Die 48-jährige Asli Kücük geht für die Grünen im Wahlkreis Tübingen-Hechingen ins Rennen um das Bundestagsmandat. Sie sagt: „Je mehr Menschen sich ein Verkehrsmittel teilen, desto besser.“ Auch stellt sie die Frage, wie viel Wohnraum angemessen ist.
Es ist ein sonniger Vormittag auf dem Obertorplatz. Das Wetter wirkt wie bestellt für die Direktkandidatin der Grünen, die eine Sonnenblume im Parteilogo haben. Am Stand von Asli Kücük, die für den Bundestag kandidiert, herrscht reger Andrang. Besucher des Wochenmarkts laufen vorbei, manche kritisch blickend, andere wollen mit Kücük ins Gespräch kommen.
Migration
Das Thema Zuwanderung ist präsent. „Dass so viele auf einmal gekommen sind, hat uns alle sehr herausgefordert“, sagt Kücük. Sie spricht in diesem Zusammenhang vom Mangel an Wohnraum, weshalb es aus ihrer Sicht sinnvoll war, die Unterbringung dezentral zu organisieren. Ziel müsse sein, dass diese Menschen schneller in Arbeit kommen, dass Integrations- und Sprachkurse zuverlässig angeboten werden. Die Menschen, die nach Deutschland kommen, könnten hier schließlich nur ankommen, wenn sie Kontakte knüpfen und sich mitteilen können.
Ihre Verbesserungsvorschläge: Die behördlichen Strukturen müssten so weit zentralisiert werden, dass der bürokratische Prozess aus einer Hand kommt und nicht ein Fall durch die Hände so vieler verschiedener Behörden gereicht wird. Wer dort arbeitet und beispielsweise Arbeitsvisa ausstellt, „muss englisch können“.
Wohnungsnot
Die Unterbringung rückt ein weiteres Thema in den Fokus, nämlich die schwierige Lage am Wohnungsmarkt. Man müsse generell bedenken „wie wir wohnen“ – nicht nur im Hinblick auf Migration. Kücük: „Wenn zwei Personen auf 200 Quadratmetern leben, selbstverständlich haben wir dann ein Wohnraumproblem.“ Kritisch sieht sie, wenn immer mehr Neubauten immer mehr Boden versiegeln (ohne den vorhandenen Wohnraum effizient zu nutzen).
Bundesstraße 27
Boden wird auch durch den vierstreifigen Ausbau der Bundesstraße 27 von Bodelshausen bis Nehren versiegelt. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen und der nächste logische Schritt wäre die Planung des Schindhaubasistunnels als Umgehung des Nadelöhrs Tübingen. Kücük: „Das muss mit Beteiligung der Bürger besprochen werden.“
Die Frage sei doch, ob der Ausbau der Bundesstraße vor dem Hintergrund des Ausbaus der Regionalstadtbahn noch notwendig sei – geplant ist dabei der Bau eines zweiten Gleises von Tübingen bis Albstadt. Kücük: „Je mehr Menschen sich ein Verkehrsmittel teilen, desto besser.“ Dem entsprechend sind Fahrgemeinschaften, gut ausgebaute Radwegenetze, gute und zuverlässige Taktung öffentlicher Verkehrsmittel wichtig für sie.
Kücük stellt klar: „Ich bin ein großer Fan von Windkraft.“ Die Windenergie „macht uns unabhängig von autokratischen Staaten“. Sie sei „felsenfest überzeugt“ von der Stromerzeugung mit Wind und Sonne. Neue Atomkraftwerke bauen? „Das macht keinen Sinn“, sagt Kücük vehement und sie wirft ein, dass nach wie vor niemand wisse, was man mit dem Atommüll machen soll.
Sozialpolitik
Anreize zum Arbeiten zu schaffen, findet Kücük wichtig. Für Menschen über 50 Jahren müsste der Arbeitsmarkt attraktiv bleiben, oft heiße es, diese Gruppe sei „zu teuer und zu alt“. Das Rentenniveau müsse man aufrechterhalten. Kücük: „Wir müssen schauen, wie wir die Finanzierung der Rente machen.“ Dazu tragen natürlich Unternehmen bei, deren Leistungsfähigkeit aufrechterhalten werden müsse. Und sie sagt im Hinblick auf die Besteuerung auch: Wer mehr Geld hat, müsse „mehr zahlen“. Wer weniger Geld habe, weniger.
Zur Person
Privates
Die 48-jährige Asli Kücük war 15 Jahre lang geschäftsführende Inhaberin in der Gastronomie tätig. „Mir musste niemand erlauben, hart zu arbeiten. Und so sollten wir es auch mit den Menschen halten, die neu zu uns kommen“, so Kücük. Sie fungiert als Kreisvorsitzende der DEHOGA und ist selbstständige Referentin für Demokratiebildung und Extremismusprävention. Kücük stammt ursprünglich aus Lörrach.
Politisches
„Ich mag nicht, wenn ich ohnmächtig vor Wänden stehe“, sagt Kücük über ihre Motivation, für den Bundestag zu kandidieren. Sie gehört dem Kreistag und dem Tübinger Stadtrat an. An den „Knackpunkten“ wolle sie arbeiten, die „uns auf kommunaler Ebene im Weg stehen“. Bei der Bundestagswahl 2021 fungierte sie als Wahlkampfleiterin für ihren Amtsvorgänger Christian Kühn.