Bürgermeister Patrick Haas und seine Lebensgefährtin Nele Schmalbach sind bei der Bundestagswahl in Hüfingen als Wahlhelfer dabei – und spüren einen großen Andrang von Wählern. Foto: Bernhard Lutz

Thorsten Frei und seine Partei legen in Hüfingen deutlich zu. Die AfD verdoppelt ihren Stimmanteil fast.

Gegen 21 Uhr endet ein langer Wahlsonntag in Hüfingen. Am späten Abend sind die letzten Stimmen in der Stadt ausgezählt und gemeldet. Bundesweit berichtet das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap in den ersten Prognosen über eine historisch hohe Wahlbeteiligung von 84 Prozent. Auch in Hüfingen hat Bürgermeister Patrick Haas zumindest einen großen Andrang gespürt. Genaue Zahlen wusste er am Abend noch keine, kam Haas doch gerade selbst erst aus dem Wahllokal, in dem er als Helfer noch Stimmen ausgezählt hat.

 

In weiten Teilen sind die Stimmen aus Hüfingen ein Spiegelbild der bundesweiten Stimmung. Großer Gewinner bei den Erststimmen ist wie erwartet der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei. Er konnte sein Ergebnis im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 um fast fünf Prozent auf 47,6 Prozent steigern. Dahinter rangiert nun Sebastian van Ryt von der AfD mit 20,9 Prozent.

Derya Türk-Nachbaur von der SPD bekam mit 13,9 Prozent die drittmeisten Stimmen. Sie bleibt damit knapp hinter ihrem Ergebnis von 2021 zurück. Marin Juric von den Grünen folgt dahinter mit 5,9 Prozent vor Mark Hohensee von der FDP (4,1 Prozent) und Alexandra Hermann von der Partei Die Linke (4 Prozent).

Thorsten Frei zeigt große Präsenz im Bezirk

„Das Ergebnis von Thorsten Frei ist schöner Ausdruck seines Einsatzes“, sagt Markus Leichenauer, CDU-Fraktionssprecher im Hüfinger Gemeinderat. Frei zeige eine große Präsenz im Bezirk, obwohl er auf Bundesebene stark eingebunden sei. Leichenauer freut sich auch über das Gesamtergebnis der CDU in Hüfingen. Mit 36,4 Prozent der Zweitstimmen liegt die Partei deutlich über dem Bundesergebnis und konnte sich im Vergleich zu 2021 wieder steigern (damals 29,1 Prozent). „Es ist schön zu sehen, dass wir hier so gut abgeschnitten haben“, so Markus Leichenauer.

„Das Ergebnis von Thorsten Frei ist schöner Ausdruck seines Einsatzes“, sagt CDU-Fraktionssprecher Markus Leichenauer. Foto: CDU

Regelrecht abgeschmiert ist die SPD in Hüfingen. Ähnlich wie im Bund müssen die Sozialdemokraten auch hier herbe Verluste hinnehmen. Mit nur noch 10,2 Prozent halbiert sich der Stimmanteil der SPD im Vergleich zum Jahr 2021 nahezu. „Es ist ein hochgradig enttäuschendes Ergebnis für die SPD“, sagt die Fraktionssprecherin im Gemeinderat, Kerstin Skodell, zum Ergebnis. Sie hatte sich auch im Bund mehr erhofft als nur knapp 16 Prozent.

„Man muss sich in der SPD jetzt neu ordnen. Von Grund auf müssen wir in uns gehen und schauen, wie wir uns neu aufstellen.“ Das gehe für sie auch dann, wenn die Bundespartei als Juniorpartner in eine Koalition mit der Union ginge. Lokal habe die bundespolitische Lage das Ergebnis der Partei heruntergezogen, so Kerstin Skodell weiter. Das zeige auch, dass Derya Türk-Nachbaur nicht so deutlich hinter ihrem 2021er-Ergebnis zurückblieb, wie die Partei: „Ich habe große Hochachtung vor Derya Türk-Nachbaur, die einen tollen Wahlkampf bestritten hat.“

Starkes Abschneiden der AfD bereitet Skodell Sorgen

Sorgen bereitet Kerstin Skodell das starke Abschneiden der AfD in Hüfingen. Ähnlich wie im Bund hat die Rechtsaußen-Partei auch hier ihren Stimmanteil von 11,7 Prozent auf 23,3 Prozent nahezu verdoppelt. „Wenn man sieht, was für Stimmen die AfD hier erzielt hat, ist das besorgniserregend. Ich glaube, das beschäftigt heute Abend jeden.“ Sie sagt, die Kommunalpolitik müsse nun noch mehr ins Gespräch mit den Menschen gehen und deutlich machen, was unsere Demokratie bedeute.

Bemerkenswert findet das starke Abschneiden der AfD auch Michael Steinemann, der Fraktionssprecher des Freien Forums. Obwohl es vor Ort keine AfD-Vertreter gibt, konnte sich die Partei auch in Hüfingen deutlich steigern. Die Grünen fielen auf 9,8 Prozent der Zweitstimmen in Hüfingen, die FDP bekam 5,7 Prozent, knapp vor dem BSW mit 5,5 Prozent. Die Linke konnte ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 von zwei auf 4,8 Prozent mehr als verdoppeln.

Die Hochburgen

Wahlbezirke
Besonders erfolgreich war Thorsten Frei in Fürstenberg mit knapp 61 Prozent der Stimmen, auch in Sumpfohren bekam der CDU-Politiker mit 56,1 Prozent mehr als jede zweite Erststimme. Den geringsten Stimmanteil hatte Thorsten Frei im Briefwahlbezirk Hüfingen I mit 37,4 Prozent. Ähnlich sieht es auch bei den Zweitstimmen für die CDU aus. Die AfD hatte ihren größten Erfolg im Briefwahlbezirk Hüfingen III St. Verena mit 34 Prozent der Stimmen. Im Stadtbezirk Hüfingen I kam die AfD dagegen nur auf 13,9 Prozent.