Anton Roggenstein, ganz links, mit einem Teil seiner Sängerinnen und Sänger erzählt vom Gospelchor InSpirit. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Chormusik: Der InSpirit-Dirigent spricht über abtrainierte Bewegung, gesunde Fluktuation und gelebte Musik

Burladingen. Viele Jahre hatte die evangelische Kirchengemeinde Burladingen keinen Kirchenchor mehr. Das ist jetzt anders. InSpirit, einst von Stefanie Wunder als Projektchor ins Leben gerufen, wird künftig die wichtigen Gottesdienste in der Versöhnungskirche umrahmen. Wir sprachen dazu mit dem Chorleiter Anton Roggenstein.

Herr Roggenstein, seit dem 1. November ist ihr Chor InSpirit der Kirchenchor der evangelischen Gemeinde. Wie kam das?

Wir gestalten seit Jahren schon Gottesdienste der evangelischen Gemeinde wie zum Beispiel Konfirmation, Weihnachten und Sonntagsgottesdienste. Auch für unser Jahreskonzert war und ist die Versöhnungskirche ein geeigneter Veranstaltungsort. Bei den anschließenden Gesprächen nach dem letzten Konzert kam die Initiative der neuen Pfarrerin Annegret Liebmann sowie der Kirchengemeinderätin Vera Bender, einen festeren Rahmen für die Zusammenarbeit zu schaffen, auch im Hinblick auf mögliche Synergie-Effekte.

Wie lange gibt es InSpirit schon, und welche Musik wird da gesungen?

InSpirit wurde 2002 von Stefanie Wunder als Projektchor ins Leben gerufen und nach ihrem Wegzug 2005 von Michael Binder übernommen. 2011 hat er sich dann ebenfalls örtlich umorientiert, worauf mir die Chorleitung angetragen wurde, die ich dann übernahm. Prinzipiell kommen alle Musikrichtungen im Repertoire des Chores vor, auch weltliche Lieder. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf "Contemporary Black Gospel", die zeitgenössische Kirchenmusik, die man heutzutage auch in den überwiegend schwarzen Baptistengemeinden der USA erleben kann.

Überall schrumpfen die Chöre, haben immer weniger Mitglieder. Haben Sie weniger Nachwuchssorgen als andere Chöre?

Ich würde InSpirit als einen "Mehrgenerationenchor" bezeichnen, da vom Teenie aufwärts alle Altersgruppen vertreten sind. Dabei ist ein gesundes Maß an Fluktuation eher sogar erfrischend, da keine starren Strukturen entstehen. Zum Beispiel ist es absehbar, dass jüngere Mitglieder irgendwann für Ausbildung oder Studium wegziehen. Dafür kommen wieder andere dazu, die eine Freizeitbeschäftigung suchen, oder durch unsere Auftritte animiert werden, mitzusingen.

Wie erklären Sie sich das?

Gospelsingen bedeutet, dass der ganze Mensch gefordert ist. Durch den Rhythmus kommt sehr viel Bewegung mit ins Spiel, was zusammen mit der Stimme zu einer ganzheitlichen Ausdrucksform wird, die man üblicherweise in der Kindheit abtrainiert bekam. Darüber hinaus schafft die Emotionalität der "Black Gospel" einen tiefergehenden Bezug zu seinen eigenen Gefühlen, die authentischer dabei werden. Man "lebt" die Musik. Über allem steht aber die Botschaft der Menschlichkeit, die gerade unsere Zeit so dringend nötig hat.

Jetzt ist InSpirit Kirchenchor, was ändert sich da für die Sängerinnen und Sänger?

In der Tat ändert sich etwas sehr Wesentliches: Es ist das wohltuende Gefühl, angekommen zu sein.

Wann und wo wird denn der nächste Auftritt von InSpirit sein?

Um in dem vorigen Bild zu bleiben, könnte man sagen, dass die Geburt eines Kindes ebenfalls eine Art des Ankommens ist. Und somit ergibt sich die Konvergenz, zum ersten Mal als evangelischer Kirchenchor Burladingen, an Heiligabend, um 17.30 Uhr, in der Versöhnungskirche zu singen.

 Die Fragen stellte Erika Rapthel-Kieser.

Anton Roggenstein, Jahrgang 1971, ist aus Veringenstadt, studierte Musik in Trossingen und Rottenburg.

Als klassischer Musiker erhielt er bereits während des Studiums Preise und Auszeichnungen als Organist und Chorleiter, unter anderem auch den ersten Preis beim Orgelimprovisationswettbewerbs des damaligen Südwestfunks, den ersten Preis beim Chorwettbewerb der Württembergischen Philharmonie, das Orgel-Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen und er nahm an Preisträger-Konzerten in der Kathedrale Notre Dame/Paris oder im Stephansdom/Karlsruhe teil.