Hier hätte das Gewerbegebiet "Heugaben" entstehen sollen. Foto: Schwarzwälder Bote

Serie: Burladingen im Wandel, Teil 34: Das zentrale Gewerbegebiet auf "Heugaben" wurde nie verwirklicht

Bei den Betrachtungen zu Burladingen im Wandel stößt man unwillkürlich auch auf geplante und gut gemeinte "Wandlungen", die nie realisiert wurden. Dabei muss man sich allerdings auch in die Euphorien der ausgehenden 1970er-Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückversetzen.

Burladingen. Die Gebietsreform war abgeschlossen, und die Gemeinde Burladingen bemühte sich um die Verleihung der Bezeichnung Stadt. Dabei wurden natürlich in der Antragsbroschüre auch alle zukünftig beabsichtigten Entwicklungen dargestellt, so auch ein zentrales Gewerbegebiet.

Dieses sollte auf einer etwa zwölf Hektar großen gemeindeeigenen Fläche südwestlich der Kernstadt entstehen, besser bekannt als das Gebiet "Heugaben". Dadurch sollte die kontinuierliche Entwicklung von Burladingen als Industriestandort gewährleistet und die Möglichkeit zur Aussiedlung störender und eingeengter Gewerbebetriebe aus der Ortslage geboten werden.

Um die Möglichkeiten einer Realisierung dieses zentralen Gewerbegebietes abzuschätzen, muss man sich den damaligen Flächennutzungsplan betrachten, in dem Rahmenbedingungen aufgezeigt waren, nach denen die Ausweisung durchaus möglich war. In dem war nämlich die seinerzeit geplante Umgehungsstraße der B 32 um Burladingen enthalten, die in einer kühnen Linienführung den Bereich "Heugaben" streifte, sowie die neue Trasse einer künftigen L 450, die von Tailfingen kommend durch das Tiefental in Richtung Ringingen und weiter nach Reutlingen führen sollte.

Als eine "Verbesserung der Verbindung zweier wichtiger Wirtschaftsstandorte" wurde dies bezeichnet. Die verkehrstechnische Erschließung des geplanten Gewerbegebiets schien also möglich. Ein Bebauungsplanentwurf wurde erstellt, über den wegen der Straßenanbindung an die B 32 neu mit dem Straßenbauamt verhandelt werden sollte, so der Verwaltungsbericht für das Jahr 1978.

Für Hausen, Starzeln und Killer war eine Sammelkläranlage geplant

Blieb noch das Problem der Abwasserbeseitigung. Auch dieses wurde von Burladingen, zwischenzeitlich zur Stadt erhoben, gelöst. Für die Stadtteile Hausen, Starzeln und Killer wurde eine Sammelkläranlage geplant und gebaut, zur Berechnung für deren Ausbaugröße wurde das geplante Gewerbegebiet "Heugaben" mit einbezogen. Und nicht nur das: Der von Hausen bis zur Kläranlage führende Verbindungssammler wurde mit einem Anschlusskanal für das Gewerbegebiet bis hinter das Hausener Schulhaus vorausschauend gleich verlängert. Also war auch dieses Problem gelöst – zumindest auf dem Papier.

Blieb noch die für ein Gewerbegebiet nicht gerade günstige Topografie. Von Burladingen aus betrachtet, erscheint das Gelände relativ sanft abfallend. Macht man sich aber die Mühe, das Gelände vor Ort in Augenschein zu nehmen, steht man vor einem relativ steil abfallenden Gelände, das schwer großflächige Gewerbehallen zulässt.

Aber darüber braucht sich heute niemand mehr den Kopf zu zerbrechen, denn die verkehrstechnische Erschließung hat sich erledigt. Die euphorischen Pläne zum Ausbau der B 32 zwischen Hechingen und Gauselfingen wurden nur in Teilstrecken umgesetzt, der Ausbau um Burladingen herum mit gewaltigen Erdbewegungen und teurer technischer Bauwerke längst zu den Akten gelegt. Auch ein Wandel, der sich im Zeitgeist niedergeschlagen hat.

Außerdem hatte die Stadt Burladingen zwischenzeitlich mit der "Schlichte" und dem "Kleineschle" Gewerbeflächen im Tal erschlossen. Nachdem, auch der Zeit geschuldet, mehrere ehemalige Textilfabriken der Spitzhacke zum Opfer fielen – oder noch fallen werden –­, kann die Akte "Zentrales Gewerbegebiet Heugaben" wohl im Archiv versinken.

Bliebe nur noch der gebaute Kanalanschluss, der hinter dem Schulhaus in Hausen endet. Vielleicht kann man den doch noch gebrauchen. Wenn keine Römerfunde mehr auftauchen, könnte eine Erweiterung nach Westen denkbar sein. Man müsste dann noch ein Stück Kanal nach Hausen bauen. Aber das wird der Lauf der Zeit entscheiden.

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