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Burladingen "Der Zivilgesellschaft eine Stimme geben"

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Offen sein, informieren, sachlich und vorurteilsfrei bleiben: Das Bündnis für Offenheit und Menschlichkeit Burladingen will die positiven Kräfte in der Fehlastadt bündeln. Von links einige der Mitglieder beim Pressegespräch: Rainer Brandner, Tipsy Peucker, Leila Brandner, Christoph Dinkelacker, Claudia Kanz und Adelheid Bumiller. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Auf den Infoblättern ist das Wappen der Stadt Burladingen zu sehen – die zwei gekreuzten Schlüssel – modernisiert und bunt unterlegt. Ein Symbol: Denn das "Bündnis für Offenheit und Menschlichkeit" will künftig eine Schlüsselrolle im kommunalen Leben der Fehlastadt übernehmen.

Burladingen. Geplant ist als erstes eine Lesung zum Thema Lampedusa und auch die Öffnung des Jugendhauses am Samstag für die jungen Menschen in der Fehlastadt. Die Internetpräsenz des Bündnisses ist fertig, und es gibt Flyer und Infomaterial, Beitritts- und Unterstützungserklärungen, die in den kommenden Tagen verteilt werden sollen.

"Wir wollen der Zivilgesellschaft eine Stimme geben", sagt die Pastoralreferentin Adelheid Bumiller, die da mit einigen anderen beim Pressegespräch im evangelischen Gemeindehaus am Tisch sitzt und unter dem Motto "Burladingen ist bunt – Bündnis für Offenheit und Menschlichkeit" eine Initiative ehrenamtlicher Bürger vorstellt.

Zu ihnen gehören unter anderem das Ehepaar Rainer und Leila Brandner, die Unternehmerin und Therapeutin Tipsy Peucker, die Diplom-Ingenieurin und Abteilungsleiterin Claudia Kanz und Pfarrer Christoph Dinkelacker. Seit einigen Monaten treffen sie sich mit Vertretern aus den Bereichen Kultur und Schulsozialarbeit, Mitarbeitern des Hauses Nazareth, mit dem Theater Lindenhof, dem Albbündis und dem Demokratiezentrum. Sie haben den Tübinger Sozialforscher Josef Held ins Boot geholt, Vertreter von Schulen und Vereinen befragt und sich beraten lassen. Sie wollten die Bedürfnisse in ihrer Stadt ausloten, um als Ehrenamtliche Aktionen und Veranstaltungen vorbereiten und andere bei ihrer Arbeit gezielt unterstützen zu können.

Da ging es auch darum, wie die Initiative sich selbst definiert, eben darum, welche Schlüsselrolle sie übernehmen will. "Eigentlich", so sagt der Pädagoge Rainer Brandner, "haben wir mit dem Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen, noch warten wollen". Der AfD-Beitritt des Bürgermeisters Harry Ebert und die Diskussionen, die es hervorrief, haben die Gruppe aber dann dazu veranlasst, sich "jetzt zu outen", wie Brandner sagt. Das Bündnis will dem Negativ-Image etwas entgegensetzen.

Den Rechtsruck abbremsen

Mit einem klaren "Ja" beantwortet Pfarrer Christoph Dinkelacker die Frage, ob sie Repressalien befürchten, so wie andere, die vor Monaten schon Kritik übten am Stadtoberhaupt und an fremdenfeindlicher Gesinnung. Seine Frau Karin war eine der ersten gewesen, die sich mit dem Gemeinderat der Stadt solidarisch erklärte, als der Bürgermeister sie als "Landeier" beschimpfte. Sie hatte einen Zettel an die Fensterscheibe des Pfarrbüros geklebt auf dem steht: "Der Bürgermeister dieser Kommune spricht nicht in meinem Namen". Darunter ihre Unterschrift und zum Abschluss "Landei a. D.". Die Medien berichteten. Im Hause Dinkelacker gab es Rückmeldungen, nicht nur positive. Man hat also Erfahrung mit dem Versuch, Zivilcourage zu zeigen. "Deshalb wollten wir warten, bis wir eine genügend große Gruppe zusammen haben, die gemeinsam an die Öffentlichkeit tritt und das besser schultern kann", sagt Dinkelacker.

"Wir wollen aufklären und informieren, denn Unwissenheit führt zu Angst und die dann oft zu Konflikten und Vorurteilen", kommentiert Claudia Kanz und begründet, warum die Lesung zu Lampedusa, jener Insel im Mittelmeer, die zum Symbol für das Leid von ertrinkenden Flüchtlingen wurde, eine der ersten Aktionen sein soll.

Tipsy Peucker arbeitet auch beruflich vor allem mit Jugendlichen. "Es geht darum, den Rechtsruck abzubremsen", sagt die zweifache Mutter. Sie erwähnt die Studie, die der Tübinger Sozialforscher Held an den Berufsschulen des Zollernalbkreises gemacht hat. Eine Forschungsarbeit, die das Abdriften Jugendlicher, weg von integrativem, toleranten Gedankengut hin zu Rassismus und Rechtspopulismus belegt, aber auch die Bedürfnisse und Wünsche junger Menschen artikuliert. Peucker will verhindern, dass sich Jugendliche außerhalb der Stadt bei den sogenannten Bauwagen-Partys treffen, Alkohol trinken und Rechtsrock, wie etwa die Musik von Störkraft hören.

Die Lernbegleiterin Leila Brandner ist ebenfalls Mutter einer achtjährigen Tochter. "Wir müssen auch an unsere Kinder denken und an das Beispiel, dass wir ihnen mit unserem Engagement und unserer Haltung geben", betont sie. Auch deshalb sei es wichtig, sich gemeinsam für ein menschenfreundliches Burladingen stark zu machen, den friedlichen und respektvollen Umgang miteinander einfach vorzuleben.

"Deswegen wollen wir ab dem 7. April und bis zum 19. Mai das JUZ Burladingen auch am Samstagabend öffnen. Wir machen die bessere Party", ist die Unternehmerin überzeugt und kann sich später auch Aktionen wie einen DJ-Kontest, einen Mädels-Abend oder kleinere Turniere vorstellen.

Das Bündnis will offen sein, ein lebendiges Burladingen gestalten und viele Menschen in Burladingen zum Mitmachen animieren, stellt Rainer Brandner klar. Deswegen ist die Beitrittserklärung kostenlos, und die Bündnis-Macher erhoffen sich von ihren Mitstreitern nur die Bereitschaft, das eine oder andere Mal ehrenamtlich tätig zu werden. Wer das Bündnis gut findet und die Grundidee teilt, kann einfach auch nur eine Unterstützungserklärung unterschreiben oder einen Newsletter abonnieren. Kontakt ist Rainer Brandner, E-Mail: info@ burladingen-ist-bunt.de.

 
 

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