Jan Felix Stöffler ist der jüngste Direktkandidat im Wahlkreis 280. Für die FDP möchte er in den Bundestag - und dort die Wirtschaft ankurbeln. Foto: Felix Biermayer

Jan Felix Stöffler von der FDP ist der jüngste Direktkandidat im Wahlkreis. Gerade deshalb beschäftigt ihn das Rentensystem. Er will zudem mehr Digitalisierung und weniger Bürokratie. Für seine Partei steht bei der Wahl viel auf dem Spiel.

„Wir als FDP riskieren unsere Existenz“, sagt Jan Felix Stöffler im Gasthaus Krone in Wildberg. Dorthin haben die Liberalen Unternehmer aus dem Wahlkreis 280 eingeladen. Die FDP möchte im Wahlkampf die Verbundenheit zur Wirtschaft demonstrieren.

 

Das trifft nur bedingt auf Gegenliebe. Im großen Saal sitzen die Besucher an einem einzigen Tisch. Nur etwa ein Dutzend Gäste sind der Einladung gefolgt. Die, die da sind, bemängeln zu viel Bürokratie, einen Staat, der Unternehmern „das Geld aus der Tasche zieht“, zu hohe Forderungen der Gewerkschaften oder die Klimapolitik.

Stöffler fordert eine „Wirtschaftswende“ in Deutschland, mit Fokus auf den Mittelstand. Die habe sich in der Ampel nicht durchsetzten lassen. Deshalb setzte die FDP bei den Neuwahlen alles auf’s Spiel – eben weil sie diese Wende wirklich wolle.

Persönliches

Stöffler ist der FDP-Direktkandidat für den Wahlkreis Calw, kommt aus Altensteig und wird am 13. Februar 25 Jahre alt. Er ist seit 2022 in der FDP, hat den Kreisverband der jungen Liberalen mit aufgebaut und arbeitet als Softwareentwickler in einem Mittelständischen Unternehmen.

Im vergangenen Jahr trat er bei der Kommunalwahl an – ohne Erfolg. Warum will er jetzt in den Bundestag? „Man darf nicht nur meckern, sondern muss was verändern“, sagt er.

Vereine

In seinem Wahlkreis will er das Ehrenamt unterstützten. Vereine litten unter der Bürokratie und sollten, wenn sie weniger als 1000 Mitgliedern haben, nicht alle Datenschutzvorgaben umsetzten müssen.

Infrastruktur

Die Infrastruktur will er optimieren. Es gehe im vor allem um eine Beschleunigung, meint er – und verweist auf die Hermann-Hesse-Bahn, die wegen der Fledermäuse in den Bestandstunneln erst viel später als geplant fahren werde.

Rente

Und Stöffler will sich für eine „echte Aktienrente“ einsetzen. Er sieht die Gefahr „sozialer Spannungen“. Denn aktuell zahlten junge Menschen ins System ein, wüssten aber nicht, ob sie im Alter noch etwas zurückbekommen. Die Rente sei ein junges Thema. Weil die alten Wähler aber die größte Gruppe seien, gingen solche Themen leider oft unter.

Kommunen

Die Kommunen möchte er entlasten. Einerseits durch weniger Regeln und eine digitale Verwaltung. Andererseits finanziell: Wenn der Bund etwas beschließe, müsse er das auch bezahlen – nicht die Kommunen. Dass das unter der Ampel anders war, stört Stöffler. „Das darf man in Zukunft nicht wieder machen“, sagt er.

Wirtschaft

Einen Bürokratieabbau strebt er auch in der Wirtschaft an. Berichtspflichten bänden Arbeitskraft und hemmten die Wertschöpfung. Nachhaltigkeitsberichte für Mittelständler will er streichen, bei großen Unternehmen auf den Prüfstand stellen. Die Steuern für Unternehmen sollen gesenkt werden, Überstunden steuerfrei sein. Mehrarbeit müsse sich lohnen, findet er. Der „Soli“ gehöre komplett abgeschafft.

Energie

Bei der Energieversorgung wünscht er sich mehr Technologieoffenheit. Subventionen brächten nur mehr Bürokratie. Der freie Markt solle entscheiden, welche Energieform sich durchsetzte. Er sei nicht gegen erneuerbare Energien, aber gegen die im Wahlkreis ausgewiesenen Vorrangflächen für Windenergie. Baden-Württemberg sei eher ein PV-Land. AKWs der neuen Generation müsse man offen gegenüber sein. Ein Endlager im Nordschwarzwald würde er dafür „in Kauf nehmen“.

Soziales

Bei der Kinderbetreuung fordert Stöffler flexiblere Betreuungszeiten. Das helfe berufstätigen Eltern. Die Krankenhausreform hält er für gut. Sei eine flächendeckende Gesundheitsversorgung nicht möglich, müsse aber der Staat einspringen. „Gesundheitliche Versorgung ist ein Grundrecht“, so Stöffler.

Das Bürgergeld sei zwar besser als HartzIV. Es fehlten aber die Anreize für Arbeit. Dass die FDP immer bei den Armen sparen will, hält er für unwahr. Er sei stolz auf den Sozialstaat, wolle aber unternehmerischen Erfolg belohnen.

Migration

Beim Thema Migration müsse auf EU-Ebene eine Lösung her. Deutschland könne nicht der „barmherzige Samariter der EU“ sein.

Stöffler ist aber wichtig, das Thema nicht mit der einer Migration in den Arbeitsmarkt in einen Topf zu schmeißen. Letztere sei wünschenswert.

Dass die FDP dem CDU-Antrag zur Migration gemeinsam mit der AfD zugestimmt hat, hält er für richtig – auch wenn er meint, dass die CDU den Antrag nicht hätte stellen müssen. Er sieht allerdings die „demokratischen Parteien“ in der Pflicht, in einer „inhaltlichen Debatte“ eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Ukraine will Stöffler weiterhin mit Waffen unterstützen.

„Alles lässt sich ändern“

„Alles lässt sich ändern“ lautet ein FDP-Slogan im Wahlkampf. Für die FDP kann Veränderung auch bedeuten, nach der Wahl aus dem Bundestag zu fliegen. In dem Fall fordert Stöffler klare Konsequenzen: Parteichef Christian Linder müsse dann zurücktreten, die Partei sich neu aufstellen.

Stöffler sieht vor allem das Image der FDP als Reichen-Partei als Problem. Aber noch ist er optimistisch: „Wir kriegen die Wähler mobilisiert“. Dafür müsse die FDP voll auf die „Wirtschaftswende“ setzen. Im Gasthaus Krone kommt diese Botschaft an – nur wollen sie nicht viele hören.