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Bundestagswahl 2013 Wahlkampf pur im Südwesten

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Angela Merkel im Europa-Park in Rust, Peer Steinbrück in Ludwigsburg, Finanzminister Wolfgang Schäuble in Villingen-Schwenningen. Foto: Breuer/Hanschke/Eich

Villingen-Schwenningen/Offenburg/Rust/Ludwigsburg - Der Bundestagswahlkampf geht auch in Baden-Württemberg in die heiße Phase: Gestern buhlten unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) um Stimmen.

Ihre schwarz-rot-goldene Deutschlandkette hat sie diesmal zu Hause gelassen. Anders als beim TV-Duell mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verzichtet Angela Merkel gestern im Europa-Park auf das patriotische Accessoire. Die Regierungschefin belässt es bei zurückhaltendem Silberschmuck – und der passt bestens zum violetten Blazer im immergleichen Schnitt und den obligatorischen drei Knöpfen.

Nein, für Überraschungen ist die Kanzlerin wahrlich nicht bekannt. Vielmehr gibt sie dem Publikum genau das, was dieses erwartet: klare Thesen ohne zu viel Polemik, vorgetragen mit zurückhaltender Gestik und mütterlicher Mimik. Wer sich nach einem handfesten Haudrauf sehnt, ist bei ihr an der falschen Adresse. Und genau das schätzen die Anhänger an ihrer "Mutti". Für diese Sachlichkeit erntet Merkel stürmischen Applaus.

Die Kanzlerin versteht es, mit Macht umzugehen. Und weiß, diese in der richtigen Dosis einzusetzen. Obwohl ihr Kritiker immer wieder vorwerfen, sie sitze viele Probleme bis zum bitteren Ende aus – die 59-Jährige ist beliebter denn je. Die Reaktionen des Publikums in Rust lassen daran keine Zweifel aufkommen. Wohl auch deshalb verzichtet Merkel auch diesmal auf kernige Ansagen und belässt es bei einigen wenigen Seitenhieben in Richtung der politischen Konkurrenz.

Obwohl Merkel ihre spätestens seit dem TV-Duell allseits bekannten Einlassungen fast wortwörtlich wiederholt, wirkt der Vortrag anders als am Fernsehschirm. Die Sätze klingen kerniger, die Stimme der Kanzlerin ist höher und lauter als dies über Lautsprecher transportiert werden kann. Wahlkampf live eben. Ohne Moderatoren, die ihr ständig ins Wort fallen, fühlt sich die 59-Jährige sichtlich wohler.

Merkels Kernbotschaft ist unmissverständlich: Sie will Kanzlerin bleiben – "Ihre Kanzlerin", wie sie betont. Und als Amtsinhaberin nimmt sie sich das Recht, auf politische Erfolge zu verweisen. Mehr Jobs, weniger Arbeitslose – "darauf lässt sich aufbauen", so Merkel, die die Steuerpläne der SPD im selben Atemzug als unverantwortlich bezeichnet.

Dass wohldosierte Kritik an diesem Tag besonders angebracht ist, dürfte der Kanzlerin bereits im Vorfeld bewusst gewesen sein. Schließlich hat Frank-Walter Steinmeier (SPD), Merkels Herausforderer bei der Bundestagswahl 2009 und späterer Vizekanzler der großen Koalition, wenige Stunden zuvor einen Auftritt in Offenburg. Dort betont er ganz nebenbei, dass Merkel seit dem TV-Duell mit seinem Parteifreund Steinbrück den Nimbus als "Lichtgestalt der CDU" eingebüßt habe. Anschließend diskutiert er mit Bürgern über die Themenfelder demografischer Wandel, Flüchtlingspolitik und Europa.

Schäuble wettert mit geballter Faust über den politischen Gegner

Apropos Europa: Dass Deutschland als Stabilitätsanker in der Europäischen Union beim Management der Euro-Krise eine besondere Rolle zukommt, ist für Merkel selbstverständlich. "Die brennenden Kirchen in Ägypten und der Bürgerkrieg in Syrien zeigen, dass Europa etwas Wunderbares ist, für das es sich lohnt, zu kämpfen." Gleichwohl müsse bei aller Solidarität das Prinzip "Leistung und Gegenleistung" gelten.

Merkel – der Ruhepol, die kluge Gestalterin, die es liebt, das Heft des Handels in der Hand zu halten. Eine Figur im Spiel der Macht, die sich selbst erschaffen hat. "Sie kennen mich", sagt Merkel zum Publikum im Dome des Europa-Parks. "Ich bin Ihre Kanzlerin." Dass diese Bundeskanzlerin auch Wahlkampf kann, hat sie gestern in Rust unter Beweis gestellt. Violett ist eben doch die Farbe der Macht.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich gestern indes für eine Gleichstellung homosexueller Paare im Adoptionsrecht ausgesprochen. "Die Lebensentwürfe im 21. Jahrhundert sind bunter als früher", sagte er gestern beim Besuch des Film- und Medienzentrums im schwäbischen Ludwigsburg. Die Gleichstellung im Steuerrecht habe das Bundesverfassungsgericht der schwarz-gelben Bundesregierung nur "abgetrotzt".

Hintergrund ist die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel in der ARD-Sendung »Wahlarena«, dass sie sich mit der kompletten Gleichstellung von Lebenspartnerschaften schwertue. "Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt", hatte sie hinzugefügt.

Als "Spitzenredner" wurde gestern Abend im CDU-Wahlkampf in Villingen-Schwenningen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble begrüßt. Mit geballter Faust wetterte der 70-Jährige über den politischen Gegner, beschwor die europäische Währungs- und Wirtschaftsunion und lobte die "erfolgreiche" Politik unter Kanzlerin Angela Merkel.

Doch auch in Villingen-Schwenningen holt die CDU der Streit um ihren Noch-Abgeordneten Siegfried Kauder ein. Dessen Anhänger verteilen Wahlplakate – gar nicht zur Freude der Union.

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