Reservisten der Bundeswehr bei einer Übung Foto: dpa/Christoph Schmidt

Der Reservistenverband fordert eine Verdreifachung des Personals und regelmäßige Übungen. Das ist richtig, denn Deutschland sollte seine Lehren aus dem Ukraine-Krieg ziehen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist Krieg wieder eine Realität in Europa – und es sieht nicht danach aus, als ob sich das bald ändern würde. Der russische Machthaber Wladimir Putin macht deutlich, dass sein Eroberungshunger noch längst nicht gestillt ist. In der Ukraine beharrt er auf seinen Maximalzielen. Er droht offen Finnland und Lettland. Und dass man ihn beim Wort nehmen sollte, hat er in der Vergangenheit gezeigt.

 

Doch noch immer tut sich in Deutschland zu wenig, um das zu erreichen, was Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) richtigerweise als „Kriegstüchtigkeit“ bezeichnet. Dies betrifft die Ausstattung der Bundeswehr mit Personal und Material. Beides hat noch nicht den erforderlichen Stand erreicht.

Insofern ist es richtig, wenn der Reservistenverband der Bundeswehr fordert, dass die Zahl der Reservisten auf rund 100 000 verdreifacht wird.

Der Reserve käme im Konfliktfall wichtige Aufgaben zu. Sie bewacht kritische Infrastruktur, hilft bei der Logistik und garantiert das, was man „Durchhaltefähigkeit nennt“: dass man eigene Verluste gleichwertig ersetzen kann. In der Ukraine sieht man, dass das Militär immer stärker auf untrainierte Männer zurückgreifen muss. Hier sollte Deutschland seine Lehren ziehen. Die Reserve aufzuwerten, ist eine davon.

Gefahr erwächst nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche. Sie kann einen Aggressor zum Angriff verleiten – jedenfalls wenn man es mit einem skrupellosen Diktator wie Wladimir Putin zu tun hat. Der beste Krieg ist der, den man nicht führt. Doch genau dafür muss man gerüstet sein. Es wird Zeit, dass Deutschland dies versteht.