Ihr Bericht erhielt auch schockierende Details eines Kinderlebens: Rektorin Aleksandra Kocbek hat im Gemeinderat Meßstetten ihren Antrag auf eine Vollzeitstelle für Schulsozialarbeit an der Grundschule Bueloch begründet. Foto: Karina Eyrich

Warum muss der Stellenumfang der Schulsozialarbeit an der Grundschule Bueloch von de facto 20 auf 100 Prozent steigen? Was Rektorin Aleksandra Kocbeck im Gemeinderat berichtete, hat wohl nicht nur die Meßstetter Gemeinderäte mehr als erschreckt.

„Ich hätte gut zu tun, wenn ich nur mit diesen 113 Schülern zu tun hätte“, hat Aleksandra Kocbek, Rektorin der Burgschule, in der jüngsten Gemeinderatssitzung über die Kinder in den fünf Klassen der Grundschule Bueloch gesagt, von denen 85 Prozent einen Migrationshintergrund haben.

 

Die Außenstelle der Burgschule liegt bekanntlich in einem Wohngebiet mit hohem Migrantenanteil – und mehr noch: „Bei den Eltern fehlt es oft an Wissen und Ressourcen“, sagte die Schulleiterin mit Blick auf die familiäre Unterstützung der Kinder für deren schulischen Erfolg.

Kocbek: Vollzeit-Stelle an der Grundschule Bueloch wird gebraucht

Es kam noch schlimmer: Kocbek berichtete von Beispielen, die alarmierten; von einer Erstklässlerin, die berichtete, wie ihr Vater körperlich darauf reagiere, wenn er sie duscht.

Keine Frage: Auch wenn der Stellenanteil der Schulsozialarbeit an Grundschulen dieser Größenordnung durchschnittlich niedriger liegt als bei den 100 Prozent, die Kocbek und ihr Stellvertreter Michael Eichenauer im Juni bei der Stadtverwaltung beantragt haben – an der Grundschule Bueloch wird er gebraucht.

„Diese Frage stelle ich mir selbst!“

„Warum? Das ist doch Aufgabe der Eltern!“ zitierte sie ein oft gehörtes Argument und fügte hinzu: „Diese Frage stelle ich mir selbst!“ Was die Kinder der Bueloch-Grundschule brauchten, sei „frühzeitige Intervention und Prävention“.

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern müsse gestärkt werden. Die Kinder brauchten Unterstützung bei „sozialen und emotionalen Herausforderungen“, bei der sprachlichen und kulturellen Integration, bei sozialer Inklusion, bei der Konfliktbewältigung und bei dem Übergang ins Schulsystem. Ihre emotionale Stabilität müsse gestärkt und ihre Chancengleichheit gefördert werden.

„Wir müssen früh damit beginnen, und die Schulsozialarbeiter haben ein ganz anderes Netzwerk“ als die Lehrkräfte, deren Aufgabe ja das Unterrichten sei, wie Kocbek betonte. Was nicht in die Wurzel gelange, stecke später auch nicht in der Krone.

Dass der Gemeinderat mit Bewilligung der Vollzeitstelle auch die Kinderrechte stärke und frühe Hilfe auch im späteren Leben der Schüler positive Folgen habe – etwa wenn sie als Fachkräfte der Wirtschaft zur Verfügung ständen – betonte die Rektorin überdies. Und blickte dann in ratlose Gesichter der Stadträte angesichts ihrer Schilderungen.

Wienke: Für die Stelle braucht es eine „sehr erfahrene Person“

Ob eine Schulsozialarbeiterin Fremdsprachenkenntnisse einsetzen müsse, um mit den Kindern überhaupt kommunizieren zu können, fragte Matthias Schwarz, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung, mit Blick auf die 27 verschiedenen Muttersprachen der Bueloch-Grundschüler.

Diesbezüglich konnte Kocbek ihn beruhigen: „Wir haben ja Vorbereitungsklassen, und die Kinder lernen viel von Gleichaltrigen.“ Der Spracherwerb funktioniere da schnell.

Jochen Wienke (CDU) betonte, dass eine „sehr erfahrene Person“ für die Vollzeitstelle nötig sei, „weil da offensichtlich sehr viele Dinge aufploppen, die wir uns gar nicht vorstellen können“.

Die anderen müssen nun nichts mehr abgeben

Am Ende stimmten alle Stadträte mit Ausnahme des AfD-Solisten für 100 Prozent Schulsozialarbeit an der Bueloch-Grundschule ab dem zweiten Schulhalbjahr 2024/25, so dass von den 120 Prozent Stellenanteil der Burgschule und der Wilhelm-Busch-Schule nicht mehr, wie bisher, 20 Prozent Stellenanteil an der Burgschule eingesetzt werden müssen.

Die tatsächlichen Kosten für die Vollzeitstelle – kalkuliert sind 80 000 Euro pro Jahr – hängen konkret von der Fachkraft ab, die das Diasporahaus Bietenhausen einsetzen wird – mit der Institution arbeitet die Stadt seit Jahren im Kinder- und Jugendbereich erfolgreich zusammen.

Von Landesseite ist eine um 16 700 Euro höhere Förderung möglich – vom Landkreis gibt es nicht mehr Geld: Er fördert maximal eine Vollzeitstelle pro Jahr.