Die Salmendinger "Sonne"und die Reithalle links daneben werden weiterhin das Zuhause von Reinhard Liebl und Evelyn Buchberger und ihren Vierbeinern bleiben. Foto: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder-Bote

Evelyn Buchberger erhält den Zuschlag für 150 100 Euro / Reinhard Liebl bleibt Pächter

Von Erika Rapthel-Kieser Burladingen-Salmendingen/Hechingen. Nach einem spannenden Bieterduell hatte Evelyn Buchberger bei der Zwangsversteigerung der Salmendinger Traditionsgaststätte "Sonne" die Nase vorn. Sie erhielt den Zuschlag für 150 100 Euro. Noch im Gerichtssaal in Hechingen kündigte die 46-Jährige an: Vorbesitzer Reinhard Liebl wird der Pächter bleiben.

Die erste Amtshandlung der Vorsitzenden Rechtspflegerin bestand im Stühle schleppen. Das Interesse an der Versteigerung des hochverschuldeten Gebäudes mit Gaststätte, Reithalle, Fremdenzimmern und Wohnung war riesig. Saal zwei des Nebengebäudes des Hechinger Amtsgerichtes platzte aus allen Nähten.

Anwesend waren viele Salmendinger, fast der komplette Stammtisch der Sonne wollte sehen, wie und ob es mit der dem Gasthaus weitergeht.

Die Rechtspflegerin hatte eine lange Liste von Hypotheken und Eintragungen auf dem Grundstück in der Kornbühlstraße zu verlesen. Zum Zinssatz von 15 Prozent hatte die BAG-Bank Reinhard Liebl immer wieder Kredite gewährt und dafür neue Schulden eintragen lassen. Auch Gebühren der Stadtkasse Burladingen für Grundsteuer und Abwasser waren aufgelaufen.

Routinegemäß fragte die Rechtspflegerin nach möglichen anderen Gläubigern oder Personen, deren Interessen durch die Zwangsversteigerung berührt sein könnten. Evelyn Buchberger meldete sich. Sie sei Mieterin der Wohnung und des landwirtschaftlichen Bereiches der Sonne.

Schließlich wurde die Bieterstunde, die nur 30 Minuten währte, um 9.14 Uhr eröffnet. Die Gläubigerseite, die BAG Bank, war vertreten durch Rechtsanwalt Malte Schwarz. Der Verkehrswert der Sonne war auf 230 000 Euro festgesetzt worden, bei einem Mindestgebot von 115 000 könnte das Gasthaus den Besitzer wechseln, hatte die Rechtspflegerin erklärt. Beim ersten Zwangsversteigerungstermin im Juni 2012 hatte es kein einziges Gebot gegeben. Auch gestern blieb es im Saal zunächst ruhig, die Zeit verstrich. Zehn Minuten vor Ablauf der Bieterstunde gab ein Paar aus Thanheim, Renate Müller und Falko Steinhilber ein Gebot ab: 115 000 Euro. Die beiden waren über Skikurse nach Salmendingen gekommen und gehören seit einiger Zeit fest zum Sonne-Stammtisch.

Interessenten liefern sich spannendes Duell

Die Zeit verstrich. Immer wieder blickten alle im Saal Anwesenden zur Uhr. Schließlich blieben nur noch drei Minuten und Rechtsanwalt Malte Schwarz mahnte mögliche andere Interessenten: "Jetzt oder nie." Buchstäblich im letzten Moment trat Evelyn Buchberger aus der letzten Stuhlreihe des Saales vor den Richtertisch, gab ihre Personalien ab, bot 116 000 Euro und setzte sich wieder nach hinten. Die Thanheimer holten tief Luft – und boten 117 000. Buchberger erhöhte auf 117 500. So ging es weiter. Die 46-Jährige bot aus der letzten Reihe und mit Pokerface mal 500 mal 100 Euro mehr als das Paar vom Sonne-Stammtisch. So stieg der Preis allmählich über 140 000. Die Miene des Gläubigervertreters entspannte sich zusehends. Offensichtlich hatte man von Seiten der Bank befürchtet, die Sonne werde wieder nicht oder nur zum halben Verkehrswert unter den Hammer kommen. Fünfzehn Minuten währte das Bieterduell. Bei 150 000 war die kritische Grenze überschritten, den Thanheimern ging die Luft aus und Buchberger erhielt für 150 100 Euro den Zuschlag.

Das Verschuldungsdrama um die Gaststätte hat damit ein vorläufiges, glückliches Ende. Die nervenstarke Evelyn Buchberger kommentierte: "Das war jetzt zwar nicht ganz so gut, dass wir einen Mitbieter hatten, aber wir werden in der Sonne bleiben." Sie hält auf den Koppeln hinter dem Anwesen und in der Reithalle zwei Pferde und einige Schafe.

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