Wie ist die Bundestagswahl in Haigerloch gelaufen? Ein Blick auf die Zahlen offenbart, dass sich die Wahlberechtigten der 11 000-Einwohner-Kommune weitgehend im Bundestrend bewegt haben.
Was die Wahlbeteiligung betrifft, so waren die Haigerlocher etwas fleißiger unterwegs als der Bundesdurchschnitt. Von den 8004 Wahlberechtigten machten 6679 von ihrem Wahlrecht Gebraucht, das sind rund 83,5 Prozent der Stimmen. Es gab übrigens nur 34 ungültige Wahlzettel, das macht gerade einmal 0,5 Prozent aus; die Zahl der gültigen Stimmen lag also bei 6645.
Betrachtet man die Zweitstimmen, legten sowohl die CDU als auch die AfD zu. Die CDU holte in Haigerloch prozentual 37,7 Prozent der Stimmen und damit auch deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (28,6 Prozent). Es waren in Haigerloch auch sieben Prozent mehr als bei der Bundestagswahl 2021. Ihr bestes Zweitstimmen-Ergebnis fuhr die CDU in Owingen mit 42,2 Prozent ein. Ihr schlechtes in der Kernstadt mit 27,1 Prozent.
Ihren Höhenflug bei Bundestagswahlen in Haigerloch setzte die AfD fort. War es der Partei schon 2021 gelungen, ihr Wahlergebnis im Vergleich zur Wahl 2017 zu verdoppeln (sie stieß damals erstmals in zweistellige Zweitstimmen-Sphären vor), so waren ihre Zugewinne diesmal ebenso stark. Mit 25,4 Prozent übertrumpfte sie sogar ihr Bundeswahlergebnis (20,8).
In Trillfingen gibt es exakt gleich viele CDU- und AfD-Wähler
In der Kernstadt und in Bad Imnau gaben sogar mehr Wählerinnen und Wähler der „Alternative für Deutschland“ ihre Stimme als der CDU. Kurios: in Trillfingen gab es mit 37,2 Prozent exakt gleich viele AfD- und CDU-Wähler. Das beste Zweitstimmenergebnis holte die AfD in Bad Imnau (37,6 Prozent).
Auch „Die Linke“ steigerte sich im Vergleich zu 2021. Damals hatte sie in Haigerloch lediglich 2,4 Prozent der Zweitstimmen bekommen. Jetzt waren es 4,5 Prozent.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW) kam bei seiner ersten Teilnahme an einer Bundestagswahl im Felsenstädtle auf Anhieb auf 4,7 Prozent Zweitstimmen.
Verlierer der Bundestagswahl in Haigerloch
Nicht die Sozialdemokraten sind in Haigerloch die großen Wahlverlierer, sondern die Freidemokraten. Nachdem das Haigerlocher Zweitstimmen-Ergebnis der FDP bei der Bundestagswahl 2021 noch bei 18,5 Prozent gelegen hatte, landete sie diesmal bei 5,9 Prozent – ein Minus von 12,6 Prozent. Was für die Partei kein Trost sein dürfte: Wenigstens die Wähler im Eyachtal hätten sie gerne im Bundestag gesehen. Ihr bestes Ergebnis erzielte die FDP in Hart (8,2 Prozent).
Sozialdemokraten in der Einstelligkeit
Politisch war das Städtle noch nie sehr sozialdemokratisch orientiert, aber diesmal kam’s für die SPD im Eyachtal knüppeldick. Sie sank mit einem Zweitstimmenergebnis von 9,5 Prozent in die Einstelligkeit ab und lag damit auch klar unter ihrem Bundesergebnis (16,4 Prozent).
Im Vergleich zu ihrem 2021er-Wahlresultat (16,3 Prozent) büßte die SPD in Haigerloch 6,8 Prozentpunkte ein. Ihr bestes Ergebnis erzielten die Sozialdemokraten in Bittelbronn mit 13 Prozent.
Gerupft wurden auch die Grünen, wenn auch nicht ganz so stark wie ihre beiden Koalitionspartner. In Haigerloch schafften sie ein Zweitstimmenergebnis von acht Prozent, 2021 waren es noch 10,7 Prozent. Haigerloch wählte etwas weniger grün als der Bund (11,6 Prozent). Grünen-Hochburg bei den Urnengängern war die Kernstadt mit 9,8 Prozent.
Es standen natürlich noch mehr Parteien zur Wahl als die „Großen Sieben“. Am besten schnitten beim Zweitstimmenergebnis noch die Freien Wähler mit 1,4 Prozent der Stimmen ab, ihnen folgte die Tierschutzpartei (ein Prozent) vor Volt (0,6 Prozent).
Blick auf die Briefwähler in Haigerloch
Im Stadtgebiet gab es diesmal fünf Briefwahlbezirke – was die Analyse der Wahlergebnisse naturgemäß etwas erschwert, weil die Briefwählerinnen und -wähler letzten Endes nicht den prozentualen Wahlergebnissen der Teilorte zugerechnet werden, aus denen sie kommen.
Auffällig ist: Briefwähler favorisierten die CDU noch etwas stärker (Durchschnitt aller fünf Briefwahlbezirke: 41,8 Prozent) als Urnenwähler. Auf Platz zwei bei der Briefwahl kam die AfD (Durchschnitt: 19,3 Prozent).
Blick auf die Erststimmen für die Direktkandidaten
Thomas Bareiß (CDU) hat in Haigerloch 42,8 Prozent der Erststimmen bekommen und damit 7,9 Prozent mehr als 2021 (34,9). Robin Mesarosch (SPD) hat mit 13,5 kaum schlechter abgeschnitten als 2021 (14 Prozent) Er landete auf Platz drei. Vor ihm ging aber Lukas von Berg (AfD) mit 25 Prozent ins Ziel. Vierter wurde Simon Schutz (Grüne) mit 6,6 Prozent, Fünfter Boris Kraft (FDP) mit 4,4 Prozent. Auf Platz sechs landete Elena Krein („Die Linke“) mit 3,7 Prozent. Vergleiche der Erststimmen-Ergebnisse der Kandidaten von AfD, Grünen, FDP und „Die Linke“ mit der Bundestagswahl 2021 sind nicht möglich, da bei der damaligen Wahl für diese vier Parteien ganz andere Kandidaten antraten.
Wie 250 Haigerlocher Schüler den Bundestag gewählt hätten, lesen Sie hier.
Info
Erststimmen in absoluten Zahlen:
1. Thomas Bareiß (CDU): 2830; 2. Lukas von Berg (AfD): 1653; 3. Robin Mesarosch (SPD): 894; 4. Simon Schutz (Grüne): 439; 5. Boris Kraft (FDP): 289; 6. Elena Krein („Die Linke“): 245.
Zweitstimmen in absoluten Zahlen:
1. CDU: 2550; 2. AfD: 1697; 3. SPD: 629; 4. Grüne: 534, 5. FDP: 389; 6. BSW: 309; 7. „Die Linke“: 301; 8. Freie Wähler: 96; 9. Tierschutzpartei: 68; 10. Volt: 39.