Der neue Zunftmeister Peter Seiler bekam bei seinem Einzug in die Ettenheimer Stadthalle viel Applaus. Foto: Decoux

Die ehrwürdige Reb- und Ackerbauzunft hat am Montag zu ihrem alle drei Jahre stattfindenden "Buredag" in die Ettenheimer Stadthalle eingeladen, um den neuen Zunftrat vorzustellen. Diese füllte sich mit mehreren hundert Gästen.

Ettenheim - Auch wenn schon Fasentszeit ist: Die schon 1503 gegründete berufsständische Reb- und Ackerbauzunft hat nichts mit Narrenzünften zu tun. Ein buntes Rahmenprogramm und treffliche musikalischer Begleitung durch die Ettenheimer Stadtkapelle sorgte am Montag aber trotzdem für gute Stimmung in der Halle.

Nachfolger erhält eine wohlgefüllte Kasse

Eingangs verabschiedete sich – stilgerecht im Anzug und mit schwarzem Zylinder – der bisherige Zunftmeister Thomas Kirn nach dreijähriger Amtszeit. Er übergab die wohlgefüllte Kasse mit leichtem Zuwachs an seinen Nachfolger. Der heißt Peter Seiler und kommt, wie es die alten Regularien wollen, aus Ettenheimweiler. Der Diplomingenieur kann auf sein Aufwachsen in einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb verweisen, ist also quasi von Kindesbeinen an dabei gewesen. Großbauer ist Seiler zwar keiner geworden, bewirtschaftet aber noch immer ein Stück Rebland, Felder und Wiesen mit 16 Bäumen und hält sogar einen Hahn mit 14 glücklichen Hühnern.

Am Sonntagmorgen nach traditionellem Kirchgang wurde Seiler im Gasthaus Lamm zum neuen Zunftmeister gewählt, ebenso wie seine vier neuen Beisitzer. Die stellten sich natürlich ebenfalls im schwarzen Anzug und mit Zylinder vor: Anja Kopp (Haustechnik-Firma), Axel Helle (Berufsschullehrer), Frank Broßmer (Baumschule und Pflanzenvertrieb) sowie Alexander Jäger (Hausmeister und Winzer).

Auch Bauernverband und Bürgermeister gratulieren

Klaus Dorner, Vorsitzender des Lahrer Kreisverbands vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), entbot in der Stadthalle Grüße: Die Zunft-Tradition möge noch lange so lebendig bleiben, das unterstütze der Bauernverband gerne. Auch Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz versicherte, dass der Gemeinderat auch künftig ein großes Herz für Wein- und Ackerbau habe, auch in den schwierigen Zeiten, in denen man mit Klimawandel und Landschaftsgefährdung zu kämpfen habe.

Die Breisgauer Weinprinzessin Carina Kratt aus Ettenheim durfte unter den Gratulanten nicht fehlen: Es gelte, die verbliebenen Rebflächen zu schützen, um weiterhin tollen Qualitätswein liefern zu können, betonte sie.

Für rasante tänzerische Bühnen-Einlagen sorgten zwischendurch zwölf junge Damen der Altdorfer "Dancing Company" und das nicht minder dynamische "Ballett Ett‘wieler". Der bisherige Zunftrat verabschiedete sich mit einem hintersinnigen Sketch über die unromantische Digitalisierung der Landwirtschaft samt Laptops im Kuhstall. Schließlich folgte kulinarische Höhepunkt für Hunderte Gäste des Zunftrate: das traditionelle Festessen "Lummel (Lendenbraten-Scheiben) mit Nudeln".

Zunftlade wird übergeben

Die heutigen – mehr als 450 – Mitglieder der Reb- und Ackerbauzunft sind zumeist keine Bauern und Winzer mehr wie im Gründungsjahr 1503. Aufgenommen wird heutzutage schon, wer der Landwirtschaft und dem Weinbau samt deren Traditionen nahe steht. Zur Zunfterneuerung alle drei Jahre gehört es auch, die alte Zunftlade nach Gottesdienst und dazugehörigem Frühstück per Pferdekutsche zur Übergabe vom alten zum neuen Zunftmeister zu transportieren – nicht ohne Zylinder, versteht sich. Dieses Jahr wird das am Sonntag, 29. Januar, geschehen.