Förster Martin Neumaier ist wenig begeistert, dass Wanderer die rot-weißen Flatterbänder auf den Waldwegen rund um Burg Hohenzollern ohne Wimpernzucken ignorieren. Foto: Roth

Infolge der starken und lang anhaltenden Regenfälle Ende Mai und Anfang Juni kam es zu Hangrutschen an den Waldwegen rund um die Burg Hohenzollern. Viele davon sind gesperrt – Wanderer interessiert das laut Förster Martin Neumaier aber nur wenig.

„Auf die Fläche betrachtet, habe ich solch ein Ausmaß an Hangrutschen in meiner Zeit als Förster rund um die Burg Hohenzollern noch nicht erlebt“, blickt Martin Neumaier, Leiter des Forstreviers Alb der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, auf die Regenfälle Ende Mai und Anfang Juni zurück.

 

Und Neumaier weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er seit dem Jahr 1998 für den Privatwald rund um die Burg zuständig. Miterlebt hat er das Hochwasser im Jahr 2008 und das Unwetter im Jahr 2013.

Haarrisse, Risse, Versetzungen

Auch in diesem Mai und Juni hatte der Zollernalbkreis mit Hochwasser zu kämpfen: „Die Niederschläge waren ungewöhnlich“, sagt Neumaier. 40 Liter pro Tag habe es geschüttet – und das mehrmals hintereinander. Seine Erfahrung hatte ihm bereits das Gefühl vermittelt, dass Erdrutsche an der Burg möglich sind. Wenig später im Wald zeigten sich erste Haarrisse in den Wegen. „Am nächsten Tag waren das schon große Risse, wieder einen Tag später Versetzungen.“

Seither sind einige Wochen vergangen, das Wetter zeigt sich stabiler und Neumaier und sein dreiköpfiges Team haben Teile des insgesamt rund 20 Kilometer langen Wegenetzes wieder instand gesetzt. Noch sind aber einige Wege mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrt. Ein Hinweisblatt appelliert an Wanderer: „Weg infolge Starkniederschläge gesperrt. Nicht befahrbar. Fußgänger auf eigene Gefahr frei.“

Waldwege sind vorrangig für Bewirtschaftung gedacht

Wanderer interessiere Absperrbänder aber herzlich wenig. Am oberen Burgweg wurden diese weggerissen und liegen lose auf dem Boden, andere sind gar nicht mehr zu sehen. „Ich rege mich nicht mehr darüber auf“, erklärt Neumaier nur. Er betont: „Die Wege sind auf Privatgrund. Ich muss die Fußgänger und Radfahrer warnen.“ Und weiter: „Die Waldwege sind vorrangig für die Bewirtschaftung gedacht, nicht zum Wandern. Wir kümmern uns so schnell wie möglich.“

Denn: Die Absperrung hat nach wie vor ihren Grund. Bagger sind im Einsatz, verdichten Abbruchmaterial aus Felswänden der Steinbrüche, um die Wege wieder zu stabilisieren. Und auch die Hänge sind weiterhin matschig. Neumaier will weitere Rutsche nicht ausschließen. Dafür sei der tonhaltige braune Jura zu anfällig, die Böden mit Wasser gesättigt.

Schaden insgesamt auf 150 000 Euro beziffert

Dennoch gibt es weiterhin Wege, die passierbar sind. So der Mittlere Burgweg, der bereits vor Jahren nach einem Hangrutsch nicht mehr gerichtet wurde und nun Wanderern vorbehalten ist – für Fahrzeuge ist dort kein Durchkommen. Dazu kann der Weg von Stetten zur Hexenlinde begangen werden. Auch der Silberpappelweg ist frei.

Für Neumaier haben nun die Wege Priorität, auf welchen Lastwagen das Sturmholz, welches noch aus dem Vorjahr stammt, abtransportieren. Schließlich müsse das Fürstenhaus auch auf die Finanzen schauen. Ohne Geld können auch die Wege nicht saniert werden. Neumaier beziffert den Schaden der jüngsten Rutsche auf rund 150 000 Euro. Förderungen vom Land habe es in der Vergangenheit schon mal gegeben, bisher habe er aber noch nichts gehört. Und: „Angesichts der Holztransporte kann ich jetzt nicht warten“, hat Neumaier, der knapp 3000 Hektar Wald unter seinen Fittichen hat, Zeitdruck.

Wie in den Alpen: Krainerwand kommt zum Einsatz

Dass das Wegenetz um die Burg sein Steckenpferd ist, zeigt sich an den für die Sanierung auf jede Lage angepasste Herangehensweisen. An einer Stelle soll der Weg nach oben versetzt werden. Ein paar hundert Meter weiter wurde bereits ein Widerlager mit Geröll, welches von Eichenstämmen längs und quer stabilisiert wird, gebaut. Und in der Nähe von Boll auf dem Vogelnestrundweg kam gar eine Krainerwand – bekannt von Hangrutschen aus den Alpen – zum Einsatz. Dies ist eine etagenweise aufgebaute Holzgitterkonstruktion aus langen rund 25 Meter langen Weißtannenstämmen längs zum Hang, sowie kürzeren, quer zur Hangrichtung eingebauten Eichenstämmen, die mit dem Bagger zwei Meter tief in den Boden geschlagen wurden. Dieses Bauwerk kostet allein 20 000 Euro.

Hangrutsche „ein normales geologisches Ereignis“

Wichtig ist auch, dass die Büsche und Sträucher nicht zu weit in die Wege ragen: „Sonst trocknen diese nie“, kennt Neumaier das Problem. Dazu seien Gräben am Rande der Wege nötig, damit das Wasser ablaufen kann.

Noch sind Neumaier und sein Team mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Er sei indes privilegiert, auf drei Forstwirte zurückgreifen können. „Ich habe ein junges schlagkräftiges Team.“ Das wohl auch in Zukunft gefordert wird: „Hangrutsche an der Burg Hohenzollern wird es immer geben. Das ist ein ganz normales geologisches Ereignis.“