Das Albstädter Wahlergebnis weicht nicht signifikant von dem des gesamten Wahlkreises Balingen-Sigmaringen ab. Die CDU bleibt unter dem Durchschnitt, die AfD liegt darüber – und der Blick auf die Stadtteile und einzelne Wahllokale lohnt sich.
Der Wahlsieger heißt auf dem Papier Thomas Bareiß – er hat den Wahlkreis gewonnen; er wird auch, anders als der Tübinger Parteifreund Christoph Maser, dessen Wahlsieg ein Muster ohne Wert ist, Sitz und Stimme im Bundestag haben.
Das verdankt er primär den Landgemeinden, nicht den Städten: Bareiß hat in Albstadt 34,65 Prozent der Erststimmen geholt, die CDU 33,46 der Zweitstimmen; damit steht sie besser da als in Balingen oder Hechingen. Aber natürlich ist Albstadt keine CDU-Hochburg, war es noch nie. Vor allem in der Textilhochburg Tailfingen haben früher auch Parteien links der Mitte reüssiert, allen voran die SPD. Das ist offensichtlich nicht mehr so, aber die CDU hat nichts davon.
Wer dann? Ganz klar: die AfD. Tailfingen, für schwäbische Verhältnisse einst notorisch links, hat diesmal richtig rechts gewählt. Lediglich in einem von sieben Wahllokalen, nämlich im Haus der Vereine, hat die CDU mit 34,7 Prozent ein durchschnittliches Ergebnis erzielt und die AfD distanziert, aber in den anderen sechs wurde sie teilweise deklassiert.
Das Bürgerbüro zum Beispiel: 40,76 Prozent für die AfD, 19,71 Prozent für die CDU. Oder die Grundschule Langenwand, Musiksaal: 41,77 Prozent für die AfD, 25,53 für die CDU – hier sind die Versuche, den rechten Rand einzufangen offensichtlich kläglich gescheitert.
Wobei der rechte Rand augenscheinlich weniger von gestandenen Konservativen dominiert wird als von den sprichwörtlichen kleinen Leuten, unter denen der Widerwille gegen den globalen Wandel und die Angst vor dem sozialen Abstieg grassieren. An den sozialen Aufstieg, den die SPD einst versprach, glaubt ohnehin niemand mehr.
Der Blick auf Ebingen scheint die Analyse zu bestätigen, auch wenn das Bild uneindeutiger ist als im Talgang. Die CDU hat im Raidental, im Gymnasium, in der Musikschule und in der Oststadtschule die meisten Stimmen eingesammelt, die AfD in den innerstädtischen Wahllokalen, in der Walther-Groz-Schule und in zwei von drei Wahllokalen der Weststadt. Ganz egal, was im Wahlprogramm der AfD steht – die kleinen Leute halten sie für die engagierteste Sachwalterin ihrer Interessen.
In Albstadts Stadtteilen ist die CDU traditionell am stärksten; das kam auch diesmal zum Tragen, wenigstens teilweise. Nicht so sehr in Onstmettingen; das ist offensichtlich schon zu groß und städtisch – von drei Wahllokalen gingen zwei, die in der Festhalle, an die AfD. In Pfeffingen lagen Schwarze und Blaue praktisch gleichauf, in Burgfelden, dem Ortsteil mit den vielen Lehrern, brachte es die AfD gerade mal auf 23,08 – für Albstädter Verhältnisse ist das bereits wenig.
Die Laufener: Auch diesmal unzufriedener als andere
Nur unwesentlich höher sind ihre Ergebnisse in Margrethausen und Lautlingen, wo die CDU die 40-Prozent-Marke knackte. In Laufen liegen die Dinge schon wieder anders: Die Laufener sind seit langem chronisch unzufrieden mit ihrer Stellung in der Stadt und zuletzt vor allem mit dem Modalitäten der Tunnelsanierung. Es gibt dort so etwas wie ein Protestwählerpotenzial, und ein solches orientiert sich derzeit primär zur AfD hin: Macht 31,12 Prozent.
Die Zeiten, da im Oberen Eyachtal der Weizen der FDP blühte, scheinen vorbei zu sein. Verhältnismäßig gut hat sie – was nicht weiter verwundert – überall dort abgeschnitten, wo die AfD relativ schwach war; im Übrigens wäre sie, ginge es nach den Albstädtern, noch im Bundestag, wenn auch nur knapp.
Natürlich war bisher nur von den Urnenwählern die Rede; von den Briefwählern weiß man ja nicht, in welchem Wahlbezirk sie zu Hause sind. Eine Aussage lässt sich allerdings machen; sie dürfte freilich keine besonders albstadtspezifische seien: AfD-Wähler gehen lieber zur Urne; ihr Anteil an den Briefwählern betrug gerade einmal 17,72 Prozent. Das mag enorm viel sein, wenn man es mit früheren Wahlen vergleicht, ist aber wenig gegen die 40,84 Prozent der CDU. Gäbe es nur Briefwähler, wäre der heiße Atem der AfD in Thomas Bareiß’ Genick ein lauwarmes Lüftchen. Aber es gibt nicht nur Briefwähler.
Wie geht es bei der SPD Albstadt weiter
Den höchsten Erststimmenzuwachs
in Baden-Württemberg verzeichnet die SPD im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen, wie Nils Maute, SPD-Vorsitzender in Albstadt, berichtet: „Wir haben hier unglaublich gekämpft, und es macht mich schon stolz, dass man in einer konservativen Region Zugewinne machen kann, wenn man gute Leute hat.“ Damit meint Maute nicht nur den bisherigen Bundestagsabgeordneten Robin Mesarosch und sein Team, dem Maute auch hauptberuflich angehört, sonder auch die Genossen in den Orts- und Kreisverbänden auf der Zollernalb und in Sigmaringen. „Zudem sind sogar ehemalige SPD-Mitglieder wieder eingetreten und viele neue hinzugekommen“, so Maute. Das motiviert mich auch, als SPD-Vorsitzender weiter zu machen.“ Künftig müsse die SPD das, was sie für die Bürger erreicht habe, besser kommunizieren, ist Maute überzeugt, und auf verschiedenen Wegen „vom klassischen Marktstand bis zu Social Media.“