Von der Anmeldung in die Wahlkabine bis zur Urne – bei der Juniorwahl an der Robert-Gerwig-Schule erleben die Siebt- bis Zehntklässler am Donnerstag, wie die Abläufe bei der Bundestagswahl am Sonntag aussehen. Foto: Fotos: Moser

Zum ersten Mal im Leben seine Stimme bei der Bundestagswahl abgeben – da kann man schon nervös sein. Entsprechend spannend war die Wahl am Donnerstag in der Robert-Gerwig-Schule – und das obwohl es für die Wähler erst einmal nur eine Generalprobe war.

St. Georgen - Spannend wird es an diesem Sonntag an den Wahlurnen der Republik. Welche Kandidaten und Parteien überzeugten im Vorfeld der Bundestagswahl und erzielen an diesem Tag hohe Stimmzahlen? Welche Partei stellt für die kommenden Jahre den Bundeskanzler? Fragen über Fragen, die mit Sicherheit erst am späten Sonntagabend beantwortet werden können. Aber nicht an der Robert-Gerwig-Schule. Denn hier haben die Siebt-, Acht-, Neunt- und Zehnklässler bereits am Donnerstag ihre Stimmzettel in die Wahlurnen geworfen – und das, obwohl sie eigentlich noch gar nicht an den Bundestagswahlen teilnehmen dürfen.

Wie das geht? Die Robert-Gerwig-Schule beteiligt sich an den Juniorwahlen, einem Projekt, das an Schulen in ganz Deutschland durchgeführt wird und bei dem die Bedingungen am Wahlsonntag so originalgetreu wie möglich simuliert werden. Auch in der Robert-Gerwig-Schule haben sich die Zehntklässler, die zusammen mit ihrer Klassenlehrerin Silke Schwinghammer die Organisation der Juniorwahl für die Klassen sieben bis zehn übernommen haben, alle Mühe gegeben, in ihrem Klassenzimmer ein echtes Wahllokal entstehen zu lassen.

Wahl-Atmosphäre liegt in der Luft – und auch ein bisschen Anspannung

Der Ablauf ist bestens organisiert: Zwei Zehntklässler sind am Eingang des Wahllokals stationiert. Sie nehmen die jungen Wähler in Empfang, erklären ihnen, wie der Stimmzettel aussieht und was es mit Erst- und Zweitstimme auf sich hat. Dann treten sie zur Seite – und das Klassenzimmer füllt sich mit Leben. Nach der selbstverständlich obligatorischen Handdesinfektion am Eingang muss die Wahlbenachrichtigung, welche die Zehntklässler im Vorfeld der Juniorwahl erstellen und verteilen mussten, vorgezeigt werden.

Mit dem Stimmzettel, den die Juniorwähler sodann erhalten, geht es – natürlich einer nach dem anderen und ohne Spickeln – in eine der drei Wahlkabinen, um die beiden Kreuzchen zu setzen. Kaum ist das geschehen, muss der Stimmzettel nur noch zweimal gefaltet und in eine der beiden Wahlurnen eingeworfen werden – ganz wie im richtigen Wahllokal eben auch.

"Ein bisschen Anspannung ist glaube ich schon dabei", sagt Schwinghammer, die das Geschehen an diesem Donnerstagvormittag zwischen 9 und 11.45 Uhr – während dieser Zeit war das Wahllokal geöffnet – überwacht. "Aber es ist ja auch das erste Mal." Schwinghammer hofft, dass die Schüler so an das Wählen herangeführt werden und bei der nächsten Wahl, bei der sie mit abstimmen dürfen, ihren Weg zur Wahlurne finden.

Von ihren Zehntklässlern, ist Schwinghammer überzeugt, würden wahrscheinlich am Sonntag alle wählen gehen, wenn sie schon dürften. In der Vorbereitung zur Juniorwahl haben sich die Zehntklässler seit Beginn des Schuljahres nämlich nicht nur mit dem Ablauf der Wahl vom Erstellen der Wählerverzeichnisse bis zum Auszählen der Stimmen, sondern auch mit den Parteien und Kandidaten, die an diesem Sonntag antreten, auseinander.

Am Sonntag darf noch keiner der Teilnehmer seine Stimme abgeben

"Die anderen Klassen", berichtet Schwinghammer am Morgen während der Juniorwahl, "kommen mehr oder weniger vorbereitet – so wie es halt bei der richtigen Wahl auch ist." 143 Schüler waren an diesem Tag in der Robert-Gerwig-Schule wahlberechtigt –­ 113 von ihnen haben die Chance genutzt, ihre beiden Stimmen abzugeben. Bei den Bundestagswahlen am Sonntag darf übrigens keiner von ihnen teilnehmen – sie sind allesamt noch zu jung. Und so war die Frage nach der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre natürlich auch in der Vorbereitung auf die Juniorwahl Thema. Das Ergebnis: "Die Mehrheit war dafür", schildert Schwinghammer die Stimmung bei den Zehntklässlern.

Die Stimmzettel sind ausgezählt, das Ergebnis der Juniorwahl an der Robert-Gerwig-Schule steht fest. Doch es bleibt noch unter Verschluss. Erst, wenn am Sonntag um 18 Uhr alle Wähler ihre Erst- und Zweitstimme abgegeben haben, dürfen auch die Ergebnisse der Juniorwahl veröffentlicht werden. Obwohl die Stimmen also ausgezählt sind, bleibt es noch spannend, was das Wahlergebnis an der Robert-Gerwig-Schule anbelangt.