Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Besuch in Estland Foto: dpa/Kay Nietfeld

Bei der Beschaffung neuer Funkgeräte für die Bundeswehr läuft einiges schief. Der Verteidigungsminister muss sich beweisen, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Wer sich ein neues Paar Schuhe kauft, achtet in aller Regel darauf, dass sie die richtige Größe haben. Die Schuhe sollen nicht scheuern und nicht rutschen. Warum muss man auf so eine Selbstverständlichkeit hinweisen? Weil man sie bei der Bundeswehr offenbar nicht voraussetzen kann. Das jedenfalls ist der Eindruck, den man bekommt, wenn man sich den Beschaffungsvorgang für die neuen Funkgeräte ansieht. Es stellt sich nun heraus, dass die bestellten Geräte offenbar nicht in die dafür gedachten Fahrzeuge passen und manche Fahrzeugtypen nicht genug Strom für die Funkgeräte liefern können.

 

Zwar sollte man nicht unterschätzen, wie anspruchsvoll ein solche Umrüstung ist. Ein neues Gerät in ein jahrzehntealtes Fahrzeug einzubauen, ist nicht trivial. Doch in diesem Fall, scheint tatsächlich sehr viel schief gegangen zu sein. Einen Auftrag zu vergeben, ohne dass grundlegende Details geklärt sind, wirkt fahrlässig. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat zwar recht, dass dieser Auftrag vor seinem Amtsantritt erfolgte. Doch dass die Probleme mit den Funkgeräten nicht früher gemeldet wurden, spricht für eine schlechte Begleitung des Projekts durch die Amtsleitung.

Apropos Pistorius: Seit er im Amt ist, hat man sich fast daran gewöhnt, dass es keine Meldungen über so offensichtliche Fehlplanungen bei der Bundeswehr mehr gibt. Doch alte Gewohnheiten legt man in Beschaffungsamt und Ministerium offenbar nur schwer ab. Der Verteidigungsminister hat sich bislang als Erneuerer präsentiert, wollte mehr Geschwindigkeit und eine neue Fehlerkultur bei der Bundeswehr einführen. Mit markigen Auftritten verschaffte er sich zudem Respekt bei der Truppe. Nun ist es an Pistorius, den Erwartungen gerecht zu werden, die er auf diese Weise geweckt hat. Er muss sich als Krisenmanager im Klein-Klein der Beschaffung beweisen. Eine echte Bewährungsprobe.