Den Fragen von IHK-Vizepräsident Thomas Lindner und Matthias Miklautz haben sich Thomas Bareiß, Johannes Kretschmann, Stephan Link und Robin Mesarosch bei einem Wahlpodium der IHK per Zoom gestellt. Screenshot: Hertle

Einen informativen Austausch zwischen Wirtschaft und Politik hat das Podium der Industrie- und Handelskammer Reutlingen mit vier Bundestagskandidaten geboten. Die Themen variierten zwischen regionalen und lokalen Themen und großen globalen Fragen.

Zollernalbkreis - Thomas Bareiß (CDU), Johannes Kretschmann (Grüne), Stephan Link (FDP) und Robin Mesarosch (SPD) stellten sich den Fragen von Matthias Miklautz, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Zollernalb, Diana Alam und IHK-Vizepräsident Thomas Lindner, Vorsitzender des IHK-Gremiums Zollernalb. Der ebenfalls eingeladene AfD-Bewerber Nicolas Gregg hatte krankheitshalber abgesagt.

Auf den Zahn gefühlt

Lindner wünschte sich eingangs, "dass die Politik aus der Berliner Blase heraus die Realitäten in den Regionen wahrnimmt". Miklautz fühlte den Kandidaten auf den Zahn mit der klassischen Frage bei Bewerbungsgesprächen, was die Vier qualifiziert als Bundestagsabgeordneten. Da führte Bareiß sein Studium und seine Tätigkeit bei einem namhaften Textilhersteller an, seine 23 Jahre im Gemeinderat Meßstetten, seine Arbeit als Staatssekretär in Berlin und die guten Kontakte zu Unternehmen und der IHK.

Johannes Kretschmann näherte sich dem Thema aus einer anderen Perspektive, dem Studium in Berlin, aber auch der Tätigkeit als Grünen-Fraktionsvorsitzender im Sigmaringer Kreistag und der aktiven Mitarbeit in der Musikkapelle Laiz. Link hob seine Arbeit als Berufsschullehrer hervor, Mesarosch seine Kenntnisse in "Social Media" oder die Referententätigkeit bei Martin Schulz und Außenminister Heiko Maas.

Auseinander gingen die Meinungen beim Thema Straßenausbau. Während Kretschmann der Meinung war, Ausbaupläne wie für die B 463 gehörten nochmals auf den Prüfstand, setzten sich die drei anderen Bewerber vehement für eine bessere Anbindung des Zollernalbkreises an die großen Verkehrslinien ein. Bareiß war der Meinung: "Die Elektrifizierung der Zollernbahn muss weitergehen bis Sigmaringen und Aulendorf." Stuttgart 21 biete große Chancen gerade für die südlichen Regionen.

Beim Thema Breitband bemängelte Mesarosch die überlangen Planungszeiten; es gebe zu wenig Ingenieure und Planungsbüros für Infrastrukturmaßnahmen. Link forderte, die Digitalisierung zur Chefsache zu erklären, etwa mit einem eigenen Ministerium.

Energiewende größte Herausforderung

Die Energiewende nannte Bareiß "eine der größten Herausforderungen". Es brauche noch andere Energieträger, Leitungen und Stromspeicher. Kretschmann kritisierte die "Selbstzufriedenheit" seitens der CDU. Um etwas zu erreichen, etwa mehr Windkraft, "muss man mit den Leuten schwätzen". Er mahnte mit Blick auf drastische Klimaänderungen: "Uns rennt die Zeit davon."

Beim Thema Steuern sagte Mesarosch: "Deutschland hat hohe Steuern, bietet aber auch viel." Immerhin müssten Infrastrukturmaßnahmen, Bildung und Klimaschutz finanziert werden. Bareiß will "eine Politik für den normalen Bürger", der "mehr Geld in die eigene Tasche" bekommen solle. Link mahnte, dem Mittelstand nicht noch stärker zu belasten. Mesarosch wollte, dass Unternehmen "faire Steuern" zahlen.

Johannes Kretschmann nannte als eines der Hauptprobleme die "mangelnde Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen", und Bareiß verwies auf dicke Gutachten für alles und jedes, die vorgeschrieben seien. Von Groz-Beckert-Chef Lindner angesprochen auf seinen "etwas mäandernden Lebenslauf", verwies Kretschmann auf die "Macht des Wortes", die ihn qualifiziere. Das von Miklautz straff moderierte Gespräch streifte auch die Flüchtlingspolitik, die Frage nach möglichen Koalitionen – Link: "Ampel und Jamaika", Bareiß: "Schwarz-Gelb" – und die Sicherheit in Europa.

IHK-Präsident Christian O. Erbe warnte abschließend vor einer möglichen dauerhaften Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Deutschland weg, sollten entsprechende politische Entscheidungen getroffen werden.

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