Nicht indirekt nach unten, sondern nach oben durch die Luft strahlen die Strahler (links) an den Schramberger Burgen. Ob dies mit dem Naturschutzgesetz in Einklang steht soll untersucht werden. Foto: Wegner

Die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik wollen mehrheitlich die Beleuchtung der Burgen erhalten. Ein Gutachten, ob dies als Ausnahme vom Naturschutzgesetz möglich ist, ist ihnen aber zu viel und zu teuer.

Schramberg - Seit die SPD/Buntspecht-Fraktionsgemeinschaft einen "Antrag zum Thema Lichtverschmutzung" eingebracht hat, kochen in Schramberg die Gemüter hoch. Denn viele Bürger – und auch die Mehrheit der Ausschussmitglieder sowie die Oberbürgermeisterin – wollen die Burgbeleuchtung nicht abschalten. Gegen Leuchtmittel, die als insektenfreundlich gelten, haben sie aber nichts einzuwenden.

"Das ganze ausmittelnd zu betrachten," sei das Ziel, meinte Fachbereichsleiterin Petra Schmidtmann und hatte ein Gutachten vorgeschlagen, ob eine insektenfreundliche Beleuchtung der Burg möglich ist, um eine Ausnahme vom Naturschutzgesetz beanspruchen zu können. Etwas über 2000 Euro jährlich kostet übrigens die Beleuchtung aller drei Burgen, sagte die Fachbereichsleiterin.

Keine Antwort auf Antrags-Frage

"Wir wollen von der Stadt wissen, wie ein bestehendendes Gesetz zum Schutz von Menschen, Tieren und der Fauna umgesetzt wird", begründete Bärbel Pröbstle den Antrag der Fraktion – und stimmte nach der Beratung als Einzige gegen den erklärten Willen die Burgen weiter zu beleuchten. Spätestens mit dem Naturschutzgesetz sei entschieden worden, so argumentierte sie, dass diese Beleuchtungsart nicht möglich sei. Dies sei begründet und "es gibt eine Grundlage, die wir umsetzen sollten". Für die Tatsache, der die Strahler in den Himmel strahlen und nicht die Ruinen indirekt beleuchteten, brauche auch sie kein Gutachten. "Unsere ursprüngliche Frage, war, wie die Stadt das Gesetz umsetzt, hierfür gibt es keine Antwort", kritisierte sie.

Beleuchtung abschalten

Da keine Ausnahmegenehmigung beantragt oder erteilt sei, wäre die Beleuchtung in der jetzigen Jahreszeit abzuschalten, sagte Pröbstle. Sie könne den Vorschlag mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Vor allem weil die Stadt praktisch gegen Paragraf 21 des Landes-Naturschutzgesetzes verstoße.

Zuständigkeit bei der Stadt selbst

Die Frage, ob es die Burgenbeleuchtung eine Ausnahme vom Naturschutzgesetz sein könne, liege in der Zuständigkeit der Entscheidung bei Stadt selbst. "Wir wollten ein Gutachten erstellen, um eine Ausnahmegenehmigung zu prüfen", argumentierte Schmidtmann. Wenn diese nicht genehmigt werden könnte, würde Beleuchtung abgeschaltet, so wie das Gesetz es vorschreibe. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sprang ihrer Fachbereichsleiterin zur Seite und verdeutlichte, dass das Gutachten erforderlich sei, um zu wissen, was zu tun sei, sprich ob eine Umstellung auf insektenfreundliche Strahler genüge.

Kein Handeln gegen das Naturschutzgesetz

Fachbereichsleiter Recht und Sicherheit Matthias Rehfuß betonte, die Stadt handle nicht entgegen dem Naturschutzgesetz, sondern "es wird geprüft, welche Auswirkungen die Beleuchtung hat, dann aufgrund des Gutachtens entschieden was gemacht wird, ist gesetzeskonform.

Identitätsstiftend

"Wir haben den Antrag schon kritisiert, es geht im identitätsstiftende Kulturdenkmale", betonte Dominik Dieterle. "Wir sollten den Naturschutz mit unserem gesellschaftlichen Leben verbinden, das hat mir beim Antrag gefehlt", sagte er. Die Beleuchtung der Burgen sei "sehr prägend über die Stadt hinaus", er fühle sich dadurch "zuhause". Die CDU wolle dieses Schramberger Alleinstellungsmerkmal nicht aufgeben.

Auch ohne Gutachten, so meinte er, müsste die Verwaltung sagen können, ob die Ausnahme möglich sei. Dies verneinte Rehfuß, da er als Verwaltungswirt nicht sagen könne, ob eine Leuchte insektenfreundlich sei oder nicht, da ihm die Fachlichkeit fehle. Tiefbau-Abteilungsleiter Konrad Ginter sah es skeptisch, dass die jetzigen Lampen ausreichten, da es sich um 20 Jahre alte Natriumdampflampen handle. Auch ob eine andere Installation möglich sei könne er nicht beurteilen.

Wenig Anziehungskraft für Insekten

Oskar Rapp (Freie Liste), der selbst Industrieelektriker ist, sah das gelbe Licht der Lampen als insektenfreundlich, da dieses im Gegensatz zu Blau sehr wenig Anziehungskraft für Insekten habe. Auch er war der Ansicht, dass dies "innerstädtisch" beurteilt werden könne.

Vorschlag ausarbeiten

Es sollte darum gehen, die Burgen auf insektenfreundliche Weise zu beleuchten, die Stadt wolle aber "nicht eigene Feldversuche mit Hummeln machen", meinte Eisenlohr. Deswegen will sich jetzt die Stadt mit einer insektenkundlichen Person ins Benehmen setzen und einen Vorschlag ausarbeiten, mit dem Ziel die Beleuchtung der Burgen auf insektenfreundliche und kostengünstige Weise weiter aufrecht zu erhalten. Diesem Vorschlag stimmten, mit Ausnahme von Pröbstle, alle Mitglieder des Gremiums zu.