Die Veranstalterin des Melchinger Kunsthandwerkermarktes, Eva Nibbe, auf der Treppe zu ihrem Heim in Melchingen. Ihr Haus wird während des Töpfermarktes immer zum Mittelpunkt der Aussteller- und Kunsthandwerkerszene. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder-Bote

Eva Nibbe bringt Kunden und Kunsthandwerker zusammen / Von der Buchhaltung zum Eventmanagement

Von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen-Melchingen. "Die Idee zum Melchinger Töpfermarkt kam meiner Schwester Susanne und mir nach einer Flasche Wein", erzählt Eva Nibbe, 62. Inzwischen ist sie Chefin einer Eventagentur und organisiert in Süddeutschland sechs der größten Kunsthandwerkermärkte.

Auch der 34. Töpfermarkt in Nibbes Heimatdorf Melchingen wird wohl wieder eine Massenveranstaltung. Zwischen 10 000 und 15 000 Besucher zieht der Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt jedes Jahr im September in den 950-Einwohner-Ort. Für Eva Nibbe ist es jeweils der Abschluss der Saison, die im März mit dem Markt in Neureut bei Karlsruhe beginnt, danach stehen die Märkte in Dietzingen, Frickenhausen, Marbach und in Schwangau an.

Und es bedarf wohl nicht nur einer Quereinsteigerin, sondern auch einer Querdenkerin, um so etwas zu erfinden und zum Erfolg zu führen. "Ich bin Psychologin, Mutter der Kompanie und Krisenmanagerin", beschreibt die unkonventionelle Eva Nibbe ihre Aufgabe als Organisatorin und ihr persönliches Verhältnis zu ihren Ausstellern und Künstlern, von denen sie die meisten schon seit Jahrzehnten kennt. Da gibt es persönliche Kontakte und viele Freundschaften.

Darauf, dass alle ihre Aussteller Profis sind, mit dem was sie machen auch ihren Lebensunterhalt verdienen, hat Eva Nibbe immer Wert gelegt. Auch darauf, Töpfer und Kunsthandwerkermärkte nicht mit Stadtfesten oder Events zu vermengen, bei denen Feiern, Essen und Trinken im Vordergrund stehen. Das, so betont sie, sei ein völlig anderes Publikum. Vielleicht macht das das Geheimnis des Erfolges ihrer Kunsthandwerkermärkte aus und die besondere Atmosphäre, die man dem Melchinger Töpfermarkt nachsagt.

Es waren die Pferde, die Eva Nibbes und ihre Schwester Susanne einst auf die Alb führten. Dort hatten sie ihre Vierbeiner stehen und gingen ihrem Hobby nach. Susanne war Töpferin, Eva Buchhalterin bei der Arbeiterwohlfahrt in Stuttgart. Irgendwann kamen sie darauf, ihre eigene Firma zu gründen, die eine, Susanne, sollte ihrer Kunst und dem Töpferhandwerk nachgehen, die andere, Eva, sich um die kaufmännische Seite und die Vermarktung kümmern.

1978 zog Eva Nibbe auf die Alb, bereiste aber zahlreiche Märkte und Veranstaltungen und kam, wie sie sagt, in ganz Deutschland herum. Zu später Stunde während einer zweitägigen Messe in Ulm Anfang der Achtziger Jahre kam den beiden Schwestern die Idee, vielleicht mal einen solchen Markt im Heimatort Melchingen zu veranstalten. Noch am anderen Morgen machte sich Eva Nibbe daran, Töpfer, Kunsthandwerker und Künstler zu fragen und die sagten zu, vorausgesetzt "es gibt genug zu essen und zu trinken".

Damals, so erzählt Nibbe, gab es schon die Lindenhof-Kneipe, Künstler und alternative Szene inklusive. Sie war sich sicher, die Kunsthandwerker würden das Dorf und die Atmosphäre dort mögen. Auch der damalige Ortsvorsteher Thomas Faigle war begeistert, der Ortschaftsrat gab grünes Licht und 1982 gab es den ersten Melchinger Töpfermarkt. Am zweiten Wochenende im September, so ist es bis heute geblieben. Damals noch mit 40 Ausstellern. Inzwischen sind es längst über hundert.

Draufzahlen muss Eva Nibbe nicht mehr

Bei den ersten beiden Märkten zahlte die Veranstalterin noch drauf. Auch das hat sich geändert. "Ich bin eine der wenigen Veranstalterinnen, die sich die Aussteller aussuchen können, andere müssen suchen", berichtet die Melchingerin. Größer als in Melchingen ist nur der Markt in Marbach, den sie veranstaltet. Das will viele Monate im Voraus wohl geplant und gut durchorganisiert sein. Eva Nibbe weiß, wen sie nebeneinander stellt, wo sie welche Stände anordnet, mit wem sie sich absprechen muss, an was es im Vorfeld zu denken gilt. "Heute nennt man das ja Eventmanagement und es gibt einen Studium dazu", sagt die unternehmungslustige 62-Jährige schmunzelnd.

Die Hochs und Tiefs der Branche hat sie in dreißig Jahren erlebt, den Wandel durch wirtschaftlich schlechte Zeiten, den Nachwuchsmangel in der Töpferbranche und das Internet, das vielen Ausstellern und Verkäufern als Konkurrenz stark zusetzt. Ob sie nach 30 Jahren und mit über 60 jetzt manchmal an die Rente denkt? "Vielleicht mit 90", meint sie lachend.

Weitere Informationen: Der Melchinger Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt findet am Samstag und Sonntag, 12. und 13. September statt, jeweils von 11 bis 18 Uhr.