Buntes Treiben auf dem Schäferlaufplatz. Foto: Fritsch

Wildberg hat wieder ein Königspaar: Dominik Fröschle aus Bad Wildbad und Nadine Mezger-Kleinbeck aus Gültlingen setzten sich am Sonntag bei den Wettläufen um die Schäferkronen durch.

Wildberg - Auf dem Schäferlaufplatz stellen sie sich auf, die jungen Schäfer und Schäferinnen. Konzentriert blicken sie auf die andere Seite der großen Wiese. Das 300 beziehungsweise 160 Schritte entfernte Ziel müssen sie schneller erreichen als die Mitbewerber um die Krone. Gleich werden sie barfuß um die Wette rennen, zehn Männer und acht Frauen. Um den gesamten Platz herum, sitzen und stehen die zahlreichen Zuschauer – gespannt, wer 2022 den Sieg erlaufen würde.

Als der Pferchmeister zu Pferd den Start freigibt, geben die jungen Männer und Frauen alles. So wie jeder an diesen vier Tagen des Wildberger Schäferlaufs. Wer tausende Besucher zu einem so großen, traditionsreichen Fest begrüßt, braucht viele helfende Hände, die das alles stemmen – von der Planung des gesamten Programms über das ausgeklügelte Sicherheitskonzept bis hin zur Bewirtung. In Wildberg leisten das vor allem die rund 1500 Ehrenamtlichen.

Historischer Festzug

Der Haupttag des Schäferlaufs ist der Sonntag: Die Stadtkapelle läutete ihn mit der Tagwache im Stadtgebiet ein. Anschließend trafen sich viele Interessierte vor dem Rathaus zum Schäferlaufmorgen. Tanz und Musik umrahmten die feierliche Begrüßung durch Bürgermeister Ulrich Bünger. Anschließend genoss man die Bewirtung entlang der Straße, bis nach und nach die rund 70 Gruppen des historischen Festzuges in der Oberstadt Aufstellung bezogen.

Als sie sich auf den Weg machten, waren die Straßen runter zum Schäferlaufplatz bereits gesäumt mit unzähligen Schaulustigen, die es kaum erwarten konnten, die bunten Gruppen – im vorderen Teil historische – zu bestaunen. Sie jubelten ihnen zu und die Gruppen jubelten zurück. Kinder strahlten über das ganze Gesicht, als sie die freundlichen Mitziehenden erblickten. Man war einfach froh, sich zu sehen, gemeinsam den Schäferlauf zu feiern.

Moderator Eberhard Fiedler

Beim Einlaufen auf dem Schäferlaufplatz wurden die Gruppen, von denen jede durch Organisator und Moderator Eberhard Fiedler würdig vorgestellt wurde, mit Applaus und Begeisterung empfangen. Ihre Ankunft und der gemeinsame Marsch "Unser Schwabenland", gespielt von rund 250 Musikern aller Kapellen, stimmte auf das Programm auf dem Schäferlaufplatz ein, das in den beschriebenen Wettläufen gipfelte. Zu Ehren des frisch gekrönten Königspaares führte die Trachtengruppe zur Musik der Stadtkapelle traditionell den Schäfertanz auf. Zuvor begeisterten auch die Wettläufe der Schäferkinder und der Wasserträgerinnen. Beim Hahnentanz fieberten die Zuschauer mit, wer denn wohl seinen Tanzpartner am höchsten heben kann. Beim Wildberger Lied und der Wildberger Polka stimmten viele lauthals mit ein.

Stolz auf den Schäferlauf

Bürgermeister Ulrich Bünger wies in seinem Grußwort auf den Hintergrund des Schäferlaufs hin: den Berufsstand der Schäfer in den Mittelpunkt zu rücken. Ohne die Schäferei sei die Naturlandschaft nicht so zu erhalten. Der Schäferlauf kombiniere Historie und Brauchtum mit dem Wunsch, die Schäferei zu stärken und ins Gespräch zu kommen, betonte der Rathauschef. "Wir sind stolz auf den Schäferlauf, seine Hintergründe und seine Bedeutung." Ein großes Anliegen war Bünger der Dank an alle Beteiligten, die mit ihrem Einsatz zum Gelingen des Schäferlaufs beigetragen haben. "Was wäre so ein Fest ohne die Unterstützung unserer Einwohner."

Staatssekretärin Sabine Kurtz zeigte sich beeindruckt vom Festzug sowie dem damit verbundenen großen ehrenamtlichen Engagement, dass dahinter steckt. Sie gratulierte der Stadt zur Aufnahme des Schäferlaufs in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Zudem betonte sie die Wichtigkeit der Schäferei an sich, denn Schäfer würden durch die Beweidung einen wertvollen Beitrag für Flora und Fauna leisten.

Der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes, Alfons Gimber, machte in seinem Grußwort auf die großen Probleme der Schäfer aufmerksam. Diese aufzuzeigen gehört auch zum Schäferlauf.

Zusammenspiel von Schäfer und Hütehund

Das spannende Zusammenspiel von Schäfer und Hütehund faszinierte am Samstag zahlreiche Interessierte. Die Sieger wurden beim Hütegelände am Sulzer Eck geehrt. Platz eins konnte sich erneut Herbert Schaible aus Aidlingen sichern. Platz zwei belegte Joshua Seeberger aus Adelsdorf, Platz drei Jonas Henninger aus Münsingen und Platz vier Matthias Abel aus Haiterbach.

Die Eröffnung des Schäferlaufs fand traditionell am Freitagabend mit einem Platzkonzert der Stadtkapelle unter Leitung von Achim Olbrich und dem Festspiel "Der Klosterschäfer und des Teufels Puppenspieler" statt. Vor vollem Haus überzeugten die Laiendarsteller auf der Bühne. In den letzten Wochen habe es in der Stadt gewuselt, stellte Bürgermeister Ulrich Bünger in seiner Begrüßung fest. Er bedankte sich bei allen Helfern. Sie haben in der Vorbereitung Unglaubliches geleistet.

In diesem Rahmen erhielten zwei mit dem Schäferlauf tief verbundene Wildberger eine Auszeichnung: Organisator Eberhard Fiedler bekam die Schäferschippe in Gold in Würdigung seines herausragenden persönlichen, ehrenamtlichen Engagements. Stadtschäfer Karl Bauer freute sich über die Schäferschippe in Bronze zur Anerkennung seiner persönlichen Leistungen in der Verbandsarbeit beim Landesschafzuchtverband sowie als Stadtschäfer.