Aufgrund des Erfolgs mit „Der Tartuffe oder Der Betrüger“ bei den Burgfestspielen in Rötteln wurde die Komödie nochmals im Burghof Lörrach aufgeführt.
Eine gute Möglichkeit für alle, die das Stück nach Molière noch nicht bei den Burgfestspielen gesehen hatten. Dementsprechend waren fast alle Plätze im Saal des Burghofs besetzt.
In Zeiten von Fake-Accounts, Fake-Bildern, KI und sonstiger Manipulation, sowie gleichzeitiger Orientierungslosigkeit, Zukunftsängsten und sozialer Abschottung ist die Komödie „Der Tartuffe oder Der Betrüger“ von Molière eigentlich hochaktuell. Es beschäftigt sich mit dem Einfluss eines sehr sprachgewandten Menschen, der andere raffiniert hinters Licht führt und sich aus jeder Situation geschickt herausreden kann.
Minimalistisches Bühnenbild
Das Bühnenbild war minimalistisch, aber eindrucksvoll. Im Hintergrund saß Tartuffe bewegungslos in weißem Gewand vor schwarzem Hintergrund auf einem Stuhl, so als würde er schweben. Ein Haufen weißer Kissen und einige Bambusstämme vervollständigten das Bühnenbild.
Zur Handlung: Der vernünftige und mit gesundem Menschenverstand gesegnete Cléante, Schwager des Familienoberhaupts Orgon, versucht diesen vor Tartuffe, den Orgon aus armen Verhältnissen geholt und bei sich einquartiert hat, zu warnen. Orgon aber ist fasziniert von Tartuffes Frömmigkeit und dessen scheinbar unantastbaren Moral und lässt sich von keinem Mitglied der Familie überzeugen, zumindest Zweifel an der Ehrlichkeit Tartuffes in Erwägung zu ziehen.
Das Geschehen wird zunehmend turbulenter: Orgon will seine Tochter Marianne, die eigentlich schon mit Valére verlobt ist, mit Tartuffe verheiraten. Diese vertraut sich völlig aufgelöst ihrer Dienerin an, die ihr zuerst nicht beistehen will, dann aber doch Mitleid mit ihr hat und ihr dabei helfen will, ihren geliebten Valére zu heiraten.
Dieser erscheint dann auch auf der Bühne und ist sehr verärgert, denn er weiß schon Bescheid über die Pläne des Vaters. Zuerst vermutet er, dass Marianne der Heirat zugestimmt hat, ohne ihn darüber in Kenntnis zu setzen, was Marianne aber entrüstet verneint und schließlich kann sie ihn mit Hilfe der Dienerin davon überzeugen, dass sie nur ihn liebt. Währenddessen versucht der mittlerweile aus seiner Starre erwachte Tartuffe, die Mutter von Marianne zu verführen, was diese aber nicht zulässt. Die andere Tochter hat die Szene aber belauscht und erzählt dies ihrem Vater, der ihr aber wiederum nicht glaubt und sie sogar aus dem Haus werfen will. Als der Vater Tartuffe zur Rede stellt, gibt dieser alles zu, stellt sich aber gleichzeitig als Opfer dar, welches immer von allen für irgendwas verantwortlich gemacht wird.
Orgon lässt sich wieder einmal von Tartuffs Worten einwickeln und vermacht ihm sogar sein ganzes Erbe. Erst als seine Frau eine List anwendet und Orgon versteckt mit anhören muss, wie Tartuffe wieder seine Ehefrau umgarnt, entdeckt er den wahren Charakter Tartuffs und verweist ihn des Hauses. Da er Tartuffe aber schon sein Erbe vermacht hatte, verlangt dieser mit Hilfe eines Anwalts, dass er und seine Familie das Haus verlassen, und kreuzt dann mit einem Polizisten auf, der Orgon festnehmen soll. Dieser hat aber bezüglich der kriminellen Vorgeschichte Tartuffes recherchiert und nimmt diesen statt Orgon fest. Zu guter Letzt kann die Familie ihr Haus behalten, Marianne ihren geliebten Valére heiraten und Orgon lässt sich in Zukunft vielleicht nicht mehr so leicht hinters Licht führen.
Klassisches Stück mit moderner Note
Regisseur Simon Rösch hat es geschafft, dem Stück eine moderne Note und Sprache zu verleihen. Es steckt voller Ironie, Drama und Sarkasmus und forderte den Schauspielern so einiges ab, was diese aber bravourös meisterten. Dementsprechend lang und laut war auch der Applaus am Ende des Stückes, das als temporeiche Komödie mit Tiefgang vor allem eine Botschaft in sich trug: Hör auf deine Intuition und lass dich nicht vorschnell von gewieften Schwätzern oder den heutzutage allgegenwärtigen Fake-News blenden.