Die Familie und die Digitalisierung sind die Kernthemen von Mario Caraggiu. Foto: Caraggiu

Er war schon immer an den kleineren Parteien interessiert und beschäftigte sich stärker mit der Politik, als die Piraten gerade groß im Kommen waren. Seit Ende 2019 engagiert sich Mario Caraggiu aus Mühlheim an der Donau bei den Humanisten und tritt nun bei der Bundestagswahl für sie an.

Kreis Rottweil - Als jemand, der auch als Jugendlicher schon viel auf Twitter unterwegs war, erwachte das Interesse an der Politik bei dem 29-Jährigen früh. Eine Weile habe er darüber nachgedacht, bei der SPD einzutreten. "Aber zu dieser Zeit herrschte bei denen gerade Chaos." Bei der Europawahl 2019 machte es schließlich "Klick" bei ihm.

 

Es habe zwar ein bisschen gedauert, bis er die Partei gefunden habe, die wirklich zu ihm passt, sagt Caraggiu. Dafür fühlt sich der IT-Berater für mobile Geräte bei den Humanisten nun umso besser aufgehoben.

Was der Vater einer Tochter erreichen will, ist insbesondere eine Entlastung der Familien, aber auch eine Abkehr vom traditionellen Familienbild. Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Eltern sollten wie alle anderen Eltern behandelt werden, findet er. Zudem stehen die Humanisten für ein Grundeinkommen für Kinder, das höher ausfällt als das Kindergeld.

Als größte aktuelle und künftige Herausforderung sieht er den Klimawandel. Sorge bereitet ihm nicht das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels, sondern vielmehr, was passiert, wenn man es nicht erreicht. Das werde auf Dauer viel teurer sein als jetzt zu investieren, so seine Prognose.

Gegen Stigmatisierung

Ein interessanter Aspekt seiner Partei sei, dass sie die einzige sei, die aus Klimaschutzgründen die Erhaltung der letzten Atomkraftwerke fordere. "Auf die muss man als Brückentechnologie setzen, um langfristig regenerative Energien fördern und aus dem Kohleabbau aussteigen zu können."

Kohle sei der deutlich schlimmere Feind als Atomkraft, auch wenn das spätestens seit Fukushima totgeschwiegen werde, meint der Humanisten-Kandidat.

Deutschland sei ein hochinnovatives Land, wie man etwa an der Autoindustrie sehe. Deshalb sei er guter Dinge, dass von hier der Impuls für eine Lösung des CO2-Problems kommen könnte. So hätten Wissenschaftler aus Karlsruhe ein Verfahren entwickelt, um CO2 aus der Luft in einen Kraftstoff umzuwandeln. Die Energie dafür liefern Solar- oder Windstrom.

Bei seinen Kernthemen halte er sich derweil an die Bereiche, in denen er Experte genug sei, um sich dazu äußern zu können, so der Mühlheimer. Umgekehrt stört ihn, wenn Menschen, die seiner Meinung nach nicht dafür geeignet sind, über ein bestimmtes Thema sprechen.

"Zum Beispiel, wenn Andreas Scheuer über Computerspiele redet oder die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig sagt: Cannabis ist kein Brokkoli", sagt der 29-Jährige.

Das beweise, dass sie sich nicht richtig mit dem Thema auseinandergesetzt haben, findet Caraggiu.

Caraggiu spricht sich grundsätzlich für eine Entkriminalisierung und Entstigmatisierung von Drogen aus. "Suchtkranke wird es so oder so geben. Durch die Prohibition erhalten sie aber keine Hilfe. Statt Verboten sollten wir lieber funktionierende Maßnahmen und Strukturen entwickeln."

Digital abgehängt

Mario Caraggius Kernthemen sind die Familie und die Digitalisierung. Was Letzteres angeht, so sei Deutschland von den anderen Ländern abgehängt worden. "Wir haben seit den 90er-Jahren Pläne für den Glasfaserausbau im ganzen Land in der Schublade liegen, aber immer war etwas Anderes wichtiger", sagt er.

Auch dass es kein Digitalministerium gebe und der Bereich Digitales beim Verkehrsministerium angesiedelt sei, passe überhaupt nicht in die aktuelle Zeit. Die Digitalisierung müsse vorangetrieben werden. "Kürzlich war ich im Urlaub in Kroatien und hatte überall 5G", sagt Caraggiu.

Generell verorten sich die Humanisten in der Lücke zwischen der FDP und der SPD, wie Mario Caraggiu erklärt. Man sei sozial-liberal unterwegs. Das bedeute zum Beispiel, dass man die Freiheit des Einzelnen sehr stark in den Fokus nehme, nicht jedoch den Aspekt der Wirtschaft.

Im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen müsse man nun gegen eine 70 Jahre andauernde Dominanz der CDU kämpfen, so Caraggiu. Da werde ihm seine Hartnäckigkeit helfen, ist er sich sicher.

Dem 29-Jährigen ist wichtig, bei der Wahl die nötige Aufmerksamkeit und 0,5 Prozent zu bekommen, um von der staatlichen Teilfinanzierung zu profitieren und die Partei weiter nach vorne bringen zu können. 2024 strebe man dann den Einzug in die kommunalen Gremien an.

Sorgen bereiten dem Kandidaten rechtsradikale Strukturen, aber auch Verschwörungstheoretiker und Querdenker. "Alle diese Strömungen gefährden die Demokratie." Und eben solche rückwärtsgewandte Politik sei überhaupt nicht in seinem Sinne, wie Mario Caraggiu betont. "Ich sehe mich als den Inbegriff von Progressivität."