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Burladingen Der Baum, der an dunkle Zeiten erinnert

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Die 600 Jahre alte Hexeneiche in Ringingen: Ein Naturdenkmal, das auch an dunkle Kapitel der Geschichte erinnert. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

"Hexeneiche" nennen die Einheimischen jenen alten knorrigen Baum, der seit Urzeiten auf dem Seeheimer Berg bei Ringingen steht und dessen Name an eine dunkle Zeit in der Geschichte des Südwestens erinnert.

Burladingen-Ringingen. Könnte sie sprechen, dann würde diese uralte verästelte Eiche wohl so manche Geschichte erzählen. Sie steht direkt auf dem Beta-Kalk des Weißen Jura. Ein Fachmann in Sachen Forst hat das Alter der Eiche auf 600 bis 700 Jahre geschätzt und sie auch vermessen. An der engsten Stelle, in 80 Zentimeter Höhe, hat sie bereits den beachtlichen Stammumfang von 4,10 Meter. Sie ist etwa 15 Meter hoch. Nur noch -– denn im Jahre 1960 wurde sie von einem Blitz schwer getroffen. Der Baum überlebte zwar, aber wuchs nicht mehr so kräftig in die Höhe.

Um ihn weithin sichtbar zu machen, haben in den beiden Jahren 2010 und 2011 Mitarbeiter der Forstverwaltung, die Stadt Burladingen und einige freiwillige Helfer rund um den Baum Bauschwerk und kleine Sträucher entfernt und auch Bauschutt und Müll beseitigt, der dort einfach achtlos hingeworfen worden war. So ist der Blick auf das ausdrucksvolle Naturdenkmal wieder frei geworden, die "Hexeneiche" wieder weit hin zu sehen.

Die Angeklagte hat zugegeben, auf einem weißen Stecken durch die Nacht geflogen zu sein

Ihr Name erinnert an ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Südwestens. Auch in Ringingen und den Nachbargemeinden glaubten die Menschen jahrhundertelang, dass sich nächstens Hexen auf dem Seeheimer Berg und dem Heufeld treffen. Entsprechende Geständnisse wurden von den angeklagten Frauen unter schwerster Folter herausgepresst.

So wurde die Barbara Tollmaierin aus Onstmettingen im Jahr 1603 der Hexerei angeklagt. Der Prozess fand in Freudenstadt statt. 1648 traf es die Anna Künzlerin aus dem benachbarten Jungingen. Unter den Qualen der Folter haben beide Frauen gestanden, dass sie sich auf dem Heufeld zum Hexentanz mit dem Teufel getroffen hätten. Die eine hat zugegeben, auf einem weißen Stecken durch die Nacht geflogen zu sein, die andere gestand unter der Folter eine Ofengabel für ihre Flüge benutzt zu haben. Und weil der Baum zwar ausdrucksstark ist, aber eben doch nicht sprechen kann, ist all das ist auf einer Tafel die am Baumstamm der Rinde angebracht ist vermerkt.

Zwischen 1497 und 1750 gab es in Württemberg gegen angebliche Hexen 350 Untersuchungen

Die Hexenprozesse dauerten bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Straßbergerin Katharina Geiger wurde in einem der letzten Hexenprozesse in Deutschland zum Tode verurteilt und am 23. August 1743 hingerichtet. Die Historikerin Anita Raith hat bei ihren Forschungen herausgefunden, dass im Herzogtum Württemberg zwischen 1497 und 1750 etwa 350 Untersuchungen und Gerichtsverfahren gegen angebliche Hexen zu belegen sind. Von Ermittlungen, Verhaftungen und Anklagen waren über 450 Personen betroffen. 116 Hinrichtungen hat es als Folge der Prozesse gegeben.

Eines der prominentesten Opfer derlei Aberglaubens und Verfolgung war wohl Katharina Kepler, Mutter des kaiserlichen Astronomen Johannes Kepler. Sie wurde 1615 angeklagt, es wurde der bekannteste württembergische Hexenprozess. Katharina Kepler aber hatte einflussreiche Fürsprecher und kam im Jahr 1621 frei, wohl auch, weil sich ihr Sohn für sie einsetzte.

Das Thema erhitzt bis in die heutige Zeit die Gemüter: So kritisierte die Balinger Historikerin Ingrid Helber vor vier Jahren die Gründung der neuen Fasnets-Gruppe in Engstlatt scharf.

Eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte ist Anlass für Fasnetsspäße

Die hatten die Murschel-Hexen ins Leben gerufen, angelehnt an das Schicksal der Anna Murschel, der Witwe des Balinger Bürgermeisters, die in den Jahren 1598 bis 1600 in einem Hexenprozess um ihr Leben kämpfen musste. Sohn und Schwiegersohn, beide Pfarrer, organisierten damals den Rechtsbeistand, die Frau kam frei, zog schließlich zu einem ihrer Söhne nach Engstlatt. Ihr Name stehe, so Helber, für eine Frau, die von ihren Mitbürgern denunziert, eingesperrt und gefoltert worden sei.

Die Hexen-Fasnet an sich werde von Historikern generell kritisch betrachtet, so die Geschichtsforscherin, da sich die Vereine und Gruppen auf der Grundlage eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte amüsieren. Helber forderte diesen verfolgten und gequälten Frauen ein Denkmal zu setzen.

Die "Hexeneiche" mag ihren Namen bereits in dunkler Zeit und vor einigen hundert Jahren bekommen haben. Heute kann sie, richtig betrachtet, ein Mahnmal gegen Verfolgung und Denunziantentum sein.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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