Die Bundeswehr will ein Teleskopsystem auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes bei Meßstetten aufbauen. So läuft das Projekt.
Die Bundeswehr erhält ein neues Teleskopsystem, das auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Heuberg bei Meßstetten aufgebaut werden soll. Das hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr – kurz Beschaffungsamt – in Koblenz bekannt gegeben.
Die Türme samt Kuppeln, die die Teleskope beherbergen, werden etwa acht bis elf Meter hoch sein – und werden in Teilen auch für die Bürger zu sehen sein.
Die Teleskope gehören zum künftigen System zur Weltraum-Überwachung, mit der die Bundeswehr Objekte im Weltraum beobachten und verfolgen wird. Damit baut sie ihr Ziel aus, eine möglichst vollumfängliche Weltraumüberwachung zu realisieren.
Auf dem Heuberg passen Rahmenbedingungen am besten
Warum aber in Meßstetten? „Für die Teleskope standen ursprünglich vier Bundeswehrstandorte zur Auswahl“, erklärt ein Sprecher des Beschaffungsamtes auf Anfrage. „Meßstetten wurde ausgewählt, da dort die Rahmenbedingungen für die Errichtung der Teleskope hinsichtlich Höhe, gegebener Infrastruktur, der Lichtverschmutzung und weiterer Faktoren am geeignetsten waren.“ Die Stadt wurde bisher nicht in die Planung involviert, was wohl weiterhin der Fall sein wird, da es sich um einen bundeswehreigenen Standort handelt.
Die Teleskope erfassen einen Bereich zwischen der niedrigen Erdumlaufbahn und dem „geostationären Orbit“ – also einen Bereich in etwa 400 bis zu 36 000 Kilometern Höhe. Die Daten werden an das Weltraum-Lagezentrum in Uedem in Nordrhein-Westfalen weitergeleitet.
Von dort aus werden die Teleskope per „Remote-Control“ ferngesteuert, das heißt: Es wird kein Bedienpersonal vor Ort sein. Dennoch steht ein Ansprechpartner etwa bei technischen Defekten zur Verfügung.
Risiko Weltraumschrott
Mit weiteren Daten bewertet das Lagezentrum mögliche Risiken – zum Beispiel Weltraumschrott, der Satelliten treffen könnte, der Wiedereintritt von Objekten in die Erdatmosphäre, die ein mögliches Risiko für Menschen und Infrastruktur bergen könnten, sowie Sonnenaktivitäten.
Wird ein Objekt als kritisch eingestuft, regiert das Weltraum-Lagezentrum
Sollte sich ein Objekt als potenziell kritisch herausstellen, wird das Weltraum-Lagezentrum in Uedem aktiv: Es erstellt einen nationalen Objektkatalog und gibt Warnungen an Bundes- oder Landesbehörden sowie Betreiber von Satelliten weiter, damit diese reagieren können.
Neu ist auch, dass die notwendige Infrastruktur erstmals über den Beschaffungsvertrag mit abgedeckt ist. „Normalerweise kümmern wir uns lediglich um die Beschaffung von Radaren zum Beispiel“, sagt der Sprecher. In diesem Fall aber übernimmt das Amt die Beschaffung der Teleskope sowie die Errichtung der Türme und weiterer Infrastruktur.
Teleskop-Projekt wird aus Sondervermögen der Bundeswehr finanziert
Über die Kosten hält sich der Sprecher aus vertraglichen Gründen zurück. Finanziert wird die Maßnahme aus dem Sondervermögen der Bundeswehr. Sie soll bis Ende 2025 abgeschlossen sein.
Wann mit dem Bau begonnen werden soll, ist unklar. „Die Details zur Bauplanung obliegen dem Hauptauftragnehmer steep GmbH“, gibt der Sprecher Auskunft. Die Systeme selbst werden – nachdem sie getestet wurden – voraussichtlich ab 2026 an das Weltraum-Kommando der Bundeswehr übergeben.