Sicherheit ist ein viel diskutiertes Thema – wie zuletzt in Eutingen bei der Vorstellung des „Operationsplan Deutschland“.
Dass die Sicherheit in Deutschland – im Hintergrund der russischen Aggressionen – die Menschen in der Region interessiert, war spätestens beim Andrang in der Eutinger Turn- und Festhalle klar.
Der Konsens nach Oberstleutnant Veronika Müllers Vortrag: Deutschland befinde sich nicht im Krieg mit Russland, aber in einer Grauzone. Cyberangriffe und Sabotage-Akte stünden an der Tagesordnung und erforderten eine erhöhte Alarmbereitschaft.
Wie also umgehen mit dieser neuen Bedrohungslage? Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, hat auch jüngst der Landeskommandeur Baden-Württemberg, Michael Giss, in einem Interview vorgeschlagen, öffentliche Gebäude wie Parkhäuser zu Schutzräumen aufzurüsten und Bunker zu reaktivieren. Wie steht es in Horb um diese Idee?
Inge Weber, Horbs Pressesprecherin, stellt direkt klar: „In der Stadt sind derzeit keine öffentlichen Zivilschutz-Bunker ausgewiesen.“ In Einzelfällen würden im Stadtgebiet noch private Schutzräume existieren, diese seien jedoch erfahrungsgemäß entwidmet worden.
Das ist nichts Ungewöhnliches, denn der Zustand der Bunker ist deutschlandweit schlecht, berichtete der SWR schon 2022. Viel geändert hat sich seitdem nicht. Diesen Eindruck teilt auch die Stadtverwaltung in Horb.
„Nicht einsatzbereit“
„Die meisten Schutzplätze in Deutschland sind derzeit nicht einsatzbereit was Infrastruktur, Technik und Ausstattung betrifft.“ Öffentliche Schutzräume seien überwiegend in Großstädten und Ballungsräumen errichtet worden, die meisten von ihnen seit dem Kalten Krieg stillgelegt. 2007 habe die Bundesregierung angekündigt, sich aus dem Schutzraumkonzept zurückzuziehen, ergänzt Weber.
Pläne, andere öffentliche Gebäude zu Schutzräumen umzufunktionieren, gebe es nicht. Bund und Länder seien aber nach dem Angriffskrieg Russland damit beauftragt worden, eine Reaktivierung der Bunker zu überprüfen und bestehende öffentliche sowie Private Gebäude – speziell Tiefgarage und Keller – zu erfassen, fügt sie hinzu. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen noch 2025 bei den Kommunen vorliegen, erklärt die Pressesprecherin.
Neue Sirenen
Auch wenn es viel nachzuholen gibt, erste Schritte habe Horb bereits unternommen, so Weber. Sie verweist auf den Beschluss des Gemeinderats vom März 2024, der den flächendeckenden Ausbau eines Sirenennetzes vorschreibt. 25 Sirenen sollen kommen, der Aufbau von sechs habe bereits begonnen.
Auch ohne Bunker: Für den Ernstfall vorsorgen
Plötzliche Notsituation
Ein Unfall, Extremwetter oder Sabotage können die Leitungen für Strom, Wasser, Gas oder Mobilfunk beschädigen. Cyberangriffe können die IT-Systeme stören, zum Beispiel in Krankenhäusern, Versorgungswerken oder Supermärkten. Es kann dauern, bis alle Betroffenen Hilfe erhalten. In diesen Situationen entlastet Vorsorge.
Vorräte anlegen
Obst und Gemüse, Fleisch, und Fisch jeweils in Konserven, Trockenfleisch oder -wurst, sowie Nüsse, Zwieback oder Müsliriegel eignen sich gut.
Hausapotheke checken
persönliche Medikamente, Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel, Fieberthermometer, Pinzette, abschwellende Nasentropfen oder Nasenspray, Mittel gegen Erkältungsbeschwerden, Mittel gegen Durchfall, Erbrechen und Übelkeit, Elektrolyte zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlust, Brand-, Wund- und Heilsalbe, Hautdesinfektionsmittel, Wunddesinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, Pflaster und Verbandsmaterial, Verbandtuch für Brandwunden, Schere, Kühlkompresse, Abschwellendes und kühlendes Gel für kleinere Sportverletzungen, Mittel gegen Sonnenbrand und Insektenstiche.
Wichtige Dokumente
an einem Ort griffbereit aufbewahren, falls man schnell aus dem Haus muss: Familienurkunden (Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden) beziehungsweise Stammbuch. Im Original oder als beglaubigte Kopie: Sparbücher, Kontoverträge, Aktien, Wertpapiere, Versicherungspolicen, Renten-, Pensions- und Einkommensbescheinigungen, Einkommenssteuerbescheide. Qualifizierungsnachweise: Zeugnisse (Schulzeugnisse, Hochschulzeugnisse, Nachweise über Zusatzqualifikationen). Verträge und Änderungsverträge, zum Beispiel auch Mietverträge, Leasingverträge. Außerdem: Testament, Patientenverfügung und Vollmacht Als einfache Kopie: Personalausweis, Reisepass, Führerschein und Fahrzeugpapiere, Impfpass, Grundbuchauszüge, sämtliche Änderungsbescheide für empfangene Leistungen, Zahlungsbelege für Versicherungsprämien, insbesondere Rentenversicherung, Meldenachweise der Arbeitsämter, Bescheide der Agentur für Arbeit, Rechnungen, die offene Zahlungsansprüche belegen, Mitglieds- oder Beitragsbücher von Verbänden, Vereinen oder sonstigen Organisationen.