Das neue Besucherzentrum des Kommando Spezialkräfte in Calw. Das Besucherzentrum soll für eine transparentere Öffentlichkeitsarbeit des KSK im Nachgang der Extremismusfälle sorgen und einer besseren Integration des KSK in der Bundeswehr und in der Gesellschaft beitragen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Seit 26 Jahren ist das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw beheimatet. Dieser "Unit Day" am 20. September wurde mit der Eröffnung des Besucherzentrums gefeiert. Dieses soll Soldaten und Bevölkerung einander näherbringen – und ist Teil eines Plans gegen Rechtsextremismus.

Calw - Für die Menschen in und um Calw ist das KSK allgegenwärtig. Man trifft Soldaten in Uniform beim Einkaufen, man sieht sie am Himmel während ihrer Übungen beim Fallschirmspringen, man hört ab und zu auch, wie auf dem Kasernengelände geschossen wird. Viele der Elite-Soldaten leben in der Region. Sie sind Nachbarn, Freunde oder Vereinskameraden.

Was das KSK aber genau macht, das weiß keiner so genau. Denn Geheimhaltung gehört bei der Eliteeinheit dazu. Ab und an erfährt man aus den Nachrichten, wo die Soldaten im Einsatz sind. Zuletzt war das vergangenes Jahr in Kabul der Fall. Das KSK half bei der Evakuierung von Ausreiseberechtigten aus dem von den Taliban überrannten Land.

Auf dem Prüfstand

Aber es gab in der jüngeren Vergangenheit auch immer wieder negative Schlagzeilen. Verschwundene Munition, privat gehortete Waffen oder Hitlergrüße auf Feiern – manche sahen und sehen bei den Kommandosoldaten ein systemisches Problem mit Rechtsextremismus. Ein Vorwurf, der die Politik aktiv werden ließ. Das KSK kam auf den Prüfstand. Die zweite Kompanie wurde aufgelöst. Zeitweise stand sogar die Auflösung des ganzen Kommandos im Raum.

Vor zwei Jahren dann stellte das Verteidigungsministerium einen 60-Punkte-Reformplan "zur Verhinderung rechtsextremistischer Tendenzen im KSK" vor. Dazu gehörten Maßnahmen in den Bereichen Struktur, Dienstaufsicht, Personalgewinnung, Werdegänge, der Umgang mit Verdachtsfällen oder die Prävention. Auch das Besucherzentrum war ein Punkt dieses Planes. Dadurch sollen sich Bevölkerung und Soldaten näher kommen, Mythen und Klischees sollen entkräftet werden.

Seinen Ursprung nahm es in einer Idee des Calwer Oberbürgermeisters Florian Kling. Dass Bundeswehr und Gesellschaft näher zusammenrücken müssen, betont er immer wieder. Ein Besucherzentrum sei dafür der richtige Ort, meinte er bei dessen Eröffnung am Dienstag. Seine Idee schilderte er damals dem Verteidigungsministerium. Und das nahm es in den Reformplan auf.

Gesellschaftlicher Diskurs

"Die Übergabe des Besucherzentrums markiert die letzte noch offene Maßnahme des 60-Punkte-Planes", so der KSK-Kommandeur Ansgar Meyer. Aber der Prozess sei damit noch nicht fertig. Er müsse weiterhin evaluiert und angepasst werden. Nach einem "sehr intensiven" ersten Amtsjahr könne er aber sagen, dass die Reformen wirken. Das Besucherzentrum solle "so viel Transparenz wie möglich und zulässig" bieten. Und es solle ein Ort sein, an dem ein gesellschaftlicher Diskurs stattfindet.

"Man muss die Öffentlichkeit transparent informieren", meinte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn. Bei dem Einsatz in Kabul habe das gut funktioniert. Die Ausstellung solle eben solche Fragen beantworten. "Wir müssen mit dem KSK, nicht über das KSK sprechen", so die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD). Und diese Diskussionen seien im Besucherzentrum möglich. Auch sie betonte, dass der Reformprozess noch nicht abgeschlossen sei.

Geladene Gäste

Die etwa 100 geladenen Gäste wurden schließlich durch den 3,5 Millionen Euro teuren Neubau geführt. Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Im ersten geht es um den Charakter der Parlamentsarmee. Aber hier wird auch auf die Skandale der vergangenen Jahre – und was man daraus gelernt hat – eingegangen. Der zweite Teil widmet sich der Ausrüstung der Soldaten. Allerlei militärisches Gerät steht dort herum. Kernstück ist der Rumpf eines CH-53 Hubschraubers in dessen Innern ein Film läuft. Hier erzählen Soldaten von einem realen Einsatz. Der dritte Teil dreht sich um die Soldaten als Menschen und was eben diese Einsätze mit ihnen machen. Den Gästen gefiel die Ausstellung jedenfalls gut.

Für die Allgemeinheit ist das Besucherzentrum ab sofort geöffnet (Info). Aktive Soldaten führen bei Bedarf durch die Ausstellung. Fragen, auch kritische, seien erwünscht, heißt es bei der ersten Führung immer wieder. Auch so will das KSK einen engeren Kontakt zwischen Bevölkerung und Soldaten ermöglichen.

Info: Öffnungszeiten

Das Besucherzentrum (Graf-Zeppelin-Straße 22, Calw) hat donnerstags von 10 bis 18 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Am heutigen Mittwoch hat es einmalig von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es befindet sich außerhalb des Kasernengeländes. Der Eintritt ist frei. Gruppen ab zehn Personen sollen sich vorher anmelden. Weitere Infos gibt es unter www.ksk-besucherzentrum.de.