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Burg Hohenzollern Vom Alltag eines Schlossmeisters

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Joachim Piller, der Schlossmeister auf Burg Hohenzollern Foto: Silas Stein/dpa

Bisingen - Joachim Piller erledigt Aufgaben eines Hausmeisters. Das "Haus" hat allerdings goldene Decken, mehr als 300 Zimmer und Hunderttausende Besucher im Jahr: Burg Hohenzollern.

Um ein Haar hätte einen japanischen Bräutigam der sogenannte glücklichste Tag in seinem Leben einen Finger gekostet. Erst bei der Hochzeitszeremonie bemerkte er, dass sein Ehering zu klein ausgefallen war. Er zwängte sich das Schmuckstück dennoch auf den Finger. Dieser schwoll im Verlauf der Feier auf ein ungesundes Ausmaß an und verfärbte sich bedenklich blau. Bis Joachim Piller einschritt und aus dem Stegreif einen Juwelier organisierte, der Ring und Körperteil voneinander trennte.

Wesentlich unspektakulärer ist Pillers Arbeitsalltag auch nicht - er ist nach eigenen Angaben Mädchen für alles auf Burg Hohenzollern. Dieser Arbeitsplatz ist nicht nur umkämpfte Location für japanische und andere Heiratswillige. Die Burg auf einem Bergkegel zwischen Albtrauf und dem Städtchen Hechingen ist auch Stammsitz der gleichnamigen Dynastie, ikonische Projektionsfläche für Märchenschlossromantik, ein touristisches Pfund. 2000 Besucher kommen an einem durchschnittlichen Sommerferientag. Bis auf Heiligabend ist täglich geöffnet. Den Jahreskalender füllen zusätzlich Weihnachtsmarkt und Sternschnuppennächte.

Trubel ohne Ende? Piller hat bis auf gelegentliche Fingerrettungen wenig Kontakt zu den Gästen. Statt über den Rummel zu stöhnen, schwärmt er von der Erhabenheit des Ortes. Durch all die buntglasigen Fenster und von all den Balkonen sieht er Schnellstraßen und Industriegebiete in Spielzeugformat unter sich, in der Ferne Schwarzwald und Alb, Stuttgart und Rottweil. "Mich beeindruckt das immer wieder aufs Neue", sagt er. 855 Meter über Normalnull liegt der Burghof. Joachim Piller, 56, fährt seit 2010 die knapp zwei Kilometer lange Serpentinenstrecke hinauf. In seinem Erstberuf war er Maurermeister. In der jetzigen Anstellung muss er mitunter noch mehr Höhenmeter überwinden: Dann stapft er eine Wendeltreppe mit Drehwurmgarantie nach oben auf einen Turm, 120 Stufen, Piller ist der festen Überzeugung, es würden jedes Jahr mehr. Grund der Kraxelei: "Wenn der Chef kommt, muss ich die Fahne hissen."

Der Chef ist Georg Friedrich Prinz von Preußen und Oberhaupt des Hauses Hohenzollern. Mit seiner Familie lebt er in Potsdam. Besuche am Stammsitz erhalten durch Piller ein textiles Signal. "Das ist eine alte Tradition. Ich finde das super", sagt Piller. Bevor das Prinzenpaar anreist, schaut er danach, dass dessen Privaträume sauber und gut beheizt sind. Wie es darin aussieht? Würde Piller "selbstverständlich" nie weiterplappern. Er spricht seinen Chef mit Königliche Hoheit an. Auch das ist für ihn selbstverständlich.

Über den Prinzen findet er nur lobende Worte. Dass dieser immer grüße etwa. Dass er den Burg-Mitarbeitern gegenüber stets wertschätzend sei. Und dass er eine Bierflasche mit einem Feuerzeug aufbekomme, "wie jeder andere auch". Beim jährlichen Wohltätigkeitskonzert der Prinzessin Kira von Preussen-Stiftung ist der Prinz regelmäßig zu Gast. Es findet immer im Spätsommer im Grafensaal der Burg statt - und fordert mehr stimmungsvolle denn moderne Lichtverhältnisse. Für Piller gilt es dann wieder 276 Kerzen in Kronleuchtern zeitgenau getaktet anzuzünden. Eine Arbeit von knapp zwei Stunden - unter goldenen Decken, zwischen Schnörkeln und Ornamenten, Flitter und Opulenz.

Pillers Stellenprofil heißt eigentlich ganz unpompös "Schlossmeister", denn er hat die Schlüsselgewalt über die mehr als 300 Räume der Burg. Für Schatzkammer, Keller wie Friedhof. Wenn der Burghistoriker einen Silberteller benötigt, öffnet Piller die Vitrinen. Er putzt jahrhundertealte Schwerter, wachst den Boden, bis er adelsgeschlechtsgemäß glänzt, streut im Winter die Auffahrt, prüft nach Gewittern sämtliche Dächer auf Wassereinbrüche.

Doch einmal ging es in Pillers Job nicht nur um die Rettung eines einzelnen Ringfingers: Ein russischer Burgbesucher hatte sich ausdauernd betrunken und zum Schlafen niedergebettet - auf der Burgmauer. "Den musste ich ganz vorsichtig wecken, damit er nicht erschrickt und runterrollt", erinnert sich der Schlossmeister.

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