Bildunterschrift Chor → Im Kurpark stimmte ein Chor die Besucher ein. Herold → Ein Herold präsentiert die „chronische Chronik“. Klauer_Herold_Pestarzt → K. Lauer (links), ein Herold (mitte) und ein Pestarzt gestalten mit einem „Chörle“ den Abend. Link → Bürgermeister Fritz Link begrüßt die Gäste mit „Hurra, wir spektakeln wieder“. Foto: Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Hörspiel-Stück zu Corona-Thema eröffnet Burgspektakel

Zur Eröffnung des diesjährigen Burg- beziehungsweise Gartenspektakel wurde "Echos der ersten Welle" als Hörspiel-Stück mit szenischer Lesung aufgeführt.

Königsfeld. Corona-bedingt sollte die Veranstaltungsreihe im Garten des Erdmuth-Dorotheen-Hauses beginnen. Angesichts der unsicheren Wetterlage wurde die Veranstaltung aber ins Haus des Gastes verlegt.

Bürgermeister Fritz Link begrüßte die Gäste mit "Hurra, wir spektakeln wieder". Es sei eine "Herausforderung" für über 30 Aktive gewesen, alles Corona-gerecht auf die Bühne zu bringen. Link lobte das "kongeniale Trio" Gunther Schwarz, Dieter Mauch und Klaus Richter für die Erarbeitung des Stücks. Die tragische, verstörende Thematik der Pandemie sowie begleitende Musik und Komik solle dazu dienen, sich mit der Entwicklung auseinanderzusetzen. Eingestimmt von Chorgesang im Kurpark, wurden "Impflinge und Testpersönchen" von "K. Lauer", einem "schrägen Senkrechtdenker" alias Klaus Richter im "abgeriegelten, desinfizierten" Haus des Gastes begrüßt. Er bat darum, viel zu klatschen, da das die Aerosolwolke vertreibe.

Eingeteilt war das Stück in mehrere Kapitel. Im ersten beschrieb ein Pestarzt (Gunther Schwarz) wie die Pest 1349 nach Villingen kam, ausgehend von der mongolischen Steppe über die Seidenstraße und die Belagerung einer genuesischen Handelsniederlassung bis zu italienischen Häfen. Manche der damals aufgestellten Regeln zum Umgang miteinander klangen durchaus vertraut.

Ein Herold (Dieter Mauch) präsentierte mitsamt seinen Mitstreitern die "Chronische Chronik der Echos der ersten Corona-Welle in nationalen Medien". Angesichts anfänglicher Verschleierungstaktiken Chinas, Verharmlosungen durch Politiker und ersten Warnungen von Virologen dürfte es manchem Besucher kalt den Rücken heruntergelaufen sein. Für willkommene Entspannung sorgte da das "Chörle" mit Texten wie "auf dem Donnerbalken saßen zwei Gestalten und sie schrien nach Klopapier" oder Aktientipps zu besagtem Toilettenpapier, "dem Blattgold unserer Zeit". Durchaus vergnüglich waren auch Schilderungen einer selbstauferlegten Quarantäne von "K. Lauer", als der den Schlüssel zum WC abbrach – oder ein Lied zu vergessenen Masken.

Deutlich bedrückender wurde das Stück, als die Darsteller das unbesorgte Verhalten der Bevölkerung, zunehmende Panik und Schicksale an Corona-Verstorbener schilderten. Eher kurios waren wiederum Berichte über Verschwörungstheoretiker, die im Keller eine Pizzeria einen Kinderhändlerring vermuteten obwohl die gar keinen Keller hatte.

Zum versöhnlichen Abschied riet "K. Lauer", die Schwachen zu unterstützen, zum Beispiel Menschen die Gewalt erlebten, Kulturschaffende oder Kinder. Keiner habe eine Ahnung, wie es konkret weitergehe, es gehe um Ausprobieren, Rechnen und Gucken. Die Zuschauer dankten für eine vergnügliche Vorstellung mit reichlich Applaus. Weitere am Stück beteiligte waren Uschi Biebinger, Matthias Borth, Christine Dannert, Birgit Decker, Anna Dettke, Leon Hermann, Angelika Kachler, Constanze Kaiser, Christine Kirchrath Paschotta, Götz Knieß, Sabine Kramny, Daniel Leguy, Christoph Maier, Johanns Michel, Hans-Beat Motel, Manuela Schulte, Hermann Rieble, Zeljko Rusic, Johannes Schott, Rita Schwarz, Silke Singer, Manuel Steeger und Birgit Weßler-Dannert.

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