In Afghanistan hat die Bundeswehr den Ruf etabliert, ihre Ortskräfte im Stick gelassen zu haben. Foto: imago images//Nicholas Guevara

Die Bundeswehr muss auch für die humanitären Aspekte ihrer Einsätze mehr Verantwortung übernehmen, meint unser Autor Norbert Wallet

Über 9000 Menschen, die bereits eine Aufnahmezusage der Bundesrepublik erhalten haben, warten noch immer in Afghanistan auf ihre Evakuierung. Viele dieser Menschen leben in einer Extremsituation aus Angst vor Drangsalierung und schwindender Hoffnung auf Hilfe. Sie sind in der deutschen Debatte aus dem Blick geraten.

 

Für Mali gibt es noch nicht einmal ein Konzept.

Die Ortskräfte in Mali, wo der Bundeswehreinsatz ausgesetzt ist, sind noch gar nicht erst in den Blick gekommen. Dort betrifft das Problem eine kleinere Gruppe von Menschen, aber es ist dadurch nicht weniger dringlich. Es gibt überhaupt kein Konzept für ihre Aufnahme. Das ist eine Schande. Bundeswehreinsätze sind eben nicht in erster Linie strategische Operationen. Sie sollen Leid lindern, aber sie schaffen auch bindende humanitäre Verpflichtungen.

Hilfe ist notwendig und muss schnell kommen.

Wenn schon kein anderer Gedanke verfängt, sollte sich die deutsche Politik fragen, wer denn noch bei Auslandseinsätzen mit der Bundeswehr zusammenarbeiten will, wenn sie erst einmal den Ruf etabliert hat, ihre Partner, ob Ortskräfte oder Menschenrechtler, im Stich zu lassen. Es ist eigentlich erbärmlich, dass diese bloße Klugheitserwägung herangezogen werden muss, um Akte einfachster Menschlichkeit zu begründen.

Egal, Hilfe ist notwendig und sie muss schnell kommen. Wenn oft von der Übernahme größerer Verantwortung durch die Bundeswehr gesprochen wird, gilt das eben auch für die humanitären Aspekte ihrer Einsätze.