Die Burgschule Haiterbach hat einen neuen Ruheraum. Derzeit ermöglicht er Grundschülern, die durch Reizüberflutung nicht mehr dem Unterricht folgen können, sich neu zu sammeln.
Die Auswirkungen von modernem Medienkonsum und auch einer sich verändernden, schnelllebigen Gesellschaft sind längt an den Schulen angekommen. Unabhängig davon, wie man dies bewertet: Es bedarf Lösungen. Die Burgschule Haiterbach hat im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes einen Raum umgestaltet, der den Schülern eine Auszeit ermöglicht.
Das Besondere: Dass ein Schüler den Raum während des laufenden Unterrichts aufsucht, kann nicht nur durch den Lehrer eingeleitet werden, sondern auch durch die Schüler selbst, erklärt Nils Dickmann, Schulsozialarbeiter an der Burgschule.
Freundliche Atmosphäre
Der Raum, der früher für eine Vorbereitungsklasse genutzt wurde, erinnert nur noch wenig an ein Klassenzimmer. Er verströmt eher die angenehme Atmosphäre eines modernen Wartezimmers. Eine freundliche Farbgestaltung mit Grün, Weiß und Grau, eine Sitzbank mit Kissen, Sesseln sowie ein Tisch mit Stühlen im Zentrum.
Für die handwerkliche Umsetzung zeichnete vor allem Nils Dickmann verantwortlich. Unterstützung kam nicht nur vom Schulträger, der Stadt Haiterbach. Von den rund 5000 Euro Kosten flossen allein 3000 Euro vom Schulförderverein der Burgschule. Auch die Firmen Schuon Logistik, Kaupp und Rath förderten das Projekt Ruheraum mit Geld- und Sachspenden.
Schüler suchen Raum meist von sich aus auf
Was passiert in dem Raum? Die Schüler können sich einfach hinsetzen, zur Ruhe kommen. „Sie können aber auch ein Buch lesen. Oder ich komme vorbei und spiele mit ihnen eine Runde Uno“, erklärt Dickmann. Normalerweise würden die Kinder den Raum von sich aus aufsuchen.
„Wir merken, dass die Kinder heutzutage reizüberflutet sind.“ Dickmann sieht hier eine Ursache in der Mediennutzung via Mobiltelefon, bei dem mit einem Wisch jede Sekunde unzählige Reize einwirken. Thomas Christ, kommissarischer Leiter der Burgschule, zieht den Rahmen noch etwas weiter. Es gehe um die Familien und auch die Gesellschaft als solches. Viele Erwachsene würden es ja auch spüren, dass die sich verändert habe, immer schnelllebiger werde.
Eltern sind die wichtigsten Partner
Wichtig seinen alle Kooperationspartner. Doch den wichtigsten sieht Christ in den Eltern. Und bei denen stelle man ein zunehmendes Problembewusstsein fest. Und auch die Suche nach Lösungen. So sei man gebeten worden, Ratgeber zu liefern, die Dickmann zu verschiedenen Themen in Form von Elternbriefen erstellt.
Bei einigen Schülern habe man schon beachtliche Fortschritte erzielt, sagt Christ. Er spricht von Erfolgsgeschichten. Die größte Veränderung ergebe sich meist, wenn die Schule selbst nicht als Problem gesehen werde
Die Arbeit der Schulsozialarbeit sei sehr gewinnbringend, sagt Christ. Der Auftrag der Schule habe sich klar von reiner Wissensvermittlung auch zu einem Erziehungsauftrag entwickelt, sind sich Christ und Dickmann einig. Nicht immer werde ein Schüler automatisch besser in Mathematik. Doch es gehe auch um die Entwicklung der Persönlichkeit.
Bewegungsprogramm in Planung
Die Burgschule möchte in diesem Zusammenhang ein weiteres Projekt an der Start bringen. Es soll mehr Bewegung in den Schulalltag bringen. Auch Bewegung bietet einen Ausgleich für die Schüler.
Für die Stadt Haiterbach lobte Hauptamtsleiterin Birgit Burkhardt das Projekt Ruheraum. Auch im Hinblick auf die zweite angedachte Nutzung für ältere Schüler. Hier könne ein niederschwelliges Angebot entstehen, zumal man keinen kommunalen Jugendraum habe. Erfreulich sei auch die Unterstützung der Firmen, zu denen Dickmann Kontakt aufgenommen habe.