Könnten Tiefgaragen in Freudenstadt als Bunker dienen? Foto: Aleksandar Mitrevski

Die weltpolitische Lage ist instabil, die Rufe nach mehr Zivilschutz werden lauter. In Freudenstadt ist man sich des Ernstes der Lage bewusst. Wie geht die Stadt bei der Sicherheit vor?

Die Sicherheitslage in Europa hat sich verändert: Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine findet keine 2000 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze statt und hat auch hierzulande ein neues Bewusstsein für die Verteidigungsfähigkeit geschaffen.

 

Dass die Bundeswehr einen großen Nachholbedarf bei der Aufrüstung hat, zeigte sich erneut bei der hitzigen Debatte um die Wehrpflicht. Doch nicht nur in die Truppen muss investiert werden, auch beim Zivilschutz mangelt es an modernen Optionen.

Darauf machte kürzlich Michael Giss, Landeskommandeur von Baden-Württemberg, in einem Interview mit der Deutschen Presse Agentur aufmerksam. Darin schlägt er vor, Parkhäuser oder S-Bahn-Station aufzurüsten, damit diese im Ernstfall als Schutzräume für die Bevölkerung dienen könnten – nach dem Beispiel der Ukraine. Wie steht es in Freudenstadt um solche Schutzmöglichkeiten?

Keine Bunker sind einsatzbereit

Die Vorschläge des Landeskommandeurs sieht man in Freudenstadt als Antwort auf die begrenzten Schutzraumplätze in Deutschland. „Es braucht jedoch an dieser Stelle eine ganzheitlichere Betrachtungsweise. Deshalb sollte man jetzt keine Debatten über einzelne Gebäudetypen im Detail führen“, heißt es vonseiten der Verwaltung auf Anfrage unserer Redaktion. Bunker in Freudenstadt seien, wie überall in Deutschland, „nicht mehr einsatzbereit für die Anforderungen der heutigen Zeit“.

Vor Ort gebe es auch zurzeit keine Planungen, andere Gebäude zu Schutzräumen umzufunktionieren. Ausführliche Konzepte aus höheren politischen Ebenen seien für die Kommunen bisher auch nicht bekannt. Nur punktuelle Ansätze, wie im Jahr 2024. Im Sachstandsbericht zur Entwicklung eines modernen Schutzraumkonzeptes für die Innenministerkonferenz seien Möglichkeiten im privaten Bereich, wie etwa Hausschutzräume, besprochen worden.

Wird der Zivilschutz finanziell berücksichtigt?

In Freudenstadt werde der Bevölkerungsschutz bei den kommunalen Bauprojekten mitbedacht. Wie auch beim aktuellen Bau des neuen Feuerwehrzentrums, beteuert die Stadtverwaltung.

Übungen der Einsatz- und Rettungskräfte sowie eine Modernisierung der Fahrzeuge und Ausstattung der Feuerwehren würden ebenfalls zur Sicherheit beitragen. Das Thema Feuerwehr sei „ohnehin eine dauernde Aufgabe der Kommunen“.

Auf den Krisenfall vorbereitet

Nach der Energiekrise in Folge des Ukrainekriegs habe die Stadt Freudenstadt Investitionen getätigt und verschiedene Szenarien entwickelt. Dazu gehören unter anderem Satelliten-Telefone oder mobile Notstromaggregate.

Die Verwaltung und die Feuerwehr seien dadurch auch im Krisenfall mit Strom, Treibstoff und Verpflegung versorgt. Auch die Stadtwerke hätten Vorkehrungen getroffen, um die Versorgung mit Strom und Trinkwasser zu gewährleisten.

Bedrohungslage wird ernstgenommen

Die Bedrohung schätze die Verwaltung in Freudenstadt seit dem Ukrainekrieg als „sehr präsent in Europa“ ein. Strategien und Maßnahmen würden auf den höheren Ebenen entwickelt.

Für die Kommunen hätten sich dadurch aber noch keine Handlungsanweisungen abgeleitet. „In Zukunft besteht jedoch Handlungsbedarf“, so die Verwaltung abschließend.