Smartphone in die Höhe, um diesen Moment festzuhalten. Elisabeth Grupp tanzt mit ihren Mitarbeitern. Ihr Mann mischt sich unters Partyvolk. Die meisten kennen ihre Klassiker, zum Abschluss "Atemlos durch die Nacht". Fischer: "Jetzt dürft ihr durchdrehen!"

Der Firmenchef selbst dreht an diesem Tag nicht durch. Er präsentiert sich vielmehr als ein Unternehmer, der mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität steht. Als ein Macher, der Trigema von Schulden befreit und das Unternehmen von der Schwäbischen Alb bekannt gemacht hat, ja, zu dem gemacht hat, was es heute ist. Grupp zeigt sich aber auch angriffslustig, mit klaren Worten bürstet er das, was manchen als Mainstream gilt, gegen den Strich. Er ist der erste Redner an diesem späten Samstagnachmittag, die Augen des Publikums heften sich gespannt an seine Lippen – die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss.

Grupp kritisiert Wachstum mit immer höheren Umsätzen und Stückzahlen

Alle redeten ja immer von "Wachstum", hebt er an. "Ich sehe das anders", stellt er klar. Wachstum bedeutet in der Grupp’schen Auslegung nicht Wachstum von Umsatz oder von Stückzahlen. Nein, Wachstum bedeute für ihn, innovative Produkte zu entwickeln, die sich mit ihrer Qualität auszeichnen. Offenbar eines seiner Erfolgsrezepte: Seit 1975 habe Trigema keine Kredite mehr aufgenommen und keine betriebsbedingte Kündigung ausgestellt, sagt Grupp, blickt ins Publikum. Applaus brandet auf. Überhaupt: Es gehe doch darum, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Man dürfe in schwierigen Zeiten die Verantwortung nicht dem Staat überlassen und in guten Zeiten nur nehmen.

Und danach ist ein Schmunzeln in den Reihen der Gäste zu erkennen. Denn Grupp lobt die Zusammenarbeit mit dem Finanzamt in Balingen (Zollernalbkreis). Und die Steuern zeigten ja nur, dass Trigema ein erfolgreiches Jahr hinter sich gehabt habe – Grupp meint das keineswegs ironisch. Genauso wenig wie die Zahlung an seine Mitarbeiter aus Anlass des Jubiläums. Alle Mitarbeiter erhalten mit der nächsten Lohnabrechnung bis zu 1000 Euro zusätzlich. Lautes Händeklatschen. Ein Heimspiel für Grupp.

Oettinger fordert mehr Wachstum

Die meisten weiteren Redner singen in ihrer Laudatio eine Lobeshymne auf den Macher von der Alb. EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) intoniert seine eigene Melodie. Ohne eine Miene zu bewegen, sagt Oettinger an Grupp adressiert vom Rednerpult auf der Bühne herab: "Ich habe Sorge, dass er manchmal Gregor Gysi links zu überholen versucht", spitzt er zu. Zum Thema Wachstum meint Oettinger, man müsse alles tun, um Stagnation und Rezession zu vermeiden. Er braucht nur einen Atemzug, um in den Saal zu werfen: Arbeitnehmer müssten "etwas mehr Wochen und etwas mehr Jahre im Leben arbeiten". Nur so bleibe die Wirtschaft wettbewerbsfähig. Ein leises Raunen durchzieht manch eine Tischreihe in diesem Moment. Bei Trigema redet man lieber über die Fürsorge für die Mitarbeiter.

Freude verbreitet darauf Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne). "Danke" wolle er sagen. Dass Grupp aller Welt zeigt, dass Baden-Württemberg der genau richtige Standort für die Herstellung hochwertiger Produkte sei. Obwohl der Südwesten bekannt für seine Hidden Champions sei, sei Trigema durchaus kein heimlicher Gewinner. Das liege auch an der Unternehmerpersönlichkeit Wolfgang Grupp. Dieser sei ein Firmenchef wie aus Ludwig Erhards Zeiten, ein Lenker vom alten Schlag.

Sicher, er wäre zu Erhards Zeiten ebenso erfolgreich gewesen. Aber: Den Affen hätte er damals nicht vor der Tagesschau bringen können, weil es an diesem Sendeplatz keine Werbung gegeben habe. Zudem sei es damals eben nicht affig gewesen, in Deutschland zu produzieren. Der Ministerpräsident beschreibt Grupp als einen Mann, der sich weigere, Tugenden abzulegen. Er habe ein "Herz für die Heimat", die er mit der "Wolfgang und Elisabeth Grupp Stiftung" unterstützt.

Grupp trage den Unternehmergeist in die Gesellschaft und nur, wenn Menschen "sich um eine Idee versammeln", können sie etwas verändern und bewegen. Kretsch­mann: "Wir wollen uns alle von Ihnen anstecken lassen."

Grupp erhält Bundesverdienstkreuz erster Klasse

Für seine Verdienste erhält Grupp das Bundesverdienstkreuz erster Klasse vom Bundespräsidenten. Kretschmann steckt es ihm an und händigt die Urkunde aus. Der Ministerpräsident stellt heraus, dass Grupps Engagement nicht nur Trigema, sondern dem Land, der Region und der Stadt Burladingen zugutekomme. Der Ministerpräsident danke ihm, dass er sich "nicht nur als Unternehmer" für seine Firma und seine Mitarbeiter engagiert, "sondern sich darüber hinaus auch im sozialen und kulturellen Bereich verdient gemacht hat". Hut ab!

So hat es auch Helene Fischer ausgedrückt: "Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen."

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