Ursprünglich sollte der Bundeslandwirtschaftsminister zum Ritter geschlagen und mit dem großen Falkenorden geehrt werden – aus Sicherheitsgründen und wegen der politischen Lage wurde diese Entscheidung nun verworfen, teilt der Burgnarrenverein Straßberg mit.
Zu den konkreten Gründen der Entscheidung, dem grünen Landwirtschaftsminister den Ritterschlag und die Aufnahme in die illustre Riege der Ordensträger vorzuenthalten, mochte sich Burgvogt Daniel Nagraszus am Donnerstag nicht äußern. Stattdessen verwies er auf die Pressemitteilung, die seine Zunft zuvor herausgegeben hatte.
Darin heißt es, der Burgnarrenverein habe sich auf Anraten von Bürgermeister Markus Zeiser sowie „aufgrund der aktuellen politischen Lage“ „im Schulterschluss mit der Gemeinde“ dafür entschieden, Cem Özdemir am „Schmotzigen Doaschdig“ , dem 8. Februar, doch nicht zum Ritter des großen Falkenordens zu schlagen. Ritterschlag und Ordensverleihung, so die Mitteilung weiter, seien bereits im Jahr 2022 angebahnt worden; zu diesem Zeitpunkt sei überhaupt nicht absehbar gewesen, wie sich die politische Lage Anfang 2024 entwickeln würde. Die Entscheidung sei vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse – sprich: der Bauernproteste gegen die Politik der Berliner Ampelregierung – und „aus Gründen der Sicherheit“ gefällt worden.
Markus Zeiser wurde im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten konkreter. In den Sozialen Medien sei zu einer Großdemonstration der Landwirte während des närrischen Festakts aufgerufen worden, auf den an die 1000 Landwirte reagiert und ihr Kommen zugesagt hätten. Eine solche Demonstration hätte die Präsenz von wenigstens einer Hundertschaft Polizei erfordert. Damit aber wäre die Festivität ad absurdum geführt worden – mit närrischer Fröhlichkeit hätte dieser Rahmen nichts mehr zu tun gehabt.
Affront gegen die Landwirte soll vermieden werden
Zumal man davon ausgehen darf, dass die Landwirte die Auszeichnung für den Landwirtschaftsminister keineswegs wohlwollend aufgenommen, sondern vielmehr als Affront gegen sich und ihre Sache aufgefasst hätten – dies so Zeiser, habe man unter allen Umständen vermeiden wollen; das sei der zweite Grund der Absage gewesen. Cem Özdemir habe auf diese übrigens mit Verständnis reagiert und versichert, dass er den Straßbergern nicht böse sei. Ob er noch einmal die Chance erhält, Ritter in Straßberg zu werden. Völlig ausschließen mag Zeiser es nicht, aber bis auf weiteres sei der Ritterschlag kein Thema mehr; ob sich daran noch einmal etwas ändere, müsse man abwarten. Das Büro des Ministers selbst mochte gestern keine Stellung nehmen und verwies seinerseits auf den Veranstalter.
Anstelle des Ministers wird Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer Ritter
Bleibt noch eine Frage: Fällt der Ritterschlag nun ganz aus, oder findet sich auf die Schnelle eine oder einer, der in Bresche springt? Er ist gefunden: Anstelle des Ministers wird die hohe Ehre am 8. Februar, Roland Tralmer, dem mittlerweile nicht mehr ganz neuen Oberbürgermeister von Albstadt, zuteil werden. Er entspricht laut Burgvogt Nagraszus den zwei Kriterien, die ein potenzieller Ritter und Ordensträger erfüllen muss: „Er ist mit unserer schwäbisch-alemannischen Fasnet vertraut und setzt sich mit ihr auseinander. Und er unterstützt das Ehrenamt.“ Keine Frage, das tut Roland Tralmer – und kommt so bereits in seinem ersten Amtsjahr zu einer Würde, die seinem Vorvorgänger Jürgen Gneveckow erst nach 13 Jahren im Amt zuteil wurde und dem direkten Amtsvorgänger Klaus Konzelmann nie.