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Burladingen "Deutschsein" –­ eine pure Illusion?

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Poliakoffs Eventkapelle spielt zum Heimatabend auf. Zweiter von links: Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer Foto: Bender Foto: Schwarzwälder Bote

Zu einem ganz besonderen "Heimatabend" mit Landesminister Manne Lucha und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor lud man in den Lindenhof.

Burladingen-Melchingen. Wie muss man sich einen Heimatabend vorstellen? Mit Heimatliedern und Geschichten aus der Heimat? So war es am Freitagabend im Theater Lindenhof in Melchingen denn auch. Nur, dass man nicht mit der rosaroten Brille von alten Zeiten schwärmte. Nein, man setzte sich kritisch mit dem Heimatbegriff und Klischees auseinander.

Was macht den Deutschen aus? Was unterscheidet ihn von anderen Völkern? Bier, Sauerkraut und Volksmusik? "Ja, das gehört definitiv dazu, steht aber nicht exklusiv für das Deutschland des 20. Jahrhunderts", stellte Lamya Kaddor fest. Umgekehrt warf sie die Frage auf, was mit Risottoliebhabern und Jazzfans sei?

Dieser Abend machte nachdenklich, war aber zugleich auch höchst amüsant. Die Islamwissenschaftlerin las aus ihrem Buch "Die Zerreißprobe" und nannte als in Deutschland geborene Tochter syrischer Einwanderer zwei typisch deutsche Eigenschaften: Pünktlichkeit und Fleiß. "Auch in Syrien wird es durchaus erwartet, dass man pünktlich zur Arbeit kommt", lautete der Kommentar, dass dieses Wesensmerkmal auch bei anderen Nationalitäten zu finden sei. "Da kommen nicht Barbaren, denen man das Essen mit Messer und Gabel beibringen muss." Solcherlei Aussagen rüttelten auf.

Heimat ist eine Wertebasis

Und schon griff Lamya Kaddor das nächste Thema auf: "Wird Herkunft vererbt?" Ist man also Deutscher, weil es die Eltern und Vorfahren sind oder waren? In Zeiten der Globalisierung ist die Vorstellung vom "Deutschsein" eine pure Illusion, die sich hält, weil niemand darüber spricht – so die These der Publizistin aus Duisburg. Heimat, ein Begriff, der sich schlecht in andere Sprachen übersetzen lässt, beschreibe eher etwas Emotionales denn etwas Geografisches. "Heimat ist Demokratie, Toleranz, Erinnerungsvermögen, eine Wertebasis. Heimat ist, wo man mich als Mensch sieht, wo ich nachts sicher schlafen kann", fasste Kaddor zusammen.

Wie absurd und bizarr man mit dem Begriff "Heimat" umgehen kann, machte Manne Lucha deutlich. Der baden-württembergische Minister für Soziales und Integration las in bayerischem Dialekt aus dem Heimatroman "Aus dem Leben Hödlmosers" von Reinhard P. Gruber. Darin wurde unter anderem eine völlig unsinnige pseudowissenschaftliche Charakterisierung der Bewohner der Steiermark vorgenommen. Der Flusssteirer sei eine Unterart des Feldsteirers, dem gängigsten Typus, und davon zu unterscheiden seien der Bachsteirer und der Weinsteirer, was zur Weinsteuer und zur Steinsteuer führe. Manne Lucha hatte die Lacher auf seiner Seite.

Ebenso wie "Poliakoffs Eventkapelle", die zum "Abschlussball vom Tupperabend der Volkshochschule" aufspielte und höchst amüsant einen Dorftratsch nachstellten. Ganz schnell wurde deutlich, wer mit wem verkracht ist, also eigentlich jeder mit jedem. Die jeweiligen Auslöser der Anfeindungen gehen teils auf den 30-jährigen Krieg oder die Kreuzzüge zurück – im Grunde weiß heute niemand mehr, weshalb man dem Nachbarn aus dem Weg geht. "Wir müssen aufeinander achten und respektvollen Umgang pflegen!", forderte Minister Lucha zum Schluss.

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