Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Burladingen Der Wald ist mehr als Gewinn und Verlust

Von
Kein Durchkommen gibt es in so manchem Privatwald, bedauerte Forstdirektor Hermann Schmidt in seinem Jahresbericht. Zu wenig sei in den vergangenen 50 Jahren herausgeschlagen, zu wenig auf die Infrastruktur geachtet worden. Urteil der Experten: labil.Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Burladingen gehört zu den Top-Five in Baden-Württemberg, wenn es um Waldbesitz ausgedrückt in Hektar geht. Nur wenige Städte oder Privatwaldbesitzer haben mehr.

Burladingen. Und alle Jahre wieder ziehen die Stadträte Burladingens zusammen mit Forstdirektor Hermann Schmidt und den jeweiligen Revierleitern Bilanz über ihre 4 520 Hektar Stadtwald.

Da werden Zahlen vorgelegt über eingeschlagene Festmeter, Gewinn durch Holzverkauf, Personalkosten und Zahl der Auszubildenden. Lange Zeit spülte der Wald jährlich satte Summen in die Burladinger Stadtkasse, teilweise mehr als eine halbe Million Euro. Jetzt hat sich das Blatt, vor allem bei den Nadelbäumen, gewendet.

Aber Wald, das betont Schmidt immer wieder, sei eben weit mehr als die in Euro ausgedrückten Gewinne oder Verluste.

Unter anderem diene er, vor allem, wenn die Höhenlagen so sind wie in großen Teilen der Fehlastadt mit Ortsteilen hoch droben und Flüsschen in den Tälern, als Wasserspeicher und Zufluss. Er regele das Mikroklima und – diese Sichtweise sei neu – binde viele, viele Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2.

Das wird mittlerweile, darauf drängt die Vereinigung der Waldbesitzer beim Bund, sogar in Euro und Cent berechnet. Und käme das, worauf da in Form eines Zuschusses gedrängt wird zum Tragen, "dann wären wir für 2020 schon im Plus", konnte Schmidt da kurzfristig auftrumpfen. So weit ist es aber noch nicht.

Derzeit sei der Borkenkäfer nicht allzu aktiv, auch weil Bäume, die Sturm Sabine völlig geknickt hinterließ, in den Revieren fein säuberlich aufgeräumt wurden. Aber das Aufräumen von Schneebruch und Sturmholz ist immer teuer.

178 Millionen Festmeter Schadholz bundesweit

Und anderswo fiel ebenfalls aufgrund der Trockenheit reichlich Borkenkäfer- und Sturmholz an. Insgesamt, so führte es der "Weather Channel" laut Schmidt aus, seien 2020 bundesweit 178 Millionen Festmeter Schadholz auf den Markt gekommen.

Da war in Burladingen mit den Einnahmen aus 5612 Festmetern Sturmholz und 566 Festmetern Schneebruch kein Staat, auch keine Stadt zu machen. In Zahlen: Statt der für 2019 geplanten 184 000 Euro Gewinn sind es nur noch 25 000 Euro. Aber immerhin noch ein Plus.

Im laufenden Jahr rutscht der Wald ins tiefe Minus. Es könnte sogar, malte der Forstdirektor das düstere Menetekel an die Wand, eine halbe Million erreichen. Für 2021 kalkuliert er mit einem Minus von 360 000 Euro.

"Können und wollen wir uns unseren Wald noch leisten?", formulierte überspitzt Karl-Moritz Kraus, Freier Wähler und als Privatwaldbesitzer Kenner der Materie, zu Beginn seines Redebeitrags bewusst überspitzt, um die Frage dann doch mit einem Ja zu beantworten. Auch CDU-Fraktionssprecher Michael Eisele sah das so. Er kam aber noch auf ein anderes Thema zu sprechen: den Wildverbiss.

Schließlich habe man in den Jagdpächterverträgen eine Klausel eingearbeitet, dass, solle in einem Revier zu viel Wild und damit zu viel Verbiss festgestellt werden, die Stadt ein Kündigungsrecht habe. Im April, so Kraus, liefen die derzeit geltenden Verträge aus. Eisele plädierte für eine Überprüfung der Lage in den einzelnen Revieren.

Die Kiefernwälder der 1970er sind sehr labil

Viel tue sich auch, was die Zusammenarbeit und die Hilfe mit den Privatwaldbesitzern angehe, führte Schmidt aus. So gab es einen Waldbewertungskurs der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg im Projektgebiet, und es entstand eine Bachelorarbeit zum Thema "Vereinfachte Waldbewertung". In Vorbereitung sei eine Standortkartierung der Privatwaldfläche durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg.

Aber Schmidt mahnte auch hier: Anhand der bisher gesammelten Daten müsse gesagt werden, dass die in den Jahren 1950 bis 1970 gepflanzten Fichtenwälder extrem labil seien. Zu wenig sei herausgeschlagen worden, zu wenig Licht nach unten gedrungen und deshalb zu wenig natürlicher Mischwald nachgewachsen. Und das zu ändern, werde schwierig: "Man kommt da kaum hin."

Sein Bedauern drückte er über den Flächennutzungsplan Windkraft aus. Der enge die Standortwahl so ein, dass vorhandene Freiflächen, vor allem im Bereich der Küche, nicht genutzt würden und statt dessen Wald abgeholzt werden müsse, um die Standorte zu planen.

Artikel bewerten
2
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.