Eine offensichtliche Gemeinsamkeit gibt es zwischen dem SC Freiburg und der TSG Balingen. Beide Teams stehen zum Ende der Winterpause in ihren Ligen unerwartet auf Tabellenplatz zwei. Auf den zweiten Blick offenbart sich noch die ein oder andere Gemeinsamkeit zwischen dem badischen Bundesligisten und dem württembergischen Viertligisten.
In der Bundesliga sind bereits drei Partien gespielt. Die Hinrunde ist abgeschlossen und der erste Spieltag der Rückrunde gespielt. Die Regionalliga Südwest ist demgegenüber noch einige Wochen in der Winterpause. Für den SC Freiburg gab es gleich mal die kalte Dusche, mit einer 0:6-Schlappe zum Wiederbeginn beim VfL Wolfsburg hatte niemand gerechnet. Doch die Mannschaft von Trainer Christian Streich kann selbst so ein Nackenschlag nicht aus der Bahn werfen. Großen Gedankenspielen begegnet man mit Bescheidenheit und kühler Analyse. Akribisch wurden die Fehler aufgearbeitet, um es in den anstehenden Spielen besser zu machen. Das ist die Freiburger Mentalität.
Ein Freiburger in der Eyachstadt
Balingens Trainer Martin Braun hat eine Freiburger Vergangenheit und fühlt sich als Ex-Profi in seinem Herzen auch noch als SC-Spieler. Regelmäßig trägt er als Spieler der Traditionsmannschaft auch noch das Trikot der Breisgauer. "Im Training zeigt er Freiburger Situationen auf und zieht dann Parallelen zu uns", erzählt Balingens Torhüter Marcel Binanzer. Und sein Trainer kommentiert: "Da gibt es oft taktische Dinge oder andere Dinge über die Christian Streich referiert, die für ihn wichtig sind, die auffällig sind. Ich habe den Eindruck, dass es für die Spieler auch gut ist, dass sie eine Orientierung haben, wie das erfolgreiche Vereine in der Bundesliga machen. Da bringe ich dann immer wieder Zitate oder Beispiele, damit es für die Spieler auch vorstellbar ist, was ich so denke."
Parallelen auch zu den Eisernen
Das Beispiel Union Berlin passe neben dem SC Freiburg extrem gut zur TSG Balingen, sagt Martin Braun. "Die Berliner sind eine Saison nach der TSG aufgestiegen. Für mich ist das immer eine gute Motivation. Es kann auch mit geringeren Mitteln funktionieren, über einen längeren Zeitraum erfolgreich zu sein."Union Berlin spiele auch zufälligerweise fast dasselbe System wie wir, erklärt Braun, ohne dass man sich direkt daran orientiert habe. "Wir machen sehr viele Dinge sehr ähnlich, wie Union Berlin. Daher passt das Beispiel auch gut." Der SC Freiburg sei daneben das Beispiel, wie es über drei Jahrzehnte gehen kann.
Mit geringen Mitteln das Maximum erreichen
"Generell können wir uns abschauen, wie man sich als Mannschaft präsentiert, wie man auftreten möchte und wie man sich nach Außen darstellt. Vor allem gilt es, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen, aus dem Vorhandenen das Maximum herauszuholen." Das mache Freiburg aktuell unglaublich gut, so Binanzer "und wir machen das auch nicht so schlecht. Freiburg und Union sind in der Bundesliga schon so zwei Mannschaften, an denen wir uns orientieren."
Traum von DFB-Pokalteilnahme
Marcel Binanzer hat mit der TSG Balingen in dieser Saison hohe Ziele. Im WFV-Pokal stehen die Eyachstädter im Viertelfinale und müssen auswärts beim VfR Aalen ran. Der Balinger Torspieler erzählt: "Wir haben uns schon das Ziel gesetzt, ein paar Runden weiterzukommen und wenn es natürlich möglich ist, das Ding auch zu holen." Es wäre das erste Mal für die TSG Balingen und in der Folge auch die erste Teilnahme im DFB-Pokal. "Ich scherze immer, wenn ich eine Autogrammkarte hätte und da würde hinten drauf stehen 'DFB-Pokalteilnahme', das wäre dann natürlich etwas Besonderes."
Im Pokal Geschichte schreiben will auch der SC Freiburg. Der Bundesligist ist drauf und dran den Schritt ins Viertelfinale des diesjährigen DFB-Pokals zu machen. Für die Mannschaft von Trainer Christian Streich wartet auswärts beim Zweitligisten SV Sandhausen am 7. Februar allerdings keine leichte Aufgabe. Über das Viertelfinale und das Halbfinale könnte es aber wieder zum Endspiel in Berlin gehen. Dort scheitere der Sportclub in der Vorsaison sportlich an RB Leipzig, sammelte aber große Sympathien. Doch noch sind es 16 Mannschaften, die alle gerne den Pokal im Berliner Olympiastadion in die Höhe stemmen wollen.
Ein schöner Winter
Spannend zu beobachten wird es sein, ob sich sowohl der SC Freiburg in der Bundesliga, als auch die TSG Balingen in der Regionalliga Südwest oben wird halten können. Den Freiburgern trauen viele einen Champions-League-Platz im Endklassement zu. Doch die Saison hat noch 16 Spieltage und da kann viel passieren. Und auch die TSG Balingen hat noch 18 Regionalliga-Spieltage vor der Brust. Marcel Binanzer: "Es war jetzt ein schöner Winter, immer mal wieder die Kicker-App zu öffnen und sich die Tabelle nach 20 Spieltagen anzuschauen, das macht dann einfach mehr Spaß, wenn man ziemlich weit oben ist."
Beide Vereine setzen auf die Jugend
"Klar, wollen wir da so lange wie möglich, so weit wie möglich oben stehen aber wir wissen auch, dass wir noch ein paar Plätze nach unten rutschen werden, alleine schon deswegen, weil die anderen noch Nachholspiele haben. Aber klar, freiwillig geben wir da keine Platz ab und ich glaube, das war jetzt nicht nur Zufall in der Hinrunde, wir werden weiter versuchen für Furore zu sorgen." Genauso wie der SC Freiburg, der wie die TSG Balingen auf ein gefestigtes Mannschaftsgefüge baut, das sich über Jahre einspielen konnte und punktuell verstärkt wurde. Nichtzuletzt setzen beide Vereine auf eine vorbildliche Jugendarbeit, die immer wieder junge Talente aus der jeweiligen Region - Baden wie Württemberg - an die erste Mannschaft heranführt.