Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Burladingen Damit Großvaters Erbe nicht zugrunde geht

Von
Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Noch vor Weihnachten soll er rausgehen, der Brief, in dem Forstdirektor Hermann Schmid und Revierleiter Andreas Hoh den Privatwaldbesitzern zwischen Burladingen, Stetten und Gauselfingen eine Kooperation vorschlagen wollen. Sie nennen es "Projekt Gemeinschaftswald".

Burladingen. Tatsächlich, hier in den Gewannen Bönischberg, Eichland, Lucken und Hoher Kopf sieht es an manchen Stellen aus wie Kraut und Rüben. Der Schneebruch vom vergangenen Winter und Windbruch haben ihre Spuren hinterlassen, umgefallene Bäume wurden auf vielen Flurstücken noch nicht weggeräumt. Rotfäule und Dürre setzen dem Forst auch hier zu und die am Boden liegenden Fichten sind ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Insgesamt 771 Waldflurstücke gibt es hier, insgesamt 228 Hektar Waldfläche, davon rund 50 Hektar Gemeindewald, 4,3 Hektar Staatswald und fast 175 Hektar Kleinprivatwald.

"Viele Privatwaldbesitzer haben enorme Probleme", erläutert Forstdirektor Hermann Schmid und blickt zurück auf die Geschichte. Lange Zeit waren hier die Mähwiesen der Kleinbauern, die sich ein oder zwei Kühe hielten. Mit dem Aufblühen der Textilindustrie in der Fehlastadt verlor die kleine Landwirtschaft in so manchem Haushalt ihre Bedeutung. In der Textilfabrik ließ sich einfacher Geld verdienen.

Die Kühe wurden abgeschafft, die Wiesen in den 50er und 60er Jahren aufgeforstet und das Privatwäldle war eine sichere Miete, erschien so manchem besser, als das Sparbuch.

Inzwischen sind mindestens eine, wenn nicht gar zwei Erbengenerationen darüber gegangen. "So mancher Erbe, weiß nicht einmal, wo sein Flurgrundstück Wald überhaupt ist", berichtet Revierleiter Andreas Hoh. Viele wohnen weit weg, haben von Waldwirtschaft und Holz machen keine Ahnung und auch keine Zeit, viele Stunden im eigenen Wald zu verbringen. Manche sind schlichtweg zu alt.

Zuschüsse vom Land scheitern oft an der Bagatellgrenze

Zudem sind die Grundstücke sehr klein, die Form oft schwierig, manche vorgesehnen Waldwege wurden überpflanzt, es fehlt an Holzlagerplätzen und private Unternehmer lassen sich nicht anheuern, weil die Winzigkeit der Flurstücke die Mühe nicht lohnt.

Einer der Privatwaldbesitzer kommt dann beim Vor-Ort-Termin zufällig hinzu, er war gerade bei der Arbeit und bedauert, dass einige seiner Nachbarn, ihren Wald nicht pflegen.

"Was die Großväter angelegt haben, droht jetzt zugrunde zu gehen", schildert Schmid die teilweise dramatische Situation. Zusammen mit Hoh und Alexander Bauer, Anwärter für den gehobenen Forstdienst, will er die Privatwaldbesitzer jetzt anschreiben und zu einem gemeinsamen Treffen und einer Infoveranstaltung einladen, die im Januar stattfinden soll. Die beiden Wald-Experten wissen, viele Familien wollen trotz der vielen Probleme im Privatwald die Scholle nicht verkaufen.

Die Besitzer zu ermitteln, ist fast eine kleine Detektivarbeit

"Müssen sie auch gar nicht" sagt Schmid, denn er ist überzeugt: "Es gibt Lösungsansätze". Unter dem Stichwort "Gemeinschaftwald" wollen Schmid und Hoh den Privatwaldbesitzern eine Kooperation vorschlagen. Jeder könnte seinen Wald behalten, bewirtschaftet aber wird er gemeinsam. "Dann könnten auch Zuschüsse vom Land fließen, denn das Privatwaldbesitzer Hilfen kriegen scheitert oft an der Bagatellgrenze", heißt: ihr Wald ist zu klein.

"Da verfault richtig Geld", bedauert Andreas Hoh zwischen Gestrüpp und umgefallenen Bäumen "dabei könnte man bei gemeinsamer und guter Bewirtschaftung doch Geld damit verdienen", ist er sich sicher. Derzeit ist er dabei, möglichst alle Besitzer von Flurstücken in diesen Gewannen zu ermitteln, damit sie angeschrieben werden können. Eine kleine Detektivarbeit.

Deshalb hoffen Schmid und Hoh auch, dass sich unter den Privatwaldbesitzern die Aktion herumspricht damit möglichst viele zum Treffen, das im Januar stattfinden soll, auch kommen.

"Wer Interesse hat, kann sich auch jetzt schon bei uns im Forstamt melden und uns das Flurstück nennen", sagt Schmid. Die Einladungen sollen jedenfalls noch vor Weihnachten raus. Gut möglich, dass, wenn die Familie zum Festmahl beisammen gesessen hat, der geerbte Wald und was damit zu tun ist, hernach diskutiert wird.

Artikel bewerten
2
loading

Ihre Redaktion vor Ort Burladingen

Flirts & Singles

 
 

Angebot der Woche

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.